Ihr Lieben,

ihr wisst ja, wie cool ich kreative Frauen finde. Und ganz besonders solche, die nicht lange fackeln, sondern machen. Also solche Frauen wie  meine Freundin Mareike von dem wunderbaren Blog Mutti so yeah. Und wenn so eine Freundin ein Buch schreibt – und ich darin auch noch einen Gastbeitrag veröffentlichen darf – dann möchte ich dafür laut trommeln und mich freuen und sagen: Kauft. Das. Buch.

Und zwar in genau dem Ton, wie früher diese Dominas nach 12 auf RTL in der Pornoline-Werbung. Erinnert ihr euch noch? Was jetzt irgendwie ein guter Übergang ist, denn Mareike hat nicht nur „Ene Mene Miste, Mutti schreibt ne Liste“ geschrieben, sondern schreibt schon seit 10 Jahren als Redakteurin für den Playboy. Ja, Playboy. Diese Mutti hat nämlich noch viel mehr drauf.

Auf Mareikes Buchparty

Einen irren Witz, trocken bis zum geht nicht mehr. Eine krasse Beobachtungsgabe. Und die Fähigkeit, den faden Alltag so auf den Punkt zu bringen, dass man sich kringeln möchte vor Lachen. Genauso wie Erlebnisse im Elternkosmos zu schildern, die einen in ungläubiges Kopfschütteln verfallen lassen. Ich habe alle doofen Elterntypen wiedererkannt, die ich nicht mag. Und ein kliiiiitzekleines bisschen auch mich selbst.

So sieht das aus, wenn Bloggerfreundinnen sich zusammen freuen!

Svenja: Du hast ein Buch geschrieben. Darin stehen nur Listen. Warum?

Mareike: Weil ich das Listenschreiben einfach liebe: es sortiert so schön das Chaos im Kopf, und davon hat man ja als Mama nicht gerade wenig. Außerdem finde ich, dass Listen die perfekte Form für junge Eltern sind. Wenn um einen herum alle fünf Minuten jemand schreit, sich das Knie aufgeschlagen hat oder dringend eine Apfelschorle braucht, ist häppchenweises Lesen ideal. Da kann man später einfach wieder einsteigen, ohne das Gefühl zu haben, jetzt total raus zu sein.

Svenja: Im „echten Leben“ bist Du ja beim Playboy. Auch da schreibst Du manchmal Listen. Was sind das für Listen und hat Dir diese Schreiberfahrung beim Buch geholfen?

Mareike: Für mich sind Listen tatsächlich eine literarische Form. Das sind nicht nur irgendwie hingekritzelte Notizen – eine gute, unterhaltsame Liste muss eine bestimmte Länge, einen Rhythmus und am besten auch Witz haben. Dazu konnte ich natürlich beim Playboy in den letzten Jahren einiges ausprobieren. Ganz generell merke ich bei meiner Arbeit immer wieder, wie wichtig gerade die kleinen Texte sind: eine gute Headline oder eine knackige Bildunterschrift. Da steckt bei uns viel Mühe drin, die sich aber lohnt. Schließlich entscheidet sich hier oft, ob jemand weiterliest oder die Geschichte überblättert.

Svenja: In Deinem Buch merkt man auf jeder Seite: Die kann schreiben. Wie hast Du das eigentlich gelernt? Und wo und was schreibst Du heute?

Mareike: Das journalistische Schreiben habe ich durch viele verschiedene Praktika, zum Beispiel bei der Süddeutschen Zeitung, bei der Bunten, der Badischen Zeitung und der Sächsischen Zeitung gelernt. Aber auch während meines Volontariats an der Burda Journalistenschule. Heute leite ich beim Playboy das Ressort Film/ Unterhaltung und führe vor allem viele Interviews. Das macht mir riesig Spaß und obwohl ich kein Kerl bin, hat das immer wieder auch viel mit meinen Lebensbereichen als Mutter zu tun. Jürgen Vogel hat mir zum Beispiel neulich im Interview erzählt, wie beknackt er es findet, wenn Männer trotz einer festen Partnerschaft die Entscheidung für oder gegen Kinder auf die lange Bank schieben, weil sie selbst dazu ja noch viel länger Zeit haben als ihre Frauen – und dafür schließlich auch einfach irgendwann mit einer Jüngeren zusammenkommen kommen können. Frauen in seinem Bekanntenkreis, die mit solchen Männern zusammen sind, hat er deshalb schon geraten, sich zu trennen. Cooler Typ, oder?

Svenja: Du bist eine sehr genauer Beobachterin des Lebens. So kommen in Deinen Listen viele Dinge vor, bei denen ich gleich gerufen habe „Ach ja, stimmt, genau so ist das.“ Oder direkt in Lachen ausgebrochen bin, weil Du Dich traust, Sachen zu sagen, die manche noch nicht mal denken. Oft ist es aber auch wirklich absurd, was das Elterndasein für uns bereithält. Gab es eigentlich auch Sachen, die Dich selbst erschrocken haben? Also Verhaltensweisen oder Mechanismen, denen Du erst im Zuge Deiner Recherchen auf die Schliche gekommen bist?

