Einfach machen

einfach machen

Ein Wert, den ich meinen Kindern vermittele: Es ist wichtig, sich gegenseitig zu stützen

Ihr Lieben,

ich bekomme leider viel zu oft Post von Frauen, denen es überhaupt nicht gut geht. Dann muss ich abwägen: Wo stehen sie? Hat die Leserin noch genug Kraft, sich selbst zu helfen? Reichen ein paar aufmunternde Worte – vielleicht ein paar Tipps, an wen sie sich wenden kann? Gibt es ein Buch, das ihr weiterhelfen könnte? Eine Website?

Doch manchmal bekomme ich Mails, da weiß ich: Jetzt bin ich persönlich gefragt. Ich glaube ja daran, dass Gott (nennt ihn ruhig, wie ihr wollt, von mir aus auch “Schicksal”) Menschen zusammenführt, damit sie etwas voneinander lernen. So ging es mir mit meiner Leserin Sabine, der es überhaupt nicht gut ging, als sie mir schrieb. Und sie schrieb mir nicht, damit ich ihr helfe, sondern um einfach mal sagen zu können, wie es ihr geht. Das hat mich sehr berührt, denn mal ganz abgesehen davon, dass man finanziell oder gesundheitlich unten sein kann – was wohl das Schlimmste für einen Menschen ist, ist, wenn er niemanden hat, mit dem er seine Sorgen teilen kann.

Ganz im Gegenteil: Sabine hat ihre Sorgen versteckt, damit ihre drei Kinder (alle unter 11) sich keine Sorgen machen. Und das war die Situation, die Sabine mir beschrieb:

1.) Alleinerziehend

2.) Dispo bis zum Anschlag überzogen

3.) Beide Brüste abgenommen nach Krebsdiagnose

4.) Kurz vor dem Termin für eine Total-OP wegen Krebsrisiko (die hat sie mittlerweile hinter sich)

5.) Frührentnerin

Sabine war echt am Boden, deshalb habe ich sie gefragt, was ich für sie tun kann – bzw. was sie am dringendsten braucht. Ihre Antworten waren so bescheiden, wie erschütternd:

1.) Ein Fahrrad für den Großen. Der schämt sich mit seinem viel zu kleinen Fahrrad zur Schule zu fahren.

2.) Neue Schuhe für die Kinder (alle Kinder hatten täglich zu kleine Schuhe an)

3.) Hundefutter für den Familienhund, den sie fast schon weggeben hätte, weil sie sich ihn eigentlich nicht mehr leisten kann

Für sich hat sie sich gar nichts gewünscht. Alle, die hier schon länger mitlesen, wissen, dass wir nach der Scheidung meiner Eltern jahrelang sehr bescheiden gelebt haben. Ich habe es sicher schon einmal erzählt – aber einer der wirklich unangenehmen Momente meines Teenagerlebens war, als meine Freundinnen Katja und Steffi mich auf dem Weg zum Freibad gefragt haben, warum ich immer die gleiche Hose anhabe und ich antworten musste, dass ich keine andere habe. Das Gefühl, NCHTS zu haben und dadurch nicht dazuzugehören – oder komische Sachen zu haben, über die die anderen lachen – das kenne ich sehr sehr gut. Und das werde ich mein Leben lang nicht vergessen.

Für Kinder bedeutet es die Welt, Anschluss zu haben und sich zugehörig zu fühlen.

Jedenfalls habe ich daraufhin einen Schlachtplan entworfen und einige meiner Freundinnen, die ich über diesen Blog kennengelernt habe, gefragt, ob sie helfen können. Darauf wurden Päckchen mit Tee und Büchern, mit Longboards und Schulheften und vielem mehr geschickt (Danke an euch alle – you know who you are).

Ich habe bei einem Fahrradhändler vor Ort ein gebrauchtes Fahrrad erstanden und Sabine hat es mit ihrem Sohn im strömenden Regen abgeholt. “Im Laden ging es noch”, hat sie mir danach geschrieben “aber kaum waren wir draußen bekam er einen hochroten Kopf und fing an zu weinen vor Freude und abfallender Anspannung.” Dann hat Sabine mir ein Foto geschickt von dem Jungen im Regen, wie er hinter seinem Fahrrad steht. Und dann musste ich weinen.

Für die Schuhe und ein bisschen Kleidung habe ich einen anderen Kontakt genutzt, über den ich Sabine einen Zalando Gutschein besorgen konnte. Sie hat dann mit den Jungs zusammen direkt bestellt, was sie brauchten. Dafür an dieser Stelle einen großen Dank, genauso wie an meine Leserinnen, die im Hintergrund mitgeholfen haben.

Diesen Post schreibe ich aus genau zwei Gründen: zum einen, um denen, die mitgeholfen haben, zu sagen, dass ihre Hilfe angekommen ist. Und zum anderen um uns allen mal wieder ins Bewusstsein zu rufen, dass wir die Augen offenhalten müssen. Es gibt in unserem direkten Umfeld Menschen, denen es nicht gut geht.

Jeder kann mal in eine Situation rutschen, die nicht einfach ist. Und niemand muss sich dafür schämen. Es wäre schon viel gewonnen, wenn jeder nur da helfen würde, wo es ihm leicht fällt.

