Fight song

Ihr Lieben,

der Herbst startet hier mit einem Kampf. Ich beiße mich bei allem durch, aber ich sage euch: Ein alter Zirkusgaul fühlt sich besser als ich. In den letzten Tagen bin ich deshalb still, denn nichts ist ermüdender, als jemanden zu lesen, der kaum vom Fleck kommt.

Zu viele Verabredungen, zu wenig Zeit für mich, zu viel Neues in der Schule. Meine Familie, die mich braucht und Wäschekörbe voll mit Krempel den ich “nur mal schnell da reingeschmissen habe” und “bestimmt morgen ausräume”.

Dazu die Erkenntnis, dass ich mir jeden kleinen und großen Erfolg auf meinem Blog und in meinem Leben hart erkämpfen muss. Wenn ihr wüsstet, wie es hinter den Kulissen gerade aussieht. Gestern z.B. haben Sandra und ich den ganzen Tag damit zugebracht (Vorsicht, Nerdkram)

– das richtige Stativ zu finden

– die perfekte Halterung fürs iPhone zu finden

– die Fotoqualität zu steigern

– herauszufinden in welchem Format das Logo für diesen einen besonderen Anwendungszweck angeliefert werden muss

– die passende Software für Screencasts vom iPad zu recherchieren

– verzweifelte Mails ans Helpdesk und die Agentur zu schreiben.

Jeden Tag kämpfe ich mit der Technik und ich schwöre euch: Müsste ich “nur” schreiben, würdet ihr hier drei Posts am Tag von mir lesen. Und genau in solchen Momenten frage ich mich dann immer wieder: Warum schreibe ich nicht einfach endlich meinen Roman und lasse das alles hier?

Fight song

Genau so fühlte es sich gestern an: Was nach vorne leicht aussieht (ein Foto von einer Blume), erkämpfe ich mir im Backend vom Blog manchmal unterm Regenschirm.

Dann schauen Sandra und ich uns zwischendurch an und sagen: “Kein WUNDER, dass nur wenige Blogger in Deutschland eine hohe Reichweite haben.” Es ist einfach wirklich viel Know how nötig – und das muss man sich mit einer dermaßen hohen Disziplin erkämpfen, dass man ganz schön Federn lässt. Mannometer.

AAAAABER dann sind im Lauf der Woche einige Dinge passiert, die mir gezeigt haben: Es lohnt sich TOTAL für alles zu kämpfen. Denn im Leben gibt es Momente, in denen man sich nicht nur (wie ich gerade) “ein bisschen” überfordert fühlt – sondern in denen man am Boden liegt. Nicht mehr weiß, wie man aufstehen soll. Einen so harten Schlag abbekommt, dass man benommen die Augen öffnet, blinzelt und denkt: “Was war das gerade?” Und: “Hat dieser Schlag wirklich mich getroffen?”

Wenn sich das Leben plötzlich um 180 Grad dreht und einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Manchmal ist es auch nicht nur das EINE Erlebnis und die EINE Situation. Sondern eine lang anhaltende Sorge. Ein Problem, in der Familie. Existenzangst oder finanzielle Nöte, die sich über eine lange Strecke ziehen.

Von außen kann man da immer locker sagen: “Alles wird wieder gut. Später wirst Du sehen, wofür das gut war. Man lernt ja immer was fürs Leben.”

Aber innendrin, im Auge des Orkans, da kämpft man ums Überleben. Hat Angst von der nächsten Böe erwischt zu werden und endgültig auch den letzten Halt unter den Füßen zu verlieren.

Ich kenn das. Ich hab das schon mehrfach erlebt. Und ich weiß, dass das wahnsinnig schmerzhaft ist.

Gerade in Zeiten, in denen die Dinge schwer sind, müssen wir Kraft in uns selbst finden. Freunde und Familie können helfen. Für mich ist dann immer ganz wichtig, wieder in mich hineinzuhorchen. Nicht auf allen Hochzeiten zu tanzen, sondern auf meiner Yogamatte zu liegen.

Als ich mich gestern von einem Technikproblem zum nächsten aufgeschwungen habe, wurde mir einmal mehr klar, wie wichtig es ist, die Dinge auch mal kurz ruhen zu lassen. Anstatt dessen einen Herbstspaziergang zu machen oder sich an den See zu setzen und aufs Wasser zu schauen.