Mareike: Wenn ich in manchen Listen bestimmte Verhaltensweisen von Müttern anprangere, dann hänge ich da natürlich auch immer ein bisschen selbst mit drin. Und das ist manchmal schon erschreckend. Es gibt zum Beispiel eine Liste mit „Mutti-Beef“, also Kommentare, mit denen sich Mamas gegenseitig das Leben schwer machen. „Ihr impft einfach so, nach den Empfehlungen des Kinderarztes?“ etwa. Oder: „Stillbabys haben ja eine viel intensivere Bindung zu ihrer Mutter als Flaschenkinder.“ Völlig unnötig und anmaßend alles, mache ich aber leider auch selbst. Neulich habe ich nach längerer Zeit eine Bekannte wiedergetroffen, die mir erzählt hat, dass sie seit dem ersten Geburtstag ihres Sohnes wieder 40 Wochenstunden arbeitet. Und was sage ich als erstes? „Krass.“ Da habe ich mich sofort danach ziemlich für mich selbst geschämt.

Svenja: Hat das Buch eigentlich auch was mit Deiner Ehe bzw. mit euch als Familie gemacht? Kann man jetzt bei einem Streit sagen „Liste Nr. 24“ und das Thema hat sich erledigt, weil man dann lachen muss?

Mareike: Dadurch, dass ich inzwischen so irre viele Rückmeldungen dazu bekommen habe, wie sehr sich die Leser in meinem Buch wiederfinden, kommen wir uns jetzt in vielen Situationen einfach normaler vor. Und nicht mehr wie Freaks, die ihr Leben nicht so richtig auf die Reihe bekommen. Das hat etwas sehr Befreiendes!

Svenja: Nochmal zum Buch schreiben an sich: Das ist ja ein Traum vieler. Wie genau ist es eigentlich bei Dir dazu gekommen? Wie kommt man heutzutage an einen Buchvertrag?

Mareike: Den Buchvertrag hat mein Literaturagent für mich eingefädelt, bei dem ich schon seit einiger Zeit unter Vertrag bin. Ich bin ja selbst noch ganz frisch im Business, aber das scheint für mich ein sehr sinnvoller Weg zu sein. Gerade als Erst-Autor hat man ja gar keine direkten Kontakte zu den Lektoren in den Verlagen.

Svenja: In Deinem Buch gibt es einige „Mit-Autoren“, die Gastlisten einreichen durften. Ich gehöre auch mit dazu. Meine Liste trägt die Überschrift „Mama macht in Online – was sie sich vorher überlegt haben sollte“ – ich werde sie unter diesem Interview verbloggen. Du bloggst ja nun auch schon einige Jahre und bist sowohl online, als auch im Print zuhause. Was ist für Dich eigentlich der größte Unterschied und bist Du froh, dass Du damals einen Blog gestartet hast?

Mareike: Oh ja, sehr sehr sehr froh bin ich darüber! Schon alleine deshalb, weil ich so wunderbare Menschen über das Bloggen kennengelernt habe. Weil dadurch überhaupt erst die Idee zu meinem Buch entstanden ist. Weil es mich wach und neugierig hält und ich so viel dabei gelernt habe. Der größte Unterschied besteht für mich in der Interaktion und dem direkten Kontakt mit den Lesern. Es ist ein bisschen wie mit kleinen Kindern: man hat ganz schön was zu tun und manchmal schlaflose Nächte – aber man bekommt so viel zurück, dass es sich doppelt und dreifach lohnt.

Danke für die ganzen Antworten Mareike! Und hier jetzt noch meine Liste für euch als exklusive Online-Veröffentlichung. natürlich mit Mareikes einführenden Worten!

MUTTI MACHT IN ONLINE – WAS SIE SICH VORHER ÜBERLEGT HABEN SOLLTE

Man geht ja eigentlich davon aus, dass in der Elternzeit Muttis Hirn und Ehrgeiz erst mal Pause machen. Aber wie das eben so ist, wenn man am wenigsten damit rechnet: Genau jetzt kommen viele Mütter auf die tollsten Ideen! Für kleine, feine Shops mit Herzblut. Für Blogs. Oder Service-Angebote, die es so noch nicht gibt. Und sie beginnen beim Kinderwagen schieben darüber nachzudenken, ob sie neben diesem kleinen Menschlein gleich noch ein Online-Baby in die Welt setzen sollten. Ja oder nein oder doch, aber wann und wie? Wer könnte bei diesen Überlegungen besser helfen als eine, die quasi Nullen und Einsen im Blut hat: Svenja Walter, Zweifach-Mutter und Bloggerin der ersten Stunde. Ihre enorm erfolgreiche Seite «Meine Svenja» ist längst zur Marke geworden, sie spricht auf Konferenzen, coacht andere Blogger und Unternehmen, hat einen eigenen YouTube-Kanal – und kennt alle Fragen für die persönliche Soll-ich-oder-nicht-Bilanz.

