Ihr Lieben,

hui, das wird ein ganz schön spannender Blogpost. Ich habe so viel gelernt seit ich Anfang der Woche meinen DIY Channel gestartet habe, dass ich euch davon erzählen möchte. Weil ich weiß, dass auch ihr Träume habt, die ihr umsetzen wollt. Weil ich weiß, dass auch ihr berufliche Herausforderungen habt, die ihr lösen möchtet. Und weil ich weiß, dass auch ihr euch manchmal fragt, ob ihr etwas machen oder es lieber sein lassen sollt.

Alles Fragen, die mich lange umgetrieben haben und deshalb möchte ich euch in den ersten Wochen meines neuen Projektes immer mal wieder zeigen, wie es hinter den Kulissen zugeht und vor allem: was ich lerne.

Woche 1: Meine 5 wichtigsten Learnings

1. Learning – Der Workflow

Mir ist von Anfang an klar: Das Wichtigste ist es, in der ersten Woche eine Art Workflow zu finden. Also alle Arbeiten, die zu einem täglichen YouTube Channel gehören a) zu durchlaufen. Denn wenn ich ehrlich bin, weiß ich ja noch gar nicht, was da auf mich zukommt. Dann will ich b) schauen, welches Arbeitspensum ich schaffe. Und c) in welcher Reihenfolge mir die Arbeiten gut tun und zu welcher Tageszeit welche Tätigkeiten am meisten Sinn machen.

Beim Bloggen habe ich gelernt, dass meine beste Schreibzeit morgens ist, vom Aufwachen bis ca. 12:00. Danach geht nicht mehr viel, was wirkliche Konzentration erfordert. So findet kreatives Schreiben vormittags statt, nachmittags bin ich dann offen für Mails, Organisation, Einkäufe, Planung, Sortieren und Ordnung schaffen. Was diese beiden Zeitfenster teilt? Das Mittagessen und ein Mittagsschlaf – jeden Tag 1/2 Stunde.

So war es bis jetzt. Also bin ich in das neue Projekt gestartet mit der Erwartung, dass ich auch hier die Arbeiten in „kreativ“ und „technisch-organisatorisch“ teilen kann. Und ich dachte der kreative Part wären die Bastelarbeiten, das Malen – also der Part, in dem ich selbst kreativ bin, während ich das Ganze für euch aufzeichne.

Zur Hälfte stimmt das auch, wobei die Kamera gerade zu Anfang ein bisschen den Flow und die Leichtigkeit rausnimmt. Denn vor der Kamera zu basteln fordert eine andere Kopf- und Handhaltung. Weil ich nonverbal mit euch kommunizieren muss, Dinge zeigen und präsentieren muss. Das funktioniert jetzt nach ein paar Tagen schon ganz gut. Und ich denke, dass es in ein paar Woche zur Selbstverständlichkeit wird, das Gemalte am Ende noch einmal hübsch der Kamera zu präsentieren, auf zu faltende Kanten zu tippen und die Schere so zu halten, dass ihr auch seht, wo ich entlang schneide.

Womit ich nicht gerechnet hatte ist, dass die Kreativität nicht mit dem DIY aufhört. Sondern danach direkt weitergeht, im Schnitt. Das ist, weil total ungewohnt, der Teil, der mich gerade herausfordert. Ich versuche, Bilder, Musik und Worte so zusammenzubringen, dass ihr das DIY nicht nur nachmachen könnt. Sondern auch Freude daran habt, es anzusehen.

Einige von euch haben mir so liebe Nachrichten geschickt. Ihr habt gesehen, wie viel Energie und Herzblut ich in diese Visualisierungen und das Editing stecke. Das hat mir gut getan – ein Riesendank an dieser Stelle.

„Der Zeitraffer kommt immer genau im richtigen Augenblick – wenn man weiß was zu tun ist. Die Musik ist angenehm zurückhaltend..und jetzt muss ich los…Neonschrift zeichnen

 „Ich bin nicht gerade der Basteltyp, aber ich habe Dein Lettering Video angesehen und ich habe nicht eine Sekunde überlegt, das Video vorher abzubrechen, so gebannt habe ich zugeschaut. Die Geschwindigkeit des Videos, Deine Darstellung des Themas, die Musik, der gelbe Hintergrund – für mich als „normaler User“ ist es ein perfektes Video und ich kann nur erahnen, wie viele Stunden in das Projekt bislang geflossen sind!“
 
„Liebe Svenja, ich möchte Dir nur kurz zurufen, wie begeistert ich jetzt schon von Deinen Videos  bin. Mir gefällt, dass sie so ruhig sind, keine nervige Musik und auch optisch sind sie leise, weil farblich so wunderschön komponiert. Das ist ja regelrecht Wellness für die Augen und macht großen Mut, es Dir nach zu basteln. Ja, ich glaube das ist das Geheimnis; die Botschaft dahinter ist: Mit mir klappt das, wir machen das ganz in Ruhe, ich zeige es Dir!“
 
Gerade weil ich am Anfang stehe und alles nur in meinem Gehirn entstanden ist, ist euer Feedback für mich unendlich wertvoll. Denn für euch mache ich die Videos ja. Und freue mich auch über konstruktive Kritik. Besser geht immer!
 
