Boah. Neinneinnein.

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Ich geh nicht nochmal zur Schule. Nein nein nein. So schnell bin ich eigentlich gar nicht bockig, aber gestern war ich beim Elternabend und plötzlich hatte ich das Gefühl: Es geht hier gar nicht um meine Tochter. Es geht um mich.

ICH werde wieder eingeschult, aber keiner hat mich vorgewarnt. Es gab keine Schultüte und wir gehen auch nicht gleich zur Feier des Tages ins Restaurant.

Dabei habe ich doch ein Schultrauma. War nie Teil der coolen Clique und bin zweimal sitzengeblieben. Einmal in der 9. Klasse (aus Faulheit) und das zweite Mal in der 13. Klasse (weil ich abends in einer Cocktailbar gearbeitet habe und morgens so schlecht aus dem Bett kam).

Das ist sie, die ganze Wahrheit. Und jetzt sitze ich da, in der Schulbank meiner Tochter und sehe die Lehrer an mir vorbeiziehen, die alle sagen, was ich jetzt tun muss. Hui, und das ist mehr als erwartet. Vokabeln abfragen, Hausaufgaben und Schultascheninhalt checken, Grammatik pauken. Dafür sorgen, dass mein Kind alles dann kann, wann es was können soll.

Neben mir werden auch schon alle ganz unruhig und murmeln was von “Rüffel” und “Desaster”. Sind die etwa auch alle sitzengeblieben?

Ok, bei Englisch, da kann ich helfen. Das habe ich studiert. Deutsch ist auch in Ordnung. Aber ich spreche kein Französisch. Und in Mathe hatte ich glaube ich seit der 8. Klasse durchgängig eine 5 oder 6. Da bin ich schon letztes Jahr, in Lissys 5. Klasse, mental ausgestiegen.

“Jetzt, genau jetzt müssen sie einen guten Einstieg finden.” “Die wichtigste Grammatik findet in den ersten zwei Jahren statt. Da wird alles gelernt.” “Die Lücken müssen sie JETZT wieder schließen, sonst verlieren die Kinder den Anschluss.”

Blöd nur, dass nicht mehr wie früher zwei Jahre vergehen, bis die 2. Fremdsprache eingeführt wird, sondern nur noch eins. Ich merke, dass ich immer tiefer rutsche auf meinem Stuhl. Plötzlich wirkt selbst das große Geodreieck für die Tafel irgendwie bedrohlich, wie es da so an der Wand hängt und spitz auf mich zeigt.

Mein Mann und ich hatten ja vor der Einschulung unserer Kinder ganz lange über alternative Schulformen nachgedacht und uns auch informiert. Weil es da aber nichts gab, was uns wirklich überzeugt hat, haben wir das gewählt, was wir beide kannten. Auch Uwe und ich sind einfach auf das nächstgelegene Gymnasium gegangen.

Versteht mich nicht falsch, die Schule finde ich prima. Die Lehrer sind auch nett. Aber ich, ich habe irgendwie das Gefühl, als wäre alles stehengeblieben. Warum ist denn das deutsche Schulsystem immer noch so vom “Muss” besetzt und so wenig davon, was unsere Kinder alles anzubieten haben für diese Welt?

Mir ist schon klar, dass ich nicht französische Vokabeln lerne oder Bruchrechnen, wenn ich (Klischeebeispiel) meinen Namen tanze. Aber irgendwie wäre mir gerade viel mehr nach Namen tanzen und Kartoffeln pflanzen als nach einem Revival meiner Schullaufbahn.

Ich wünschte dieser Post enthielte einen weisen Ratschlag oder wenigstens eine lustige Wendung. Etwas, womit ich euch das Gefühl geben könnte: Alles wird gut, weil WIR es in der Hand haben.

Anstatt dessen bestelle ich nachher kleinlaut die empfohlenen Vokabel-, Grammatik und Schulaufgabentrainer in der Hoffnung, bei diesem Wettkampf nicht zu verlieren. Schaue morgens nochmal in den Schulranzen meiner Tochter, ob sie einen DINA 4 Block dabei hat. Und hoffe zum ersten Mal, dass meine Kinder möglichst wenig nach mir kommen und immer eine glatte Versetzung hinkriegen.

