Ihr Lieben,

nun ist er also vorbei, der hektische März. Warum er so hektisch war? Weil es Monate gibt, in denen ich gegen meine Grundregel verstoßen muss, weil zeitlich alles zusammenfällt. Die Grundregel, die lautet: Nicht mehr als eine Verabredung in der Woche. Also zusätzlich zu allen „Verabredungen“, die ich standardmäßig habe (meine Kinder irgendwohin zu fahren, Essen zu kochen, einzukaufen, Wäsche zu machen, meinen Blog zu füllen – it’s neverending).

Die add-on Verabredung muss eine sein, für die es sich lohnt, die extra Meile zu gehen. Und manchmal gibt es eben Monate wie den März, in dem viel interessante Dinge, die ich unbedingt erleben und machen möchte, zusammenkommen.

That said stolperte ich die Tage über einen Artikel aus der Süddeutschen Zeitung. Der handelte von zwei Zeitforschern, die darüber sprachen, warum wir Menschen so getrieben sind. Tatsächlich haben wir nämlich nicht zu wenig Zeit, sondern zu viel zu tun.

Und (AHA!), die Regel der Zeitforscher lautet „Nicht mehr als eine Verabredung am Tag“. Wahrscheinlich weil sie Frauen haben, die ihr Essen einkaufen und die Spülmaschine ausräumen. Da kann man sich halt insgesamt mehr Verabredungen erlauben, als unsereins.

All das war nice to read und FAST hätte ich den Artikel weggeklickt, als die entscheidende Passage der Autorin des Artikels, Martina Scherf, kam. Und damit mein AHA-Bingbingbing-so-habe-ich-das-ja-noch-nie-gesehen-Moment.

„Wichtig sei, die eigenen Ressourcen zu entdecken, sich zu fragen: Wo spüre ich mich? „Jeder hat sein eigenes Tempo, manchmal muss man schnell sein, manchmal langsam. Je mehr Qualität man lebt, desto stärker wird man.“

So. Damit wären wir dann am Knackpunkt. Wo spüre ich mich? Was für eine geniale Frage. Meine Antwort: Da, wo ich mich lebendig fühle. Da wo ich sprühe vor Ideen. Da wo ich mich nicht zurückhalten muss mit Worten. Da wo ich Austausch habe, auf Augenhöhe. Oder wo ich über mich hinauswachsen darf, ohne mich für meine Talente und mein Wissen und mein schnelles Denken entschuldigen zu müssen.

Und vor allem: Da wo bei den vorangegangenen Sätzen keiner denkt: „Jetzt hebt sie aber ab.“ oder „Das ist ja ganz schön arrogant.“

Gegenfrage. Wo spüre ich mich nicht? Wo ich mit Menschen in einem Raum bin, die träge sind. Nicht begeisterungsfähig und bequem. Die business as usual der Innovation vorziehen. Ich spüre mich nicht in Lesermails, die mich nicht sehen. Mich auf Rezepte reduzieren oder auf  meine Meinung aus Posts, die fünf Jahre oder älter sind.

Ich spüre mich nicht, wenn mir Stalker schreiben. Auch nicht, wenn mir unsympathische Menschen unter dem Vorwand des sozialen Miteinanders versuchen, mein Wissen „abzuziehen“. Umsonst gecoacht zu werden. Dann fühle ich mich, als würde mir jemand Lebenszeit stehlen. Ich spüre mich nicht, wenn zu lange nichts passiert. Ich auf der Stelle trete. Unzufriedenheit mit Chips betäube. Oder noch schlimmer: mit Rotwein. Obwohl das ja auch manchmal ganz lustig sein kann ;-)

Und was heißt das jetzt? Dass ich nach dem hektischen März und dem ersten Jahresquartal einen ganz klaren Cut mache. Oder wie Frau Herz (wer den Bericht über ihren Projektin Vortrag verpasst hat – hier geht es zu meinem letzten Post) sagen würde: Ich möchte mehr von meinem Potenzial leben und weniger Ablenkung haben. Ich möchte mein Ding machen und meine Ziele verfolgen. Ich möchte meine innere Ruhe jeden Tag spüren. Ich möchte für mein Wissen bezahlt werden. Und weniger Zeit für Menschen haben, die nur eins von mir wollen: Dass ich ihnen umsonst einen Vorsprung verschaffe.

Wenn ich etwas von mir, meiner Zeit und meinem Können for free hergebe, dann weil ich mich in guter Gesellschaft befinde. Hier auf meinem Blog. Bei meinen Lesern. Oder auf Veranstaltungen wie der Projektin. Das war Bombe. Oder in meinem Frauennetzwerk. Weil da alle mitdenken und genauso stark in ihrem Bereich sind.

All das ist für mich super. Da spüre ich mich. Aber eben nicht, wenn Menschen, die ich kaum kenne, mich nach meinen Geschäftsgeheimnissen (aus)fragen.

Deshalb dürfen all meine liebgewonnenen Leser hier weiter umsonst mit mir wachsen, wenn sie möchten. Und wer noch schneller sein will, kauft mich. Es wird sie geben, die digitalen Produkte zu einem erschwinglichen Preis, damit ihr in eurem Tempo von mir lernen könnt. Und damit ich denen einen Link schicken kann, die meinen, ich bin eine kostenlose Auskunftei (call me Mrs. Google). Auch die Coachings, die ich momentan nur auf Leseranfrage mache und insgeheim „living room sessions“ nenne, werde ich öffentlich ausschreiben. Und freu mich jetzt schon darauf, mit euch engagierten Menschen zusammenzusitzen.

Tut gut, das einfach mal in klare Sätze zu verpacken. Es ist ein bisschen wie mit der Frisörin, die immer wieder im privaten Umfeld gefragt wird, ob sie „mal eben xy die Haare schneiden kann“. Nein, kann sie nicht, denn sie hat frei. Mein Frisör schneidet sogar die Haare seiner Frau und Kinder im Salon. Recht hat er.

Nun werde ich heute einen fabelhaften Sonntag verbringen, die Sonne im Englischen Garten genießen und ab Morgen loslegen mit allem, wo ich mich spüre. Produkte konzipieren, aufnehmen und einsprechen. Den Shop in den nächsten Monaten damit befüllen. Wieder häufiger auf meinen Blog sein –  mit so vielen Themen, die hier auf Halde liegen. Fotos und Notizen sind schon gemacht, nur die Zeit fehlte dauernd. (Rezepte! Bastelideen! Emotionales! Dinge, die mich bewegen! Reisen! Themen, die in der Luft liegen!). Und ich werde diese EINE GROSSE IDEE nach vorne treiben, die mich schon seit Jahren beschäftigt.

Jetzt weiß ich: Es fehlte nie die Zeit, sondern ich hatte einfach zu viel zu tun. Ab heute besinne ich mich wieder auf das Wesentliche. Habe mehr Spaß mit mir, mit euch und spüre mich wieder.

In diesem Sinne

Eure Svenja

P.S.: Wo spürt ihr euch eigentlich? Und wo nicht? Und wo denkt ihr schon ewig: Das will ich eigentlich so nicht mehr? Darf man auch mal laut formulieren. Mir hat das auf jeden Fall gerade sehr gut getan!

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