Danke, ich will nicht mit auf’s Foto

Ich könnte wetten, so ein Foto habt ihr auch. Euer erstes Kind ist noch kein Vierteljahr alt. Euer Bauch schwabbelt, die Oberarme sind dicker und die Augenringe tiefer als sonst. Meine einzige Freiheit in diesen Tagen – ein bisschen telefonieren, während ich Lissy die Flasche gebe. Ja, ich weiß, das ist eigentlich Bondingzeit – aber ich war so glücklich mich mal 2 Minuten wie ein normaler Mensch zu fühlen.

Auf diesem Bild bin ich 33 – und ich erinnere mich noch genau an den Moment, als das Bild geschossen wurde. “Bitte nicht”, habe ich gedacht. “Ich will nicht mit auf’s Foto.”

Hauptsächlich, weil ich ziemlich genau wusste, wie ich aussah. Aber viel schlimmer als die übernächtigten Augen oder der Speck am Bauch war das entfremdete Gefühl. Ich war noch nicht wieder in meinem Körper. Etwas, was ich nach den Geburten bei vielen Frauen beobachte.

Kaum wird eine Kamera gezückt, rufen die Mütter: “Ich bin so unfotogen” oder “Bitte jetzt nicht”. Dabei ist es uns im Rückblick, Jahre später ganz egal, wie wir aussahen. Wir sehen nur den Moment, das Glück und erinnern uns sofort wieder daran, was das für eine schöne Zeit war.

Nicht mit auf’s Foto zu wollen, zieht sich für Frauen meist weiter durch’s Leben. Erst ist es der Babyspeck, den wir nicht runterkriegen, dann die nächste Schwangerschaft, in der wir uns noch trampeliger fühlen. Danach geht’s nun gleich gar nicht mehr. Erst recht nicht im Badeanzug – der Lack ist ab. Und dann werden wir älter und die Kinder größer und irgendwie sehen wir bei jedem Foto nur noch Doppelkinn, Falten und Cellulite.

Wenn ihr mir nicht glaubt – macht mal die Probe aufs Exempel. Die meisten Frauen finden, dass sie auf Bildern unmöglich aussehen und mäkeln zuallererst an ihrem Aussehen herum. Und da will ich mich gar nicht ausschließen – an schlechten Tagen.

Aber an guten, so wie heute, da möchte ich euch mal etwas sagen. Von Frau zu Frau und weil ihr vielleicht jünger seid und kleinere Kinder als ich habt.

Mit auf’s Foto zu gehen ist eine super Idee. Der Moment, eine Erinnerung zu schaffen an genau diesen Augenblick, der kommt nie wieder. Und Erinnerungen wärmen uns Frauen das Herz uns machen uns rote Bäckchen – und wenn ich das richtig absehen kann: im Alter jede Menge Freude.

Also: ganz gleich, wie ihr ausseht oder euch fühlt – geht doch mal wieder mit auf’s Foto. Egal ob ihr einen Schlafanzug anhabt..

oder euer Ankleidezimmer aussieht wie Sau…

Wenn ihr immer mit aufs Foto geht, entstehen irgendwann nämlich auch wieder solche Bilder:

Und auch wenn ich euch das Bild von mir im Still-BH mit Jogginghose und schlafendem Kind über der Schulter jetzt erspart habe – das Einzige was zählt sind die Gefühle, die wir mit Fotos bewahren können. Und die will ich wirklich nie wieder vergessen.

Eure glückliche Svenja

10 Kommentare

  1. ok, du hast ja Recht… Von der Seite hab ich es noch gar nicht gesehen. Aber es stimmt, und ich werde ab jetzt wirklich wieder öfter mit aufs Foto gehen!
    Herzliche Grüße aus Guantanamo :-),
    Kathi

  2. Svenja, du machst mir langsam Angst! Ich lese bei dir, was ich schon oft gedacht und gefühlt habe, was aber noch gar nicht so richtig in meinem Bewusstsein angekommen war.
    Danke dafür! So weiß ich immer wieder, dass ich nicht alleine bin …