In diesem Sinne

Eure Svenja

28 Kommentare

  1. Liebe Svenja, herzlich willkommen im Schulalltag der weiterführenden Schulen;) Und ja, der Lehrplan hat sich irgendwie nicht wirklich verändert – im Sportunterricht gibt es z. B. immer noch hauptsächlich Noten für Turnen und Leichtathletik – wobei ich mehr Kinder kenne, die Fußball spielen und Tennis, Hockey und Reiten etc. Versuche immer schön locker zu bleiben und wenn du jetzt Dinge abhörst oder dir durchliest, ist es jetzt echt spannend (im Gegensatz zu früher…) oder man kommt an den Punkt “AAAh JETZT verstehe ich das auch” – und wenn nichts mehr hilft, empfehle ich euch Lehrer YOUTUBE, da findet man zu allen Themen des Schullebens super Erklärungen.
    Und vor dem nächsten Elternabend: “Schlachtfeld Elternabend” lesen, die Idee mit der Weinschorle in der Thermoskanne finde ich sensationell.

    Keep calm – bald sind Herbstferien!

    Herzallerliebste Grüße
    Maike

  2. Liebe Svenja,

    da muss ich einfach sagen: Welcome im Club! *heul*

    Ja, die Grundschule klappte prima und dann kam die weiterführende Schule und das G8. Verlagerung der Arbeit auf die Eltern oder Nachhilfelehrer. Wie war das noch gleich mit der Chancengleichheit? Inexistent! Ich bin in Mathe auch in der 6. ausgestiegen, eigentlich schon in der 5., da der Lehrer meinte, er müsste seine Schüler besonders beanspruchen und Stoff späterer Klassen schon einmal durchkauen – wunderbar!

    Warte noch bis du – äh … deine Tochter – zur 8. Klasse kommt. Hier wird nochmals angezogen, aber sowas von heftig. Gesiebt und gesiebt wird, aber manchmal gibt es dann doch noch ganz tolle Lehrer, die Junior dann sogar cool findet. Und nach einer Extratour klappt es vielleicht besser. We’ll see!

    LG, Tanja

  3. Keep cool! Die Kinder können das! Und zwar mit der Unterstützung der Eltern, was aber nicht viel mehr als Abfragen vor Arbeiten / Vokabeltraining bedeuten sollte. Ansonsten ist es leider nicht die richtige Schule. Aber ich bin überzeugt, dass gerade eure Tochter das schafft – weil sie es kann! Ich bin dankbar, für unsere Kinder eine gute Schulform gefunden zu haben – da gibt es nämlich noch viel mehr als die Entscheidung zwischen Gymi oder Waldorf ????. Dazwischen ist vieles möglich. Ich dachte bei unserem Sohn auch: “Der arme Kerl – wie soll der dieses Pensum schaffen ohne verrückt zu werden?” – Er nimmt es easy und schreibt auch in der 9. Klasse noch prima Zensuren, auch ohne Druck und Hilfe.. Kopf hoch! Das wird schon! Drück dich ????

  4. Hallo ihr Lieben alle,
    Ohja, kommt mir alles sehr bekannt vor. ABER: Hört euren Kindern zu, redet mit Ihnen. Nicht alles kann von Mamas und Papas ausgeglichen werden. Aber es kann funktionieren, das haben wir von unserer großen Tochter gelernt. Helfen wo wir können und helfen lassen wo wir nicht können. Und viele Wege führen nach Rom! Passt auf eure Kinder auf und sagt Ihnen das ihr auf ihrer Seite steht. Haltet die Ohren steif, wenn ich das kann, könnt ihr das auch!