In diesem Sinne

Eure Svenja

24 Kommentare

  1. Liebe Svenja, vielen Dank für diese Zeilen! Du bist ein Engel. Deine helfende Hand (von wem auch immer geleitet) hat mich zu Tränen gerührt. Weiter so! Und frag ruhig, wenn du mal wieder Unterstützung brauchst. Wir haben zwar auch nicht viel, aber ein bißchen was geht immer. ;-)

  2. Du hast mich zu Tränen gerührt. ..
    Du bist eine sehr taffe Frau, liebe Svenja!
    Falls noch ein Hundefutterspender gesucht wird – ich wäre dabei!
    Gemeinsam kann man so viel erreichen. ..
    LG

  3. Jetzt sitze ich hier und weine. Bei jeder weiteren Aktion würde auch ich gerne mithelfen, denn es ist soooo wichtig und meistens sind es wirklich “Kleinigkeiten”, die anderen das Leben etwas erleichtern.

  4. Hallo liebe Svenja, weißt Du manchmal hat man so Momente, da denkt man…ich hätte so gerne dies oder das oder auch mal mist, wenn etwas gerade gar nicht geht. ABER dann habe ich letztens drei Kisten Wäsche weggeräumt, in volle Kleiderschränke und die Waschmaschine lief immer noch. Da dachte ich, meine Güte, wie gut es einem geht und wie oft man dies aus den Augen verliert. Und nun lese ich Deinen Post und habe eine Träne in den Augen. Ich freue mich so, dass Sabine sich bei Dir gemeldet hat, denn alleine dies war sicher schon nicht einfach. Und ich freue mich, dass Du Ihr so toll helfen konntest. Ich hoffe, es gibt noch mehr Möglichkeiten, sie zu unterstützen und nicht aus den Augen zu verlieren und Andere in der gleichen Situation zu ermutigen , es ihr gleich zu tun.

    Einen lieben Gruß an Dich und Sabine,
    Tanja

  5. Liebe Svenja,
    ich bin hier recht “neu” und schnupper nur ab und zu rein.
    Aber dieser Post hat mich zu Tränen gerührt. Wie wunderbar es ist, zu lesen, dass man mit überschaubarem Aufwand so tolle Hilfe leisten kann.
    Bei mir steht gerade eine riesen Veränderung ins Haus. Ich habe meinen Mann verlassen, werde in meine alte – 500 km entfernte Heimat – zurückkehren.
    Das alte sichere Leben – auch finanziell sorgenfrei – werde ich hinter mir lassen…
    Dennoch freue ich mich auf einen Neubeginn, der mir hoffentlich wieder zu meinen alten Emotionen zurückverhilft… die hab ich leider vor lauter Arbeit aus den Augen verloren.
    Dein Post wird mich hoffentlich bei dem Gedanken unterstützen, für andere Menschen da zu sein und etwas zu verändern, durch Dasein, zuhören,…
    Aktive Hilfe kann auch im Kleinen funktionieren.
    Danke für die Kraft und Energie, die du mir durch deine Zeilen geschenkt hast.
    Alles Liebe
    Claudia

  6. Liebe Svenja,

    ich bin sehr gerührt und halte auch immer meine Augen offen. Wenn du nochmal Hilfe brauchst, bitte melden…

    Ganz liebe Grüße und einen schönen Tag dir…
    Deine Katja

  7. Hallo Svenja! Eine super Aktion und meinen Respekt was du so auf die Beine stellst!!! Nach einem wirklich anstrengenden Umzug mit drei Kids bin ich schon so oft dagestanden und war eigentlich beschämt, dass wir soooo viel Zeug haben und so wenig davon genutz wird. Wenn man immer wüsste wer die Dinge besser gebrauchen könnte, würde man sich ja wirklich gerne von Manchem trennen! Melde dich, wenn wieder was gebraucht wird, wenn jemand in solch einer Lage ist, darf es wirklich keine Frage sein, dass man hilft! Ich geh dann mal weiter Kisten auspacken… Sonnige Grüße!

  8. Sehr schön!
    Jetzt hast du mich positiv überrascht, allerdings lese ich auch noch nicht lange bei dir, als dass ich dich hätte “einschätzen” können.
    Es stimmt, wer helfen kann, ganz gleich wo und wie, sollte es tun, denn helfen fühlt sich nicht nur gut und richtig an, ich bin der Überzeugung, das demjenigen Gutes wiederfährt, der auch Gutes für andere tut. Nenne es Gott, Karma, … ;0)

    “Wir” machen den Unterschied, in welcher Welt wir leben oder eben nicht.

    Sonnigen Gruß!
    Stefanie

  9. Danke, Svenja!
    Wenn Du für Hilfsangebote Unterstützung brauchst, immer melden. Wir haben’s zwar auch nicht so dicke, aber wo wir helfen können, sind wir gerne dabei!
    Liebe Grüße
    Irmi

  10. Hallo Svenja,

    auch mir kamen die Tränen als ich deinen Bericht las. Wir helfen auch lieber in der Nähe als bei den diversen großen “Spendenaufrufen”, denn die hier “Bedrüftigen” bleiben auf der Straße. Also, wenn du wieder einmal Hilfe brauchst, sag doch Bescheid, dann würden wir auch gerne helfen.

    Liebe Grüße
    Martina

  11. ich möchte auch helfen, wenn ich damit helfen kann… ich bin gerade sehr gerührt, von dieser starken frau und ich habe keine ahnung wie sie das schafft, hut ab! So ein starkes schönes wesen, und wie toll dass “wir frauen” wieder enger zusammen rücken. Es heisst doch so schön um Kinder “groß zu bekommen” braucht es ein ganzes Dorf….Ich war selber allein erziehend, allerdings nur von einem Kind, und das nur die ersten 3 Jahre – aber mein Gott war das anstrengend, die verantwortung, dann noch arbeiten etc…Ich wünsche Sabine alles Kraft, Glück und Liebe dieser Erde für sie und ihre Familie!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Deine Daten in der Kommentarfunktion werden nur für diese verwendet. Weitere Informationen findest du in der .