Nur in meinem Kopf

Eigentlich habe ich ein ganz normales Leben. Mit Essen kochen, Haus putzen, Kindern bei den Hausaufgaben helfen und Unkraut zupfen. Aber gleichzeitig schaffe und erlebe ich Dinge, die viele nicht erleben. Für mich sind die aber komischerweise nie wirklich eine “Errungenschaft”. Ist doch ganz klar, dass das funktioniert, wenn man eine Idee hat, sich was vornimmt und höflich fragt.

Wenn ich ein Buch schreiben will, schreibe ich eben einem Verlag und der macht dann ein Buch mit mir. Wenn ich ins Fernsehen will dann nehme ich was auf und zeige das einem Sender. Wenn ich einen Mütterblog mit vielen Lesern möchte, dann schreibe ich halt jeden Tag und lerne, wie man das macht. Und wenn ich Seminare geben will, dann mache ich das halt.

Klar, ich habe Disziplin und bin bereit, viel dafür zu tun, um Dinge zu erreichen. Aber manchmal scheint es so, als hätte ich auch einfach Glück. ABER: Das stimmt nicht.

Manchmal brauche ich zwar länger, um herauszufinden, woran etwas liegt. Doch gestern hatte ich einen Heureka Moment. Und ich freue mich riesig, den heute mit euch zu teilen.

Denn das, was ich mache, um Dinge zu erreichen, kann JEDER.

Ich hatte mir für gestern vorgenommen, 10 Kilometer zu joggen. Auch wenn ich relativ sportlich bin und regelmäßig Sport treibe, bin ich nicht so der Läufer. Meine Hausstrecke liegt bei 6 Kilometer – und voll in meiner Comfort Zone. Vor allem weil ich genau weiß, wie lang sie ist und wo ich langlaufen muss.

Ich kenne jede Kuhle und jede Stolperstelle und weiß, wo ich die Seite wechseln muss, um im Schatten zu laufen. Und genau da fing das Problem an.

Ich wollte also 10 Kilometer laufen, wusste aber nicht, welche Strecke ich dann laufen sollte. Nun wohne ich wirklich im Läuferparadies. Spaßeshalber nenne ich meine Gartenstadt (so heißt das Fleckchen, an dem ich wohne, gekennzeichnet durch die Nummer 2) auch “mein kleines gallisches Dorf).

Nur in meinem Kopf_5

Es ist zwar noch im Münchner Stadtgebiet (die Nummer 1 ist der Englische Garten), liegt aber inmitten von Äckern und Feldern.

Also habe ich gegoogelt und siehe da: Fit for fun bietet ein paar Laufstrecken in München an. Aber leider liegen die nicht in der Nähe meines gallischen Dorfes. Und es macht wenig Sinn, erst mal 30 Minuten mit dem Auto durch die Gegend zu fahren, um dann joggen zu gehen. Da musste es doch eine andere Lösung geben.

Ich brauchte ein Tool, mit dem ich schon vorher eine Strecke festlegen konnte – aber ganz flexibel. Mit dem ich meine Strecke markieren konnte und das gleichzeitig die Kilometer misst. Zack – ein paar Wörter bei Google eingegeben und schon hatte ich, was ich brauchte.

Unter meinejoggingstrecke.de (aufpoppende Werbung einfach ignorieren und wegklicken) konnte ich

a) eingeben in welcher Stadt ich starten will

b) den Landkartenausschnitt ranzoomen, den ich brauchte und

c) die Laufstrecke mit Doppelklicks markieren

Ich habe ca. 10 Minuten gebraucht, um eine Strecke zu finden, die Kilometer mäßig passte und dann sah das so aus:

Nur in meinem Kopf

So weit, so gut. Aber was hat dieses Joggingtool jetzt mit meinem Heurekamoment zu tun und meiner Erkenntnis, warum ich Dinge schaffe? Das zeige ich euch jetzt mal im Detail.