  5. Liebe Svenja,

    Es hat sich einfach zu wenig verändert. Die Hirn-, Verhaltens-, Lernforschung hat in den letzten Jahren Quantensprünge gemacht – die Schulen und Lehrmethoden leider nicht. Und mit G8 ist alles noch schlimmer geworden. Ich mach den Sch… jetzt schon seit über 4 Jahren mit (noch nie konnte ich quadratische Gleichungen so gut lösen wie heute) und ich hasse es. Aber: in unserer Umgebung gibt es keine vernünftige Alternative. Wir wollten halt wohnortnah einschulen. Der Klassenlehrer wollte mir im letzten Schuljahr wirklich einreden, dass es besser wäre, meinen Sohn jetzt schon “herabzuschulen”, wo ihm doch im kommenden Jahr eine Nicht-Versetzung droht. Aaaaber: nicht mit uns selber-Sitzengebliebenen!!! Das “sitzen” wir doch aus! Als ich ihm dann sagte, dass mein Mann und ich beide die 9. Klasse 2x besucht haben (Hormone halt), hat er dicke Backen gemacht. Der war wohl früher auch schon Streber. Lass dich nicht verrückt machen. Glaub an Deine Kinder. Selbst wenn es mit der Schule mal nicht so klappen sollte. Und: Auch wenn kaum jemand es zugeben möchte, es ist für (fast) alle Stress.
    Geteiltes Leid ist halbes Leid! Und ab jetzt geh’ ich auch mit Thermoskanne zum Elternabend.
    lg
    Barbara

  6. Liebe Svenja,
    wenn ich deinen Eintrag und die Kommentare lese kommt mir das alles soooo bekannt vor und leider merke ich wieder wie ich langsam aber sicher fürchterlich wütend werde….

    Wieso ist es heute tatsächlich so, dass die Mehrheit der Kinder die weiterführende Schule nur schaffen, wenn die Eltern Zuhause kräftig unterstützen? Mir hat sogar eine Lehrerin mal gesagt, dass ich mit meinem Sohn den gesamten Stoff Zuhause nochmal durchgehen muss! Da läuft doch irgendwas ganz gewaltig schief in unserem Schulsystem, oder sehe nur ich das zu eng?

    LG Mila

  7. Hallo Svenja,
    ich hab ja keine Kinder, aber was ich von Dir und vielen anderen Eltern mit bekomme zeigt mir eines ganz klar: Ich wünschte, wir wären stehen geblieben.
    Damals gab es diese Erwartungshaltung an die Eltern nicht – und man wusste genau, dass man es auch ohne Abitur zu was bringen kann. Genügend Zeit für Sport und Freunde blieb auch noch – vielleicht auch dank des Abiturs nach 13 Jahren.
    Wozu führt denn dieser Leistungsdruck? Wohl nicht dazu, dass die Kinder gerne zur Schule gehen und danach sich noch für IRGENDEIN Studium aufopfern.
    Wo bleibt denn dabei die Kindheit und qualitative Eltern-Kind-Zeit? Wird die nicht durch den ganzen Lern-Stress aufgefressen?
    Warum sorgt denn die Schule nicht dafür, dass der Stoff durch gepaukt wird?
    Meine Lösung wäre entweder eine Ganztags-Schule in der alle Kinder gemeinsam betreut werden oder eine (teure) Privatschule – sofern ich mir das leisten könnte. Hier wird in der Regel Wert auf die Person und nicht nur auf Leistung gelegt. In den (noch teureren) internationalen Schulen werden Kinder sogar inspiriert und ermutigt zu forschen und sich (mit Spaß) weiter zu bilden.
    Da ich mir das alles – wie viele andere – vermutlich nicht für meine Kinder leisten kann würde ich schauen, was das Kind will… und wenn das nicht 100%ig hinter dem ganzen Stress steht es eher erst mal auf eine Realschule packen. Der Weg zu Abitur und Studium ist dadurch weniger verbaut den je und um ehrlich zu sein: ein glückliches Kind welches Spaß und Interesse am Leben, lernen und später an seinem Job hat ist mir 1000mal lieber als eines was vor lauter Leistungsdruck das Leben vernachlässigt.

  8. Guten Morgen Svenia,
    ich musste gerade wieder mal feststellen, dass wir mit unserer Entscheidung unsere Kinder nicht auf das Gymnasium sonder auf die Gemeinschaftsschule wechseln zu lassen die Richtige war..ich bin so froh, dass ich diesen ganzen Stress mit den Hausaufgaben und am Wochenende noch einmal schnell lernen auf die Arbeit die am Montag ansteht, nicht habe. Wenn meine drei Kinder von der Schule kommen, wird noch zehn Minuten Vokabeln gelernt und dann heißt es die Schultasche in die Ecke stellen. Dann sind wir endlich wieder eine Familie, die zusammen sitzen kann um etwas zu spielen, basteln oder nur zum quatschen..wie habe ich das schon in der Grundschulzeit vermisst. Vor allem gehen meine Drei wieder gerne zur Schule. Und dass ist das wichtigste!!!