• Gibt meine familiäre Situation genug Zeit für ein Online-Business her? Zuerst die Bestandsaufnahme: Wie alt sind die Kinder? Wie sehr brauchen sie mich noch? Habe ich genug Zeit für und mit meinem Partner? Werde ich allen Bedürfnissen gerecht und habe trotzdem noch Raum für mich? Erst wenn ich einen genauen Check gemacht habe, wo ich gerade stehe, kann ich entscheiden, ob schon Platz für etwas Neues in meinem Leben ist.

• Habe ich wirklich Lust auf das Thema? Ich werde viele Stunden mit meinem Online-Baby verbringen. Deshalb sollten mir – egal, ob es ein Mom-Blog oder ein Shop auf «Dawanda» ist – auf Anhieb viele Posts oder mögliche Produkte einfallen. Einfach mal mit einem Stift und einem Zettel hinsetzen und den Test machen. Wem nicht mindestens hundert Themen einfallen, sollte sich was anderes suchen.

• Habe ich genug Biss, Disziplin und einen langen Atem? Ein Online-Business hat keine Öffnungszeiten, sondern ist eine 24/7-Angelegenheit. Jeden Tag müssen Anfragen und Kommentare beantwortet werden – und im Hintergrund gibt es rund um die Uhr etwas zu organisieren. Ich selbst habe mir meine erste Schreibpause nach fünf Jahren genommen. Wer erfolgreich werden möchte, auf den wartet eine spannende Zeit, die sehr viel Energie braucht.

• Möchte ich eine Nerd-Brille aufsetzen?Wer online arbeitet, arbeitet technisch. Am Laptop, mit Smartphone und Kamera. Macht Bilder, nutzt Software, schneidet Filme und programmiert (auch wenn man das nie wollte). Versucht Bugs in WordPress zu beheben oder zu verstehen, warum der Shop gerade nicht rund läuft. All das geht nur, wenn ich Lust auf Technik habe. Wenn ich mich gerne in Dinge reinfuchse und mir mit YouTube-Tutorials neue Welten erschließe.

• Bin ich mir klar darüber, wie mein Arbeitsalltag aussehen wird? Das, was vorne raus ziemlich glamourös aussehen kann (Kooperationen, Bloggerreisen, Events, ein eigener Online-Shop, Umsätze), ist hinten raus viel Sisyphos-Arbeit. Ich selbst schreibe vielleicht zehn Prozent meiner Arbeitszeit. Die restliche Energie fließt in Organisation und Backoffice. Vom Holzplatte kaufen im Baumarkt für den Fotohintergrund bis Taxiquittungen aufkleben.

• Arbeite ich gerne selbstbestimmt und eigenverantwortlich? Als Onlinerin habe ich keinen Chef, keine Deadlines, keine Kollegen für einen Plausch an der Kaffeemaschine. Wer intrinsisch motiviert ist und die Stille liebt, ist online richtig. Austausch und Kommunikation kommen dann über die sozialen Plattformen – mehr als genug.

• Wie viel will ich von mir zeigen? Als Onliner gebe ich Dinge preis, die jeder nachlesen kann. Die Schwiegermutter, der Exfreund, die Mutter aus dem Kindergarten. Sich dieser Tatsache bewusst zu sein und trotzdem echt zu bleiben und zu sagen, was man denkt, oder zu zeigen, wofür man steht – das ist ein schmaler Grat. Für den nicht jeder gemacht ist.

• Bin ich gleichermaßen perfektionistisch wie locker? Perfektionismus ist wichtig, denn niemand möchte einen Text mit zig Rechtschreibfehlern lesen. Aber auch wenn ich die Fotos dreimal bearbeite und immer noch nicht zufrieden bin: Irgendwann muss ich sie veröffentlichen. Online zu arbeiten heißt, Dinge hinzukriegen und online zu stellen. No matter what.

• Weiß ich wirklich, was meine Kunden wollen? Fragen hat noch nie geschadet. Man spart sich viel Zeit und viel Geld. Und das sage ich aus Erfahrung. Dieser kleine Punkt ist so wichtig, dass er eigentlich an die erste Position gehört. Dass er da nicht steht, liegt daran, dass ich mit dieser Frage ein komplett neues Fass aufmache. Das von Logodesign und Kundenpersonas, von Design Thinking und Storytelling. An dieser Stelle sind die YouTube-Tutorials (siehe oben) sehr praktisch.

• Mach ich das jetzt, oder mach ich das jetzt? Am Ende ist es egal, ob ich wirklich alles vorher bedacht habe. Ob Online richtig für mich ist, lerne ich vor allem durchs Ausprobieren. Also: Wer wirklich Lust darauf hat, Onliner zu werden, sollte loslegen. Für mich war es die beste Entscheidung meines beruflichen Lebens, es einfach zu machen. Jeden Tag aufs Neue.

In diesem Sinne,

Eure Svenja