Als ich im April 2017 verkündet habe, dass ich einen Channel eröffne, haben so viele geschrieben: „Das wird eh ein Erfolg. Wie immer, wenn Du was anpackst.“ Aber hei, Dinge werden nicht erfolgreich, weil ich sie anpacke. Sondern weil ich wahnsinnig viel Zeit und Energie und Liebe reinstecke. Mir ist noch nie in meinem Leben etwas über Nacht gelungen. Alles hat lange gedauert. Ich erwarte nicht, dass das bei diesem Projekt anders sein wird.
 
Ich werde nicht plötzlich exorbitante Abonnentenzahlen haben. Oder Wahnsinnsviews. Ich muss erstmal ein Publikum finden, einen Geschmack treffen und vor allem: üben und besser werden. All das geht nur mit Zeit und langem Atem. Und da ist mir jeder eurer Kommentare ein goldener Mutmacher.
 
Was noch toll war in dieser Woche? Jetzt habe ich einen Blog, auf dem ich schreiben kann und einen Channel, für den ich drehen und editen kann. Fühlt sich an wie ein Hauptgewinn.
 
Einen kleinen Ausraster hatte ich auch schon – erst in echt und dann auf Instagram. Normal, gehört dazu, ist überwunden und die Ärmel sind wieder hochgekrempelt:

2. Learning – Die Community

Die Community ist ja schon immer das, wofür ich all meine Projekte überhaupt erst anzettele. Um etwas zurückzugeben in diesem Leben, das es sehr gut mit mir meint. Um mich auszutauschen, mein Menschsein und das Menschsein anderer in gemeinsamen Erlebnissen zu verbinden und zu intensivieren.

Auch diesmal habt ihr mich total überrascht. Ich hatte mir auf meine Wunschliste für die erste Woche geschrieben, dass ich gerne 100 Abonnenten hätte. Ihr habt meinen Wunsch weit übertroffen und dafür möchte ich euch herzlich danken. Viele denken jetzt sicher „Hä? 100? Ist das nicht total wenig? Die hat doch so viele Leser?“ Also, ich fand das ehrlich gesagt wahnsinnig viel.

Mein Channel ist nicht darauf ausgelegt, von Anfang an zigtausende Menschen zu erreichen. Sondern darauf, euer Herz langsam zu erobern. Wenn ihr bei der Besprechung der Deko für das Kindergarten Sommerfest an mich denkt: SUPER. Wenn ihr meinen Namen fallen lasst, wenn es um Bastelideen für den Adventsbasar geht: SPITZE. Eure Kindergeburtstage können wir zusammen genauso gestalten, wie den alten Aquarellkasten wieder rauskramen – wenn die Zeit dafür gekommen ist.

Es geht mir nicht um schnelle Erfolge, sondern um Qualität und das Anregen gemeinsamer Erlebnisse. Unter Gleichaltrigen genauso wie zwischen den unterschiedlichen Generationen. Zeit, die bleibt.

Was ich gelernt habe? Die, die sich von meinen Leserinnen für’s kreative Gestalten interessieren, sind Feuer und Flamme. Und: „The community has my back.“ Ich hoffe, ich kann euch das in Form von vielen Ideen für die kreative Freizeitgestaltung zurückgeben. Menschlich ist dieses Projekt jetzt schön eines meiner schönsten EVER.

3. Learning – Die Inhalte

Zuerst hatte ich ein Farbkonzept vor Augen. Ich wollte, dass das, was Unwesentlich ist (der Hintergrund und die Arme) möglichst unsichtbar wird. Und das, was auffallen soll (die Hände und die Bastelarbeit/das Gezeichnete) möglichst hervorsticht. Deshalb sind Hintergrund und Arme Ton in Ton – und meist in der Komplementärfarbe zum Gebastelten. Beispiel: Pinker Schmetterling auf türkisem Hintergrund mit türkisem Pulli an den Armen.