  9. Hallo Svenja,
    das Schlimme ist eigentlich, dass wir Eltern uns von den Lehrern/dem Schulsystem unter Druck setzen lassen und diesen Druck eins zu eins an die Kids weiter geben – zumindest versucht sind, das zu tun. Mein Sohn hat sich in dieser Hinsicht als völlig beratungsresistent erwiesen – und das schon während der Grundschulzeit! Er ist jetzt 15, geht in die 10. Klasse Gymnasium. Ist ein schlaues Kerlchen (ok, bei 1,97 m Körperlänge spricht man wohl nicht mehr von “Kerlchen” – er würde mich steinigen, würde er das lesen!) aber STINKFAUL, absoluter Minimalist. Er macht das, wozu er Spaß hat (und das ist – was Schule angeht – nicht wirklich viel) und mogelt sich von einem Zeugnis und einer Versetzung zur anderen. Alle Versuche unsererseits, ihn davon zu überzeugen, dass hin und wieder mal Hausaufgaben machen oder den Stoff für die nächste Klassenarbeit zu lernen vielleicht gar nicht so übel wären, prallen völlig an ihm ab. Die Lehrer versuchen bei jedem Elternsprechtag uns davon zu überzeugen, dass er – mit etwas mehr Fleiß und Disziplin – ein guter Zweier-Kandidat wäre. Was wir ihm natürlich auch brühwarm weitergeben und ihn mit unseren Ermahnungen und Aufforderungen ständig nerven. Die Konsequenz: mindestens einmal pro Woche Stress, Streit, Türenknallen (diese komische hormonelle Phase, in der er sich befindet, tut ihr Übriges dazu!). Irgendwann haben wir gesagt: Lass ihn machen! Er ist intelligent genug, um selbst herauszufinden, was er tun muss – natürlich mit der nötigen Unterstützung von uns, wenn gebraucht oder gewünscht. Wir haben sein letztes Zeugnis gefeiert, weil das erste Mal NICHT drin stand, dass sein Arbeitsverhalten den Erwartungen nur mit Einschränkungen entspricht und er seine Hausaufgaben sorgfältiger anfertigen soll.

    Wir sind weit davon entfernt, eine laissez-faire Einstellung bei ihm walten zu lassen, er soll wissen und er weiß auch, dass wir ihm jegliche Unterstützung gewähren, die er benötigt und dass wir aktiv an seinem schulischen Leben teilhaben (was sich manchmal anfühlt, wie eine Zitruspresse – jede Information betreffend Schule müssen wir aus ihm herauspressen!).

    Aber letztenendes kommen wir so alle drei wesentlich entspannter durchs Leben. Seine Noten haben sich sogar etwas verbessert. Vielleicht ist weniger eben manchmal mehr. Er wird sicher kein Einser-Abi hinlegen – aber ich bin überzeugt davon, dass er seinen Weg machen wird! Und ich bin (wir sind) mega-stolz auf ihn – weil seine Persönlichkeit eben nicht nur Disziplin und Lernen für die Schule ist, sondern Hilfsbereitschaft, Fürsorglichkeit, Verlässlichkeit, Begeisterungsfähigkeit und vor allem: Fröhlichkeit! Denn die ist in dem ganzen selbst auferlegtem Druck viel zu kurz gekommen!
    In diesem Sinne … lass sie machen, die Kids!
    Katja

  10. Huhu Svenja,
    wenn ich das so lese graut mir ja schon vor der weiterführenden Schule obwohl ich ja gerade erst eine Erstklässlerin habe. Ich werde aber Barabaras Beispiel folgen und auf Marcos und meine schlechte Schulkarriere hinweisen…. Komisch, dass wir uns alle fröhlich an der Uni treffen könnten. Svenja, weißt woran wir dann denken Marco und ich? An die vielen Lehramtsstudentinnen und -studenten, die wir so kennenlernen durften…. Und dann weiß ich, dass wir das hinkriegen mit den Kids und mit der Schule!!! Deine Heike