Glücklicherweise wohne ich nicht nur in einer Gegend, die sich zum joggen eignet – sondern auch in einer Stadt mit lauter historischen Landmarks. Und auch wenn ich mich hier in meinem kleinen Hood ganz gut auskenne, ist mir manchmal doch nicht so ganz klar, wie die Dinge zusammenhängen.

Also z.B. dass die Privatstraße mit den Stallungen genau da endet, wo die Schrebergärten anfangen. Was ich also tun musste, um nachher auch sicher zu sein, dass ich nicht falsch abbiege, ist ganz nah ranzoomen und mir die Landmarks merken.

Ein Teil der Strecke führt durch die alten Olympia Reitanlagen. Und während ich mir das am PC anschaute, habe ich mir genau eingeprägt, wo ich langlaufen muss. Den Reitplatz auf der rechten Seite, das Stadium mit den Tribünen auf der linken.

Nur in meinem Kopf_1

Dann abbiegen in die schattige Allee. Danach würde der Golfplatz auf der rechten Seite liegen und die Galopprennbahn auf der linken. Und so weiter und so fort.

Nur in meinem Kopf_2

Am Ende hatte ich die Strecke so klar vor Augen und war sie so oft im Geiste gelaufen, dass ich nur noch eins tun musste. Sie laufen. Und das habe ich dann gemacht. Und dabei wurde mir klar: Genau so mache ich das eigentlich immer.

Ich nehme mir etwas vor. Stelle mir das genau vor, so dass es in meinem Kopf eigentlich schon fertig und erledigt ist. Es dann noch zu tun, ist tatsächlich der einfachste Teil des ganzen Prozesses.

Wenn ich dann also “aus dem Stegreif” 10 Kilometer laufe, “aus dem Stegreif” ein Seminar halte, “aus dem Stegreif ” ein Buch schreibe” – dann ist nichts daran “aus dem Stegreif”.

Ich habe das alles nämlich vorher schon hundertmal getan. Nur in meinem Kopf.

Und da bin ich gescheitert. Gestolpert. Hatte beim 6. Kilometer Seitenstiche und musste aufgeben. Hatte eine Schreibblockade oder zu wenig Anmeldungen. Aber das alles hatte ich eben nur in meinem Kopf – und deshalb muss ich es im richtigen Leben nicht mehr haben.

Ich bin durch damit.

Und das Einzige, was ich noch sehe, ist: Es ist machbar.

Also mache ich es. Und schaffe es. Und bin fertig.

Wenn mich bis heute jemand gefragt hat “Wie hast Du das denn gemacht? Das könnte ich nie!” habe ich gesagt: “Wenn ich das kann, kannst Du das auch.” Jetzt kenne ich aber auch das Tool dazu und weiß, wie der Satz richtig lauten müsste:

Wenn ich mir das vorstellen kann, kannst Du Dir das auch vorstellen.

Bevor ich ein Haus baue, muss ich es planen. Und bevor ich etwas schaffe, etwas “hinstelle” im Leben, muss ich es mir halt “vorstellen”. Ich bin mir sicher, dass die Menschen, die meinejoggingstrecke.de programmiert haben, damit ganz andere Intentionen verfolgen, als mir tiefschürfende Einsichten über das Leben zu verschaffen. Aber durch ihr kleines Tool weiß ich jetzt  in Zukunft nicht nur sicher, dass ich etwas schaffen kann, sondern auch wie und warum.

Dafür mal ein ganz herzliches Dankeschön.