  3. Liebe Svenja,
    solche Fotos gibt es von mir auch einige. Meine Kinder sind noch etwas älter als deine, aber bei mir ist eher folgendes Problem: Ich suchte anlässlich eines Geburtstags alte Fotos heraus und musste feststellen, dass ich auf den “kurz nach der Entbindung -Fotos” sogar noch schlank aussah. Was eben jetzt nicht mehr der Fall ist. :-(
    Ich habe einfach nicht den Drive, das jetzt anzupacken. Dabei hätte ich einige Termine, die mich dazu motivieren müssten, wieder mehr Sport zu machen und die Süßigkeiten wegzulassen: Hochzeit meiner Schwester, mehrere runde Geburtstage – da will man doch gut aussehen. Ständig muss ich den Bauch einziehen und das Kinn vorrecken, damit ich auf den Fotos nicht ganz so fett aussehe (wie ich mich fühle). Ich habe ca. 10 kg zu viel – jedes Jahr nehme ich die im Frühjahr wieder ab und im Winter kommen die wieder drauf. Das tut meiner Haut natürlich ganz und gar nicht gut – an den Beinen sehe ich aus wie eine 80-jährige..
    Das Thema war hier ein Anderes – aber, liebe Svenja, bitte bitte sende mir MOTIVATION!

  4. Liebe Svenja, ja, JAA! Hinzu kommt, dass wir Mütter ganz oft den Fotografen-Job in der Familie übernehmen und nicht selten eines Tages vor den Fotoalben sitzen und uns fragen, wo wir denn beim Geburtstag des Jüngsten, dem schönen Ausflug in die Berge oder dem Festessen an Silvester eigentlich waren … “The Mom Stays in the Picture”, das ist ein toller Artikel der Huffingtonpost zum Thema. http://www.huffingtonpost.com/allison-tate/mom-pictures-with-kids_b_1926073.html?utm_hp_ref=parents&ir=Parents

    Ich selbst mache, wie du ja weißt, seit gut einem Jahr Project Life und fülle Woche für Woche zwei Seiten in einem großen Album. Und weil das unbezahlbare Erinnerungen sind, achte ich auch ganz aktiv darauf, dass ich da drin zu sehen bin :-)

    In diesem Sinne: Mütter aufs Bild!

    Danke wieder mal für einen tollen Post und liebe Grüße,
    Tina

  5. Da kann ich dir nur recht geben.
    Nach dem Tod meines Vaters und nun in der Zeit , wo es um meine Schwiegermama so schlecht steht, suche ich ‘verzweifelt’ nach Foto’s, wo er bzw. sie drauf sind und die nicht gestellt sind. Ich würde mich freuen, mehr Schnappschüsse von ihnen zu haben, als die die es gibt! Eben genau deshalb, weil wir diese Bilder sooo oft mit schönen Gefühlen und guten Zeiten verbinden!
    Hier nochmal vielen lieben Dank für deine Antwort!
    Viele Grüße aus 3eich!

  6. Gott, sind die Fotos süß.. Ich musste bei deiner Überschrift schon so laut lachen, weil mir dieser Satz sooo bekannt vorkommt. Aber du hast mal wieder recht, heute freu ich mich über genau diese Bilder!

    Und von den Fotos im Still BH hätte ich auch noch ein paar ganz schicke :-)))

    Danke und lieben Gruß
    Katja

  7. Da hast du Recht! Ich habe mich riesig auf unser Kind gefreut. Die Schwangerschaft an sich konnte ich weniger genießen. Ich hatte Wasserfüße, Doppelkinn und tausend Pigmentflecken im Gesicht.
    2 Wochen vor der Geburt habe ich dennoch beschlossen, den Babybauch zu fotografieren. Dabei kamen unfassbar schöne Fotos heraus, die ich heute sehr liebe.
    Wie gut, dass ich damals am Sonntag um 5.30 Uhr aufwachte, mich heimlich ins Bad schleichte um zu mich heraus zu putzen und um 8 Uhr meinen Mann mit den Worten weckte: Lass uns Fotos machen!
    Die männliche Begeisterung hielt sich in Grenzen :)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Deine Daten in der Kommentarfunktion werden nur für diese verwendet. Weitere Informationen findest du in der .