Das richtige Leben

Das richtige Leben

Meine Kinder, die darauf warten, dass die Muschel aufgeht und eine Koralle daraus emporwächst

Diesen Post gibt es nur, weil ich in letzter Zeit über so viele facebook Einträge stolpere, die so oder so ähnlich lauten:

“Bei mir ist im echten Leben gerade so viel los (hier folgt eine Aufzählung von Dingen wie Schulproblemen der Kinder, Unstimmigkeiten mit dem Gatten, pubertierende Kinder, Nachtschichten im Job, krankes Kind), dass ich nur noch heulen könnte. Ich kriege das so alles nicht geregelt und deshalb muss ich eine facebook Pause machen. Seid mir nicht böse und vergesst mich nicht.”

Erst habe ich gedacht: “Ok, da hat aber eine(r) gerade echt viel zu stemmen.” Doch so ab dem zehnten Eintrag dachte ich: Da steckt ein System hinter.

Das Internet vereinnahmt uns, weil es ein Medium ist, in das man sich so wunderbar hineinlehnen kann. Da surft man erst hier und eine Stunde später ist man plötzlich wo ganz anders und hat ja so viele neue Sachen gelernt. Nur: es ist auch eine Stunde Lebenszeit futsch.

In geringen Dosen ist das kein Problem. Aber das Internet ist gierig. Es will mehr von uns. Mehr Zeit, mehr Aufmerksamkeit, mehr Kontinuität.

Ja, das ist alles nicht neu. Neu ist aber, dass immer mehr meiner Leserinnen damit nicht mehr klarkommen oder damit nicht klar kommen wollen. Bei manchen sind das Ausnahmesituationen, in denen wirklich mal eine zeitlang viel zusammenkommt und man sich ausloggen möchte und muss. Aber bei anderen merke ich: da gibt es eine generelle Überforderung.

Als wäre präsent sein gleichzusetzen mit online sein. Dabei ist es ganz egal, wie oft man online ist: irgendwas verpasst man immer.

Das Ganze ist mir nicht fremd. Auch bei mir gibt es ja immer wieder Zeiten, in denen ich spüre: Neee, das ist jetzt aber WIRKLICH zu viel. Ich mag nicht meine Kinder anherrschen, dass sie ruhig sein müssen, weil ich noch zehn Fragen nach Rezepten und guten Kindergeburtstagsspielen beantworten “muss”. Übrigens “muss” ich die meinen Leserinnen beantworten – und so lieb ich sie habe: ganz oft sind das WILDFREMDE Frauen, die mich zufällig gefunden haben und mich zum ersten Mal kontaktieren. Und für die ich meine Kinder warten lasse.

So sieht das aus. Und so darf das nicht aussehen.

Wir müssen einfach begreifen, dass das Leben von uns Frauen in Wellen kommt. Mal ist mehr Zeit (und Lust) fürs Internet, mal weniger. Lasst uns das doch alles mal nicht so bierernst nehmen. Wir sind nicht verpflichtet, alles zu kommentieren. Sofort zu antworten. Oder auf jeder facebook-Hochzeit zu tanzen.

Früher, als es noch kein Internet gab, haben wir auch nichts verpasst, wenn wir nicht auf die EINE Uniparty mehr gegangen sind. Außer vielleicht uns zu späterer Stunde von billigen Cocktails angetrunken auf einer fies dreckigen Toilette wiederzufinden, während sich in der Nachbarkabine jemand übergab.

Also: Lasst uns doch einfach wieder ohne Ankündigungen das machen, was ansteht. In der Gewichtung, die sich für uns und unsere Familie OK anfühlt.

Das richtige Leben ist das wichtige Leben.

In diesem Sinne ein schönes Wochenende mit ganz viel Zeit für Freunde und Familie

Eure Svenja

14 Kommentare

  1. Das ist wie immer auf den Punkt gebracht. Im letzten Jahr hat sich ein schöner Freundeskreis entwickelt und flugs hatten wir ein Whatsapp-Chat. Hier kam es zu mehreren Missverständnissen. Das geschriebene Wort ist halt doch anders als das gesprochene, so dass mein Mann und ich beschlossen hatten, den Chat zu verlassen. Die Erfahrung, die wir machen mussten ist, dass wir scheinbar damit auch den “Freundeskreis” verlassen haben, denn der Kontakt tendiert nun gegen null. Trotz aller Erklärungen ist das so… Ich weiß, dass jede Geschichte zwei Seiten hat. Aber wir haben es so empfunden. Eine unsere Erklärungen warum wir uns aus dem Chat zurückgezogen haben ist, dass wir eben eher “family people” sind… LG, Michaela

  2. Liebe Svenja!
    Geht mir gerade genauso, dass ich mir öfters und länger ein Facebook- und vor allem Internet-Aus GÖNNE! Garnicht, weil ich mich im real life überfordert fühle, sondern weil ich lieber etwas anderes sehen, hören, fühlen möchte.
    Angestoßen wurde das ehrlich gesagt durch Attila und seinen Satz in vegan for youth: “Mal für 3 Tage ausloggen. Die Welt dreht sich trotzdem weiter!” … oder so ähnlich, sinngemäß jedenfalls. Geht mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf. :-)
    Liebe Grüße und auch viiiel Zeit und ein herrliches Wochenende mit Deinen Lieben (und dem traumhaften Lesezimmer <3 )

  3. früher war es so… du hast einen Brief geschrieben; dank der lieben Post war dieser mindestens zwei Tage unterwegs…
    Zwei Tage Reaktionszeit, dann Rückpost zwei Tage.
    Wenn du heute auf eine Email nicht binnen 5 Minuten reagierst bekommst du nen Anruf…

    Genau diesen Anruf nehme ich gar nicht erst an…

    das entspannt..