In diesem Sinne

Eure Svenja

20 Kommentare

  1. Und DAFÜR, für diesen fantastischen Blogpost, der eigentlich nur ein Joggingtool vorstellen sollte, auch ein herzliches Dankeschön! Denn genau so ist es. Was bei anderen so “leicht” aussieht wie kurz mal ein Buch schreiben und veröffentlichen, ist es irgendwie schon, aber eben auch nur mit der nötigen Vorarbeit, dem Durchhaltevermögen währenddessen und der Disziplin etwas begonnenes auch durchzuziehen! Und das ist dann auch genau das, was viele wieder nicht tun wollen. Denn Arbeit ist nun einmal Arbeit. Und Du lässt es so schön geschmeidig aussehen. That’s what I love about you! :-*

  2. Welch wunderbarer Artikel über geistige Vorwegnahme gepaart mit einem tollen Tool, das ich noch nicht kannte. Das bring mich doch dazu das erste Mal in meinem Leben einen Kommentar zu schreiben! Danke Svenja und ich wünsche Dir immer Kraft, Mut und Freude bei dem was Du tust.

  3. Wow, toll!! Vor allem, wenn ich sehe, was für einen Aufwand du betreibst. Der Held joggt im Schnitt seine 7-8 km, ich bin froh, wenn ich auf 3 komme…ich glaube Joggen ist einfach nicht mein Ding. Dafür könnte ich Stunden lang mit dem Fahrrad zum Beispiel fahren ^^

  4. Ach Svenja, danke. Jetzt weiß ich, warum ich so oft etwas nicht zu Ende bringe – weil ich gedanklich beim Planen des Ganzen an einer Stelle ins Straucheln gerate und dann denke, es deswegen nicht schaffen zu können. Ich muss wohl öfter auch beim Planen aufstehen und die Krone wieder richten.

    1. ABSOLUT. OK, man muss sich nichts vormachen: Bei mir läuft auch nicht immer alles glatt. Aber grundsätzlich gibt es irgendwie so GAR keine Grenzen für mich. Und mir fällt immer wieder auf, dass mir Leser schreiben: Das würde ich nie hinkriegen (oder: mich trauen). Und DAS verstehe ich nicht. Denn hinkriegen tue ich alles, was ich mir vornehme. Wenn man einmal das Mindset hat, läufts. Aber ich stelle mir eben auch IMMER jeden einzelnen Baum auf dem Weg vor und kenne den nachher mit Vornamen ;-) Was soll da schon noch schiefgehen…

  5. Liebe Svenja, genauso habe ich das damals gemacht, als ich die Weltreise geplant habe, und die Abschiedsparty mit dem Feuerlauf und davor noch eben meinen Siebenjährigen taufen lassen- inkl. Verwandschaft aus ganz Europa, dabei die ganze Taufe selbst gestaltet habe inkl. aller Texte und einen Pastor der das alles auch noch mitmacht! Und ja noch 1 Haus, eine Wohnung und ein Büro (inkl. Firma) auflösen und einen Song auf CD aufnehmen….dazu die Menschen um uns herum immer wieder beruhigen, dass wir ja nicht in den Krieg ziehen sondern nur für ein Jahr verreisen. Das Einzige was ich nicht geplant hatte war das Ende der Reise: Das haben wir absichtlich offen gelassen. So kam es, dass wir jetzt in Österreich leben und seit fast 6 Jahren schon dem sehr nahe, wovon wir immer geträumt haben. Danke für deinen wunderbaren Punkt….jetzt weiß ich wieder warum gerade ich so gerne rumsitze und denke….und plane. Glg silvia

  6. WOW – was ein Beitrag! Ich bin derzeit am Selbstreflektieren, was mein Finishen von Projekten angeht, wenn ich dafür diesen abgestandenen Begriff verwenden darf. Genau das Gegenteil von Dir, laufe ich immer mit 2000 Prozent los, um dann hechelnd (wenn überhaupt) das Ziel zu erreichen. Ich finishe meist immer noch im (manchmal sogar oberen) Mittelfeld. Trotzdem bleibt oft ein dumpfes Gefühl, das ich seit Schultagen kenne, und dessen Ursache ich nie orten konnte: Ich hätte besser sein können!
    Daneben gibt es aber auch viele unvollendete Projekte, die vor allem meine Umgebung verständlicherweise in den Wahnsinn treiben.
    Nun kann niemand aus seiner Haut. Ich bin nunmal ein ungeduldiger und aktiver Mensch und weiß mit 43 auch um die Vorteile einer solchen Einstellung. Aber dank Deines Artikels sind mir die Nachteile dieses Charakterzugs (vor allem auch für meine Kinder) nochmals sehr bewusst geworden. Vielleicht schaffe ich es künftig doch das eine oder andere Mal meinen Körper zunächst zu zämen und erst einmal meinen Geist laufen zu lassen :-) Tausend Dank liebe Svenja!

