Let’s talk about sex, baby

Let's_talk_about_sex

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Neulich saß ich einer wunderbaren Frau gegenüber. Hübsch, intelligent, offen, voller Leben. Und sie sagte: „Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich manchmal Angst meinen Mann zu verlieren.“ Und dann hat sie mir erklärt warum. Und irgendwie kam mir das alles wahnsinnig bekannt vor.

Der Alltag, die Kinder, wenig Raum für Partnerschaft, der Beruf, man selbst dauermüde und mit den vielfältigen Baustellen komplett überfordert.

„Dabei liebe ich meinen Mann total und bin wirklich glücklich mit ihm.“ sagte sie.

Warum mir das so bekannt vorkam? Ganz ehrlich: Ich habe alles probiert. Vom Klischee der neuen Unterwäsche über Spielzeuge bis hin zu einer Wild Card für Blow Jobs. Und alles funktioniert immer irgendwie eine Zeitlang. Aber eben nicht dauerhaft. Denn das Problem sitzt tiefer.

Jede von euch kennt sie noch, die hormongeschwängerten Zeiten, als der Mann sich sein T-Shirt auszog und schon alleine die Art WIE er es auszog und was dabei zum Vorschein kam einen schier um den Verstand gebracht hat. Das Gefühl kann jede von uns mit einem Wimpernschlag abrufen. Aber in unserem Schlafzimmer hat es keinen Platz.

Ich habe mich entschieden, mein Leben mit einem Mann zu verbringen. Und das heißt auch: mit einem Mann zu schlafen. Hat an guten Tagen Riesenvorteile (garantierter Orgasmus, Nähe, die die Seele streichelt, Urvertrauen und ein unglaubliches Zusammengehörigkeitsgefühl) und an schlechten Tagen Riesennachteile, denn ich teile eben nicht nur das Bett mit ihm. Sondern auch seine Gedanken, Gefühle und Ängste, seine Familie und seinen Beruf. Wir haben gemeinsame Kinder (alleine das zieht ein Universum an Fragestellungen nach sich, die alle komplett unsexy sind) und langweilige Geschäftsessen. Wir müssen die Büsche im Garten zurückschneiden und an die neuen Batterien fürs Garagentor denken. Und das alles steht meist in direktem Widerspruch zu gutem Sex und dem Back-to-the-roots-mein-Mann-zieht-sich-das-T-Shirt-aus-Wow-Gefühl.

Aber: es gibt einen garantierten Weg aus dem Dilemma. Reden. Wenn ihr jetzt innerlich genauso aufstöhnt wie ich (Reden? Schon wieder?) dann lasst euch gesagt sein: Das ist das Allheilmittel. Denn wenn ihr ehrlich und offen miteinander sprecht, werdet ihr feststellen, dass nicht nur er sondern auch ihr im Bett etwas vermisst. Vielleicht habt ihr ein anderes Tempo, eine andere Schlagzahl – aber sicherlich steht ihr nicht vor eurem Ehebett und sagt: „Heute aber bitte nicht so leidenschaftlich Schatz, denn das bekommt mir gar nicht.“

Erzählt eurem Mann doch einfach mal, dass sie noch da ist, die sexy Frau, die er kennen gelernt hat. Die das pralle Leben und die pralle Lust liebt – und braucht. Und die dieses partners-in-crime-Gefühl nach einem heißen Ritt genauso vermisst, wie er. (Habe ich das wirklich geschrieben? Ich habe das wirklich geschrieben!)

Und nachdem ich all das mal ausgesprochen habe, muss ich euch noch was erzählen. Mein Mann war am Wochenende bei seiner Geliebten. Als er wiederkam hatte ich gerade seine Hemden von der Reinigung geholt. Er hatte sich mit der Geliebten eine neue Uhr gekauft, die er mir ganz stolz gezeigt hat. Ich konnte da gar nicht wirklich hinschauen, denn ich konnte es einfach nicht fassen, dass er nur eine Unterhose trug. Die war auch neu, schwarz-weiß gestreift und ziemlich schmal geschnitten. Außerdem hatte er plötzlich einen sexy Sixpack. Alles Sachen, die mir vorher gar nicht aufgefallen waren.