  4. Die Smartphones sind schuld. Sie haben sich in unser Leben geschlichen und waren und sind ja so praktisch. Aber dieses ständige Onlinesein führt dazu, dass ich mich gar nicht mehr auf den Moment konzentrieren kann, weil ich entweder grad dabei bin, den Moment zu fotografieren oder ihn per Facebook, Whatsapp usw zu teilen oder auf Anfragen und Posts der anderen zu reagieren. Gleichzeitig rationiere ich den Kindern die Ipad-Zeiten :-( Früher wäre ich nie nochmal umgedreht, hätte ich auf dem Weg zur Arbeit gemerkt, dass mein Handy zuhause liegt. Oder hätte im Restaurant das Handy neben dem Teller liegen gehabt. Ich habe mir jedenfalls Anfang des Jahres fest vorgenommen, das Handy öfter mal auszumachen. Läuft leider nur schleppend an ;-)

  5. Hi Svenja, genau so ist das! Ich befinde mich schon länger auf dem Weg zur Besserung ;-) vergesse absichtlich mein Handy oder lade es nicht auf. Aber nichts ist dann schlimmer als 5 verpasste Anrufe von Mama ;-) die aber eigentlich nur wissen wollte was ich gerade mache, und ich bin 53 ;-)
    Bewusst habe ich mein Umfeld in USA beobachten können, niemand hat seine Umgebung beachtet sondern nur auf das kleine Monitörchen und für sich selbst nur dümmlich gegrinst. Dann zurück hier in Deutschland habe ich dann nochmal bewusst die Menschen um mich herum angeschaut, die Mutter, die den Kinderwagen schiebt und dabei Nachrichten schreibt oder telefoniert, statt ihrem fragenden Kind antworten zu geben, der Teenie der fast unters Auto kommt, weil er bei rot und mit Blick aufs Handy über die Straße läuft. Am liebsten hätte ich die Mutter gerüttelt und ihr gesagt, hallo das reale Leben läuft gerade an dir vorbei… Dieser Augenblick kommt nicht wieder, dass du so mit deinem Kind unterwegs sein kannst, in ein paar Jahren würdest du dir wünschen, mehr Zeit mit deinem Kind verbracht zu haben und dann hat es vielleicht keine Fragen mehr, weil es sich lieber im Internet mit anderen unterhält… Diese wertvollste Zeit ist dann einfach nur verloren, schade! Schönen Sonntag noch und lieben Gruß
    Carmen

    1. Dankeschön!!!
      Ich ertappe mich selber dabei…das Handy wirkt oft vielversprechender und interessanter als das Geplapper meines 1-Jährigen, aber in ein paar Jahren schon werde ich mich wieder in diese kostbaren Momente mit meinen Kindern zurückwünschen!
      Schön, dass man immer wieder aufgerüttelt wird!!

  6. Hallo Svenja, dein Buch hat mich dazu gebracht, das ich in deine virtuelle Welt mit stöbern darf. Erstmal muss ich dir ein großes Lob aussprechen, denn so virtuell bist du nicht. Ich finde immer wieder was schönes. Ich persönlich habe kein Facebook und hatte es noch nie. Für mich findet das Leben vor der Tür statt. Ich erschrecke mich öfter mal, wenn ich höre wer was von sich postet. Muss man alles von sich Preis geben für alle. Denn egal ob man sein Progil konfiguriert, man ist Gläsern. Denn das Gespräch von Mensch zu Mensch kann man nicht kontrollieren. Das sollte man einfach bedenken. Schade das es ruhiger wird, danke das es der Familie zu Liebe ist. Viele Grüße aus dem Osten in den Süden!

  7. DANKE DANKE DANKE!!! JA! So ist es! Das Leben geht nicht mehr ohne Internet, aber WIR müssen die Kontrolle behalten und darüber herrschen und uns nicht beherrschen lassen!

  8. Liebe Svenja,
    na schau – dein Post ist schon ein paar Tage her und ich lese ihn erst heute. Das war mal anders. Auch ich habe mich oft viel zu lange in der virtuellen Welt aufgehalten und mich nun zurückgezogen in das wahre Leben. Zurück zur Familie, zurück zum Wesentlichen des Lebens! Das heißt ja nicht, dass man dem Internet komplett entsagt, man reduziert bloss sinnvoll, man ist nicht aus der Welt. Mit tut es gut… Dir sicher auch!
    Alles Liebe, Stephie

  9. Liebe Svenja,

    du hast sooo recht und genau aus dem Grund habe ich mich vor einem Monat bei Facebook abgemeldet.

    =)

    Mach einfach dein Ding, wann und wie du das möchtest!

    Gruß Myriam

  10. Liebe Svenja,
    danke für die interessanten Beiträge. Ich fühle mich durch dich als Mami bestärkt und verstanden. Freue mich auf weitere schöne Ideen und Tipps. Bin auch begeisterte Thermomix- Köchin. Alles liebe für Dich & Deine Familie. Viele liebe Grüße Judith

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