Darauf gekommen bin ich als ich eine Werbung für Lipödem Strumpfhosen gesehen habe, die auch das Prinzip des „optischen Verschwindens“ angewandt hat. Da waren es rosa Strumpfhosen vor einem rosa Hintergrund, damit die Beine schlanker wirken. Ihr kennt solche Bingbingbing-AHA-Momente, oder?

Dann habe ich mir genau angeschaut, welche Bastelinhalte auf YouTube gut laufen, aber noch nicht gut gemacht sind (schlechte Beleuchtung, schlechte oder keine Musik, Kameraeinstellung nicht optimal etc.). Das habe ich genau analysiert und dann geschaut, wie viele Klicks diese Channel bei wie vielen veröffentlichten Videos haben. Und natürlich auch, wie sehr sie mit Keywords für die Suchmaschinen und für den YouTube Algorithmus optimiert sind.

Aus all diesen Eckdaten habe ich dann ein Konzept zusammengeschrieben und das habe ich Roman, Alex und David von Studio71 vorgestellt. Die meinten auch: Give it a go. Nun sind in den letzten neun Monaten der Entwicklung auch noch andere Inhalte dazugekommen.

Am Überraschendsten aber war wohl, dass ich plötzlich gemerkt habe, wie mein Konzept durch das Veröffentlichen anfängt zu atmen wie ein Kind – und beginnt, selbst zu leben. Ich hatte z.B. mehrere Letteringarten geplant. Und dann sehe ich so schöne Streublümchen. Und dann ein Monogramm mit Streublümchen. Und BÄHM wird mir klar, dass ich euch oft einfach grundlegende kreative Einheiten zeigen werde, die sich dann mit eurer Phantasie und euren Bedürfnissen zu etwas ganz Anderem formen werden.

So wie man beim eigenen Baby nicht weiß, mit welchem Temperament es auf die Welt kommt, so kann auch hier erst durch’s live gehen entstehen, was sein soll. Faszinierend. Und nur durch euch und unser Miteinander möglich.

Plötzlich wird ein Origamischmetterling zur Wanddeko, eine Letteringidee schmückt den neuen Jahresplaner und Sonnen werden beim Telefonieren gedoodelt. Life is full of surprises.

4. Learning – Die Videos

Jetzt die Hardcore Nerd-und-Technik-Learnings der ersten Videowoche (danach wird es dann wieder persönlicher). Dieser Abschnitt ist also für alle, die Video interessiert. Oder die mal ein Gefühl dafür bekommen wollen, was für Detail-Überlegungen hinter so einem Projekt stecken. Ich habe euch für die ersten drei Videos aufgeschrieben, was ich mir beim Editing gedacht habe.

Video 1 – Neon Sign Lettering

– Zuerst orientiere ich den Zuschauer. Zeige ihm, was er am Ende gebastelt haben wird.

– Dann ist der Bildausschnitt wichtig. Mit meiner Entscheidung, wie nah ich wann rangehe, führe ich die Konzentration der Zuschauer.

– Wenn der Zeitraffer einsetzt weiß der Zuschauer: ab hier wiederholt sich etwas. Verlangsamt sich die Geschwindigkeit wieder, kommt gleich etwas Neues. (Merke: Beim ersten Video ever macht es Sinn, den gesamten Zeitraffer zu zeigen, damit sich die Zuschauer an alles gewöhnen können. Es ist ja vieles neu. Wie ich zeichne, wie ich meine Hände bewege, welche Musik ich verwende. Um sie nicht zu verwirren, lasse ich also das gesamte Lettering durchlaufen. In späteren Videos werde ich hier sicher Teile rausnehmen, weil es sonst zu langweilig und langatmig wird.)

– Und: Das Vorschaubild muss ich heller ziehen, um im YouTube Feed zu punkten.

Danke Judith, Kata und Jana für diese wunderbaren Bilder und dass ihr zeitversetzt in den USA mitbastelt. It means the world.

Und Tina hat mit ihren Kids das Ganze dann gleich noch farblich ein bisschen abgewandelt. Auch cool, oder?

Video 2 – Schmetterlinge falten

– Auch hier wieder eine Orientierung der Zuschauer gleich zu Beginn. Das Bastelprojekt liegt fertig im Bild und rahmt meine Hände ein.

– Die Musik läuft durch und ist ein bisschen aufrührender und abwechslungsreicher. Das verträgt die Bastelarbeit, denn sie läuft in einer gleichbleibenden Geschwindigkeit durch und auch der Bildausschnitt bleibt statisch.

– Bei Origami geht es vor allem um das klare Verständnis und das eindeutige Zeigen. Da braucht es kein aufwändiges Editing.