Dann bin ich aufgewacht. Habe im Geist diesen Post formuliert und irgendwann gemerkt:: Einschlafen kann ich jetzt eh nicht mehr, da schreibe ich ihn lieber gleich auf. Nun ist es 4 Uhr 42. Und wenn ihr jetzt denkt: „Mein Gott, ist das früh“ – dann möchte ich, dass ihr genau das aus diesem Artikel mitnehmt.

Es ist früh. Früh genug um eine Revolution im eigenen Ehebett zu starten. Nicht indem ihr euch zwanghaft jeden Tag in den Laken wälzt und euren eigenen „Ich müsste doch heute mal wieder“ Standards genügt. Sondern früh genug, um mit eurem Mann darüber zu sprechen, was ihr zwischen genau diesen Laken genau wie er manchmal vermisst und wie ihr euch gemeinsam davon wieder was zurückholt.

Let’s talk about sex, baby.

Eure Svenja

P.S.: Und wer noch mehr Lust auf ehrliche Worte zum Thema hat, der schaut sich mal diesen Vortrag an.

Gebt der Dame ein paar Sekunden Zeit, bis sie sich eingroovt – ich musste ein paar Mal wirklich herzlich lachen. Denn das Thema “Wie begehre ich, was ich schon habe?” ist – wenn man es nicht todernst nimmt – eigentlich ziemlich amüsant.

Gibt es natürlich auch mit deutschen Untertiteln – wem das lieber ist – bitte einmal hier entlang. Und falls die Untertitel bei euch nicht voreingestellt sind – das macht ihr rechts unten am Bildrand!)

24 Kommentare

  1. Svenja, ich liebe Deinen Mut und deine Offenheit! Und man kann wieder ganz klar erkennen, was deine Intention ist: Du willst inspirieren! Und das schaffst du. Immer und immer wieder! Großartig!

  2. Vielen Dank dafür, dass Du das Thema aufgreifst & mit uns teilst! Unser Sohn ist im März auf die Welt gekommen, nach einer unglaublich anstrengenden und traumatisierenden Geburt (plus ungeplantem Kaiserschnitt) – was das für Auswirkungen auf unser Leben als Paar und auf unser Sexleben hat(te), hätte ich mir ein paar Monate davor nie träumen lassen.
    Ich habe das Gefühl, dass dieses Thema tot geschwiegen wird – ich kenne keine “Mami-Runde”, in der jemand zugibt “He, bei uns läuft’s eigentlich Scheiße” – aber ich kenne unglaublich viele Paare, die das verflixte 1. Babyjahr nicht überstanden haben.
    Ich wünsche allen Mamis & Paaren da draußen ganz viel Kraft – und wie sagt man so schön bei uns in Österreich “durch’s Reden kommen die Leut zsam” – wie Du richtig geschrieben hast – talk about it!

  3. Liebe Svenja, ob du es nun glaubst oder nicht, gerade in den letzten Tagen habe ich mich gefragt, wann du diesen Post schreibst. Ich habe mich nämlich nicht getraut, ihn mir zu wünschen, als du uns aufgefordert hast zu benennen worüber du mal schreiben sollst. Was soll ich sagen? Treffend wie immer. Authentisch und empathisch. Danke dafür. Liebe Grüße aus Moers.

  4. Liebe Svenja,
    ich bin über die Vegan-Challenge auf deinem Blog gelandet, habe noch nie kommentiert, aber jetzt muss ich das einfach tun, ich bin es dir quasi “schuldig”. Du gibst mir so viel Input und inspirierst mich so sehr. Ich find deine Rezepte und Basteltipps toll (die Lichterkette hab ich mit meinen Farben gleich am nächsten Tag nachgebastelt), bin happy über die Umsetzbarkeit deiner Anregungen zum Alltag mit Kindern und bin Fan deiner unzähligen Links und Tipps. Was ich aber wirklich richtig, richtig schätze, ist die Art wie du solche “großen” Themen aufgreifst: authentisch, ehrlich, nie müttermafiös und dadurch immer inspirierend. Du lässt mich so oft nachdenklich zurück, mit dem Gefühl einen Schritt weitergekommen zu sein oder mit einem plötzlichen Aha-Erlebnis. Dafür will ich einfach mal danke sagen. Lieben Gruß, Anne

  5. Svenja, ich bin dir so dankbar für diesen Beitrag!

    Und wieder einmal denke ich, es müsste noch das “meinesvenjaforum” geben, zum Austausch, zum disutieren, zum Ideen weiter spinnen, zum Theman wieder aufgreifen,…,….