    1. Oh Sonja, wie schön, dass ich Dir so einen Denkanstoß geben konnte. Ich selbst neige auch dazu, zu viele Dinge auf einmal zu wollen – aber ich rede meist nur darüber und beginne sie nicht. Oft reicht das reden oder vorstellen nämlich schon, damit ich das Interesse daran verliere. Nur die Dinge, die wirklich haften bleiben und auch wiederkommen, obwohl ich sie nicht aufschreibe sind die, die ich dann auch gerne beginne und bis zum Ende durchziehe. So zumindest meine Erfahrung. Du weißt nicht wie oft ich zu meiner Mitarbeiterin Sandra sage: “Das haben wir doch vor zwei Jahren schon mal machen wollen.” Oder sie zu mir: “Weißt Du noch, das haben wir doch damals schon mal besprochen, als…”. Diese Dauerbrenner, die MUSS man machen – so zumindest meine Lebenserfahrung bis hierher. Deshalb finde ich glaube ich auch Pinterest so toll. Bei manchen kreativen Dingen reicht es mir komplett, sie anzuschauen und zu recherchieren. Nur wenige lösen in mir wirklich das Gefühl aus, sie machen zu wollen.

  7. Liebe Svenja – vielen Dank für diesen Post! Seit unserem Gespräch und der “Es ist soweit”-Mail ist schon eine ganze Zeit vergangen, trotzdem bin ich keinen Schritt weiter. Das dachte ich zumindest bis jetzt. Denn “eigentlich” steht das ganze Ding gedanklich – bis zu einem bestimmten Punkt. Und den gilt es jetzt im Kopf zu überwinden! ;) Vielen Dank für mal wieder einen Anstoß zum “Weiterdenken” – im doppelten Sinne. :)

  8. Liebe Svenja,
    was für ein genialer Artikel. Der macht wieder einmal einfach nur Mut. Danke dafür!!! In MEINEM Kopf herrscht zur Zeit ein rießen großes Chaos, weil ich nur so sprudel vor Ideen. Ein bisschen habe ich auch Angst vor dem Schritt, diese Ideen zu verwirklichen. Aber du zeigst mir mit deinem Post, dass ich mich genau auf dem richtigen Weg befinde. Danke, danke, danke.
    Mein Herz hat eben beim lesen einen großen Sprung gemacht, vor
    Freude. Weil ich wieder bei mir bin. Ich sage immer, träumen darf man und nur wer an seine Träume glaubt, wird sie eines Tages erreichen.
    You made my day!

  9. Deine Beiträge sind immer lesenswert. Danke dafür, dass Du Dir die Zeit für uns nimmst.

    Dass es so ein Jogging-Tool gibt, habe ich gar nicht gewusst. Ich habe gestern also gego*gelt, ob es das auch für die Schweiz gibt. Gibt es! Laufkalender.ch heisst es. Das Gute: endlich kann ich schauen, wie lange meine Strecken ab der Haustüre sind. Ich habe bis halb zwei in der Nacht meine Strecken eingegeben und gestaunt, wie toll das ist. Und mit dem Tagebuch sollte es genug Motivation sein, wieder etwas sportlicher zu werden. Ich bin ja eher ein Listen-Typ, schreibe gerne to-do-Listen. Und da kommt mir diese Adresse im www. gerade recht. Da kann man nämlich auch eintragen, wenn man mit anderen Sportarten Abwechslung reinbringt (mit Art, Distanz, Zeit, etc.) Fehlt nur noch der Kalorienverbrauch :-)
    Liebe Grüsse
    Milena

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