  11. Oh ja, Elternabende – ich hasse sie. In der Grundschule war alles einfach und auch die Anforderungen an die Eltern hielten sich in Grenzen, obwohl ich da schon das Gefühl hatte, dass meine Grundschulzeit doch anders war. Mit dem Übergang auf das Gymnasium staunt man nicht schlecht, was alles verlangt wird. Ehrlich, ich bin da gelassen und lasse mich da nicht so beeindrucken. Was ich als sehr unschön empfinde ist der Druck, der durch G8 entsteht.

    Meine Gymnasialzeit war eine entspannte Nummer – auch ich habe die 9. Klasse wg totaler Faulheit wiederholt. Mein Abi ist absolutes Mittelmaß, was mir beim Studium und auch später im Beruf keine Nachteile verschafft hat. Daher – durchatmen und zurücklehnen. Die Kinder schaffen das, es ist nicht viel Zeit für Freizeit, Sport etc, aber das geht ja allen so heute… Was ich so nicht mag, sind die ehrgeizigen Eltern, die riesige Erwartungen an die Noten der Kinder haben, das begleitet uns hier schon seit der 1. Klasse und ist jetzt auf dem Gymnasium noch mal schlimmer geworden. Ich übe diesbezüglich keinen Druck aus und es läuft gut mit meiner Tochter auf dem Gymnasium. Also bis jetzt ; )

  12. Also ich habe meine Sohn aus diesem Hamsterrad rausgenommen. Er hat die Neunte Klasse nicht geschafft, Latein und Mathe. Er wollte unbedingt wiederholen. Ich konnte ihn überzeugen die Schule zu wechseln. Er ist jetzt Realschüler, hat seit vielen Jahren endlich mal wieder Zweien und Einsen. Nimmt wieder am Familienleben teil und hat wieder freie Zeit. Ein wahre Bereicherung für uns und meinen Großen!
    Aber es gibt wohl auch Kinder die das super schaffen, die einfach gerne pauken. Meine Kinder sind eher logisch veranlagt und lernfaul, sie müssen einen Sinn darin sehen. Und diesen Sinn konnten wir im Gymnasium einfach nicht mehr erkennen.
    Ich wünsche Euch ganz viel Ausdauer, Glück und Freude am Tun. Und Dir den nötigen Abstand nicht alles persönlich zu nehmen.
    Ich drück Dich!
    Katrin

  13. Oh, wie tut mir das gut. Wir befinden uns zwar erst im Dritte-Klasse-Wahnsinn, aber ich bin jetzt schon genervt. Die Diskussion unter den Eltern ging schon in der ersten Klasse los “welches Gymnasium werdet ihr denn wählen”, ” hach, ich bin mir so unsicher ob wir ihr eine Bahnfahrt zumuten können, oder doch die Privatschule wählen”…. Auch ich bin ein Sitzenbleiber in der 9ten und zu allem Elend noch ein Abbrecher nach der 11ten und dann das Berufskolleg gewählt – gut war’s. Und unser Sohn ist ein Wirbelwind, rennt, klettert, spielt gern Fußball – stillsitzen, büffeln.. Alles nicht so Seins. Letzte Woche dann Elternabend, was hätte ich für die thermoskanne getan!!! Jeder Lehrer hat uns Anweisungen gegeben, was wie und wie oft dies und jenes zu Hause geübt werden muss. Hausaufgaben 60 Minuten – mehr auf keinen Fall, dann abbrechen – hääääh? Jeden Tag sind mindestens 2 Seiten Deutsch und ca. 20-30 Rechenaufgaben zu erledigen, dann noch 10 Minuten mindestens lesen für den Lesepass, 10 Minuten Kopfrechnen – wieder ein Pass. Außerdem schon mal auf das schreiben von Aufsätzen vorbereiten und Geschichten schreiben lassen. Vor jedem Diktat bitte mehrfach die Lernwörter und den Lerntext üben und vor der Mathearbeit gibt’s eine Mappe (10!!! Seiten), dies bitte üben – mehr als das kommt nicht dran. Ja bin ich denn bekloppt? Und das schönste – alle Eltern, die seit Schulbeginn am Schimpfen sind “das ist doch viel zu viel, die alte Lehrerin hat das aber besser gemacht, da muss man jetzt aber mal einschreiten, blablabla”, saßen brav auf ihren stühlchen und haben eifrig mitgeschrieben. HILFE….Dritte Klasse und ich fühl mich in der 8ten – und zwar in meiner eigenen. BOAH neinneinneiiiiiiiin