  6. Schreiben.
    Reden ist sicher sehr gut. Aber auch dafür fehlt mir leider gerade die Kraft. Ich hoffe, das die Zeiten bald weniger anstrengend sind und wir wieder mehr Paarzeit haben…
    Liebe Grüße
    Suse

  7. Nicht allein sein und doch frei sein. Wenn ich diese Textpassage von Hildegard Knef höre, denke ich immer, genauso wünschen wir es uns wohl in unserem tiefsten Inneren. Dann hätten wir dauerhaft Bauchnabelflattern beim T-Shirt hochziehen eines neuen Partners. Aber wer will das schon? Ich nicht. Ist bei mir nun 10 Jahre her und war mir viel zu anstrengend. In meinem Umfeld wird sich gerade wie beim Salami aufschneiden getrennt und ich habe das Gefühl in ein geheimes “Reise nach Jerusalem” spielen geraten zu sein. Mir haben deine Zeilen sehr gut gefallen. Denn das Wow-Gefühl bleibt nun einmal nicht automatisch und ein Leben lang und manchmal muss man seine Hüften schwingen und zur Tat schreiten…
    Liebe Grüße
    Nina

  8. es tut so gut zu lesen, dass es fast allen gleich geht. man ist halt keine 19 mehr und verbringt die Nächte wach und ineinander ;) und trotzdem ist man morgens nicht müde. im Moment bin ich auch in der Nacht zu viel wach.. aber total übermüdet!! und wir macht man eigentlich ein drittes KInd? bzw wann??? wir sagen immer “wenn die Jungs erstmal 4 und 5 sind” – das ist unser Licht am Ende des Tunnels ;) und irgendwie denke ich, dass mein Mann genauso müde ist wie ich ;)))))))

  9. Liebe Svenja,
    ich lese immer mit Begeisterung deine Texte und schreibe erst jetzt, weil ich ein paar Reaktionen darauf lesen wollte.
    Mich hat es gestern irgendwie schockiert, dass du über die Geliebte deinens Mannes geschrieben hast.
    Ich habe mich gefragt, ob das wirklich so ok ist und wie es wohl für die Kids ist?
    Sie sind ja auch schon alt genug, mal bei dB nachzulesen, was die Mama so schreibt…..
    Aber nachdem ich scheinbar die einzige bin, die diesen Tenor denkt bzw schreibt, wollte ich das einfach mal loswerden…
    Alles Liebe

    1. Meine Liebe, das war doch ein TRAUM!!!!!! Lies bitte nochmal nach. Ich bin doch danach AUFGEWACHT! Hätte mein Mann eine Geliebte, gäbe es einen Post von mir, der hieße “Mein Mann hat eine Geliebte und ich falle tot um” – oder so ähnlich ;-) Mein wunderbarer Mann hat mich – und ich hoffe doch schwer, dass ihm das für den Rest seines Lebens reicht!

  10. ups, dann sorry für den Unsinn meinerseits, hab den Post gestern in der Badewanne mit einem Glas Wein gelesen ( nach 13 Monaten stillen), ich vertrag halt nix mehr…..
    Ganz liebe Grüße und das nächste Mal les ich wieder nüchtern ;-)

  11. Ihr Lieben und liebe Svenja,
    der TRAUM ist irgendwie auch an mir vorbeigegangen!! Nach dem ich die Passage gelesen habe, war ich nur noch geschockt!
    Svenja, ich habe echt viel in den letzten Tagen an Dich gedacht!! :) Und nach lesen Deines heutigen Posts habe ich mir gedacht, liest die Stelle noch ein mal und schaust in die Kommentare! Jetzt bin ich erleichtert!!! :)
    Mir kam das alles so unwirklich vor… Und heute Abend lese ich den Post dann noch einmal, Wort für Wort, vielleicht komme ich dann ja “auf den Traum”!

      1. Ich muss immer noch lachen, wenn das jemand schreibt. Also, ihr solltet mich doch besser kennen. Aber da kann man mal wieder sehen: die Macht der Worte ;-) Danke jedenfalls fürs nochmal lesen.

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