Nicht immer haben wir die nötige Ruhe in uns. Nicht immer haben wir genug Kraft, um zu kämpfen. Aber eins weiß ich genau: Wenn wir ganz still sitzen und ganz tief in uns hineinhören, dann wissen wir schon, was jetzt richtig für uns ist. Manchmal ist das der Rückzug, weil wir wieder Kraft schöpfen müssen. Anlauf nehmen müssen auf dem Weg zu mehr Klarheit und zum gefühlten Erfolg oder Sieg. Und manchmal ist das die volle Kraft voraus. Eine unaufhaltsame Walze auf der Reise zu dem, was uns glücklich macht.

Gestern hat mich der Gedanke an eine bestimmte Leserin nicht mehr losgelassen.

Meine Liebe: Ja, nur für Dich ist dieser Post.

Auf jeder Autofahrt habe ich in Gedanken an das, was Du gerade durchmachst, den Fight Song von Rachel Platten auf voller Lautstärke gehört und hatte immer wieder Tränen in den Augen. Auch weil das, was Du erlebst, viel mit dem zu tun hat, was ich selbst schon erlebt habe. Und im Sinne der Zeilen

Like a small boat on the ocean

Sending big waves into motion

Like how a single word

can make a heart open

möchte ich, dass Du weißt: Du bist nicht alleine. Auch für Dein Herz gibt es einen Tag, an dem es sich wieder heil und ganz anfühlen wird. So heil und ganz, dass Du Dich wieder traust, Dein Herz für jemand anderen zu öffnen. Denn am Ende ist die Liebe das größte Abenteuer, das es gibt.

Bis dahin wünsche ich Dir die Weisheit zu unterscheiden. Zwischen den Tagen, an denen es besser ist, sich im Bett zu verkriechen. Und denen, an denen Du das letzte bisschen “Fight” in Dir mobilisierst und für all Deine Lieben an der Front kämpfst.

Für genau diese Tage schenke ich Dir diesen “Take back my life song”.

In diesem Sinne: Haltet die Ohren steif und tut, was getan werden muss.

Eure Svenja

17 Kommentare

  1. Guten Morgen Svenja,
    ich möchte einfach mal DANKE sagen!! Du sprichst mir so oft aus der Seele und es tut so gut zu lesen, das es nicht nur einem selbst so geht! Als 2-fache berufstätige Mami und Bloggerin mit Herz und Seele kenne ich das alles einfach zu gut. Die letzen Tage habe ich mich so oft “verkrochen” und gedacht “Warum/ Wozu machst du das alles eigentlich”!?! Doch dann kommen liebe Mails und dein Beitrag und die Sonne geht auf!! Ich danke Dir und: Weiter so!
    Liebe, kreative Grüße Chantal

    1. Chantal – und ICH freu mich jetzt total über DEIN Feedback. Bloggen ist so eine spezielle Profession, das wirklich nur Onliner verstehen, mit welchen Hürden man oft kämpft. Wie wenig der Zeit man aufs Bloggen und Schreiben verwendet und wie viel auf den Rest. Trotzdem lohnt es sich – besonders durch solche Kommentare wie Deinen wo ich dann merke: Und ich bin DOCH nicht allein. Ich mach DOCH weiter ;-)

  2. Meine Svenja,
    Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, leben muss man es vorwärts! Diesen Satz habe ich mir in diesem Jahr sehr oft gesagt. Immer in Situationen wo ich dachte ” ich kann nicht mehr”! Ich habe mich mit WordPress angefreundet, viel gelesen, viel gelernt (leider immer noch nicht dein Seminar besucht) und bin immer noch nicht fertig. Ich dachte immer, es muss alles perfekt sein! Im Laufe des Sommers habe ich einfach angefangen. Step by step. Mein Blog ist noch nicht mal mit den Dingen gefüllt, die ich schon geschrieben habe. Weil ich immer dachte, ne noch nicht gut genug.
    Ich finde Deinen Blog deshalb so genial, weil Du uns auch an Deinen Zweifeln teilhaben lässt. Nicht nur die heile Welt.
    Meine Tipps die ich bis dato meinen zu betreuenden Eltern eins zu eins weiter gegeben habe, finden nun Einzug in den Blog. Die Mama’s wollen 100ig im Job sein, die perfekt Mutter, gepaart mit einer leidschaftlichen Geliebten und einem Zuhause das aussieht wie aus der Werbung.
    Die zukünftigen berufstätigen Mama’s kommen in der Regel schon ein halbes Jahr vor dem Eintritt in das Berufsleben, zu den sogenannten “lolatage” (los lass Tage – mehr für die Mama’s). Ich gebe Tipps und Tricks mit auf den Weg, wie sie ihren Haushalt davor schon optimieren können, damit dann nicht das große Chaos Einzug hält.
    Genau dafür wollte ich meinen Blog starten, damit vielleicht auch Andere ihr Leben optimieren können.
    Und wenn selbst einen gestandene Bloggerin noch immer mit der Technik kämpfen darf, schöpfe ich Mut und los geht’s