Danke Bea für den Hinweis, dass man auch einen Wegwerfartikel wie den letzten Urlaubsantrag einer kreativen Verwendung zuführen kann. Ist ja auch gleichzeitig Wellness for the brain und eine wunderbare Office Auszeit ;-)

Und Sabine hat den Frühling herbeigebastelt:

Video 3: Sonne zeichnen

– Ruhige Musik, denn das Video ist sehr abwechslungsreich.

– Zu Beginn führe ich mit einigen Einstellungen an den neuen Werkstoff, die nasse Farbe heran. Das tut gut zur Einstimmung.

– Teller und Wasserschüssel sind auch lila, um auf dem Hintergrund optisch zu verschwinden.

– Das „Einrichten“ des Arbeitsplatzes macht das Video von Beginn an menschlicher und vertraut.

– Beim Malen der bunten Sonnenkreise schneide ich einige Minuten raus, sonst wird es für den Zuschauer zu langatmig.

– Beim Malen der Sonnen mit dem Fineliner lasse ich die Kamera in Echtzeit laufen, so dass der Zuschauer die Sonnen „mitmalen“ kann.

– Um die Bilder etwas interessanter zu machen, arbeite ich mit animierten Bildern (Ken-Burns-Effekt), Zooms und variiere die Bildausschnitte.

5. Learning – Ich

Ich stehe stabiler als je zuvor. Woher ich das weiß? Weil diese Woche eine der anstrengendsten Wochen meines Lebens war. Ich habe mich manchmal gefühlt, als müsste ich mit übelstem Jet Lag und einem unglaublichen Kater eine oscarreife Performance hinlegen. Nicht, weil ich so perfektionistisch bin. Und wir wollen jetzt auch mal nicht übertreiben, denn es sind nur DIY Videos auf YouTube.

Dass es sich trotzdem so angefühlt hat, lag daran, dass ich gerade ja quasi einen neuen Job anfange. Aber die Einarbeitung, die muss ich selbst leisten. Da ist niemand, der mich jeden Tag an die Hand nimmt. Niemand, der sich schon auskennt. Niemand, der auf mich wartet, mich fröhlich begrüßt und mich leitet.

Ich muss mich selbst zurechtfinden und gleichzeitig täglichen Output liefern. Dass ich das so mache, liegt am Bloggen. Auch da habe ich jahrelang täglich geschrieben, ohne es professionell gelernt zu haben oder „zu können“. Es hat übrigens auch kaum jemand mitgelesen. Aber das war mir völlig wurscht und auch jetzt ist nicht das meine Motivation. Sondern dass da etwas in mir ist, was raus will, das anderen Menschen gut tun wird. Und zwar jahrelang, denn die Videos gehen ja nicht wieder weg.

Nicht vergessen habe ich, dass die Jungs von Studio 71 mir die Augen geöffnet haben, für das, was möglich ist. Dass Phuong vom Dojo Filmhouse mich mit Know-how, Equipment und Manpower unterstützt hat. Dass mein Mann mir in dieser Woche viele meiner Alltagspflichten abgenommen hat. Und wirklich versteht, wie anstrengend das Ganze manchmal ist. Das tut gut. Ohne ihn würde ich es nicht jeden Tag schaffen. Ohne ihn hätte ich es auch bis hierhin nicht geschafft.

Deshalb Danke an alle, die in der Vorbereitung da waren. Und an die, die jetzt mitmachen.

Ich hoffe, dass mein Post euch zeigt: Man kann alles lernen und schaffen. Wenn man sich dafür entscheidet und dann dranbleibt. Ich für meinen Teil bin froh, dass ich vorher nicht wusste, dass YouTube viel mehr Arbeit ist als Bloggen. Aber auch extrem dankbar, dass ich jetzt im täglichen Machen eine zusätzliche Plattform habe, die ich für alles, was ich euch zeigen möchte, nutzen kann. Oder um es mit den Worten meiner lieben Bloggerfreundin Linn von Linn MacKenzie auszudrücken:

„In der Silvesternacht habe ich in den Himmel gesehen und war zutiefst dankbar in dieser Zeit zu leben. Wir können wir selbst sein. Lieben, wen wir wollen und nicht heiraten, wen wir müssen. Wir brauchen keinen Publizisten, der Texte, Bilder, Kunst, Videos veröffentlicht. Wir machen das einfach selber. Wir können uns unser Leben so gestalten, wie wir es selber wollen. Es klingt sehr einfach, ja. Aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es letzten Endes ein Setzen von Prioritäten ist. Und das alles klappen kann, wenn man mutig genug ist auch mal zu fallen.“

In diesem Sinne

Eure Svenja