    In diesem Sinne
    Liebe Grüße von
    Frau Köhler

    1. Das hört sich TOLL an Frau Köhler und ich hoffe, dass ganz viele Frauen von Deinen Erfahrungen profitieren werden. Als Blogger ist man glaube ich übrigens NIE gestanden, wenn es um Technik geht. Ich habe zwar tausend Rätsel gelöst und kann Millionen Dinge mit der linken Arschbacke – aber es kommen ja Dank des Fortschritts jeden Tag Millionenn Dinge dazu. Und Gott sei Dank/leider Gottes interessieren die mich beinahe ALLE. Also: Auf geht’s ;-)

  3. Hier ist keiner alleine! Und DU schon gar nicht. Wir alle haben da draußen Gleichgesinnte, die durch die gleichen Täler schreiten oder genau wissen, dass nach diesem Tal und dem tiefen Nebel tatsächlich eine Bergspitze auf uns wartet. Und wenn wir dann nach einem langen Aufstieg, bei dem wir zig mal umdrehen wollten, endlich am Gipfelkreuz stehen, die Sonne uns zur Belohnung ins Gesicht scheint und wir runter ins Tal gucken, so viel Energie mobilisieren, die uns beim nächsten Talmarsch wieder die Hoffnung gibt, auch da wieder durchzugehen. Das Leben – und auch das Bloggen – ist eine Achterbahnfahrt. Und wenn ich eines aus eigener, schmerzhafter Erfahrung weiß: nach jedem Tief kommt auch wieder ein Hoch. Warum? Weil es der Fluss des Lebens ist.

  4. ich bin ganz begeistert von deinen Zeilen. Mir geht es im Moment ähnlich. Die Hochzeiten auf denen ich tanze, nehmen überhand ??? Aber gerade für heute habe ich eine Entscheidung getroffen, die mir garnicht leicht gefallen ist. Heute tanze ich nur auf EINER Hochzeit. Im Moment fühlt es sich richtig gut an. Morgen weiss ich, ob es richtig war :) Ganz liebe Grüße und DANKE für die Zeilen.

  5. Liebe Svenja, ich finde es grundsätzlich toll, dass du in deinem Blog so einen hohen technischen Anspruch an dich hast. Aber vielleicht hilft es in stressigen Zeiten einfach auch mal Fünfe grade sein zu lassen? Das ist zumindest meine Strategie :-) Ich muss z.B. derzeit jeden Morgen mit meiner Tochter (8) über ihre Kleiderwahl für die Schule diskutieren. Leggins ohne Rock sehen für mich aus wie ein Schlafanzug, sie findet sie “einfach viel bequemer als eine Hose mit Knopf”. Das Diskutieren unter Zeitdruck bringt mich oft an den Rand meiner Nerven… und immer öfter geht sie dann eben “im Schlafanzug” in die Schule. Mein Motto: Nerven schonen! Fünfe grade sein lassen und atmen!!
    Und ich bin mir sicher, dass deine Leser dir nicht ausschließlich wegen der technisch perfekten Bilder treu sind.
    Fühl dich gedrückt!
    Sony

    1. Du hast völlig Recht – alle Fünfe gerade sein lassen ist auch bei mir durchaus immer wieder Gebot. ABER für meine Kurse will ich on top sein – und da ist ständiges Dazulernen einfach angesagt ;-) Trotzdem: Heute nehm ich mir eine Auszeit und schaue KEIN EINZIGES Tutorial, nur amerikanische Serien ;-)

  6. Liebe Svenja, ganz stark: “haltet die Ohren steif und tut, was getan werden muss!” Du hast so recht. Danke für diese Ansage. Passt gerade perfekt in meine aktuelle Situation.
    Lieben Gruß und “Let’s go fighting”! Regina

  7. Liebe Svenja,

    Ich bin erst vor ca. 2 Wochen auf deinen Blog gestoßen und bin hellauf begeistert. Ich hab mich gleich kreuz und quer durchgelesen, hab schon sehr erfolgreich Hefezopf und Zitronenkuchen gebacken, die Spieletrickkiste erstanden… Du siehst, du hast einen neuen Fan gewonnen. Bitte, bitte hör nicht auf hier zu bloggen. Du sprichst mir (und den Kommentaren zufolge auch noch ganz vielen anderen) oft aus der Seele. Es tut so gut dich zu lesen! Vielen Dank, Maria

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