  14. Hallo liebe Svenja,

    meine älteste Tochter (die, für die ich das Manga-Buch gewonnen habe – yeah!!!) wurde gerade auf dem Gymnasium eingeschult.
    An manchen Tagen habe ich ähnliche Gefühle wie du.
    Doch dann sage ich mir. Die Schulzeit ist nur eine Phase im Leben…prägend natürlich ohne Zweifel. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass meine Kinder daran nicht klein zu kriegen sind. Die Schule funktioniert easypeasy, wenn die Kinder in das vorgegebene Schema passen und in der entsprechenden Geschwindigkeit lernen. Die Noten haben allerdings keinerlei Aussage darüber wer mein Kind ist -wie mein Kind ist und welche wunderbaren Talente es hat. Und das vermittle ich Ihnen Tag für Tag. Du bist gut und wunderbar so wie du bist. Oh, Du hast eine 4 in Bio und eine 5 in Mathe – das sagt lediglich, das du Seite xy im Buch nicht auswendig konntest. Dass Du unglaublich kreative Ideen hast und schon ganze Theaterstücke geschrieben hast, dass Du Organisationstalent hast, dass Du andere Leute mitreißen kannst, dass Du Dich unglaublich gut auf andere Leute einlassen kannst, mitfühlend bist usw. usf. das alles sagt so eine Note in einem bestimmten Fach nicht aus! Und deshalb bleibe wer Du bist und lasse Dir durch die Schule nicht einreden, dass du falsch bist/ nicht gut bist.
    Ich könnte da stundenlang drüber schreiben/reden.

    Was ich eigentlich sagen will: Schule ist da und muss absolviert werden. Aber lass dich davon nicht runter ziehen – dann werden es deine Kinder dir nachmachen. Sie werden wissen, dass sie ein wunderbares leben erwartet mit ganz vielen Möglichkeiten. Und diesen Weg kann man auch mit einer 5 in Mathe gehen. Und wenn man das weiß, dann lässt sich auch so mancher Tiefschlag im Schulleben locker wegstecken.
    Ich hoffe Du verstehst was ich ausdrücken möchte und bist nicht erschlagen von meinem Kommentar.

    Ganz liebe Grüße,
    Isabel

  15. danke für den Text…
    Unser Elternabend war am Montag und einige Eltern haben seitdem Verspannungsschmerzen und konnten das fühlen, was den Kindern heutzutage so vermittelt wird… in unserem Fall: nichts positives, kollektive Bestrafungen, da seid Ihr jetzt aber selber schuld – kurz Druck und Demotivation!
    Das Ergebnis am Montag: die vorhandenen Eltern wurden gewatscht und auf die Frage was können wir tun? (sind es überhaupt unsere Kinder – es waren ja nur wenige Eltern da) keine Antwort…
    und so saßen wir dann da und verliessen die Veranstaltungen völlig “lost”
    Puh was ein System – arme Kinder… wo bleibt das Spielen am Nachmittag…?
    auch wir hatten uns immer wieder ein alternatives Schulsystem überlegt, aber jetzt… sind wir da …
    also Danke für diesen Post!!!
    Irgendwann wird auch da vielleicht wieder was geändert… und unsere Kinder erleben das mit ihren Kindern und Twixx heisst wieder Raider…
    schöne Woche :-)

  16. PS: Der Tipp mit der Thermoskanne ist genial. Das mache ich beim nächsten Mal nur um mich wieder so herrlich rebellisch zu fühlen wie damals in der 9. Klasse ;)

  17. Liebe Svenja,
    auch ich muss leider sagen herzlich Willkommen im G8 des bayerischen Schulsystems! Wie oft hat`s mich schon geschüttelt an so manchem Elternabend am Gymnasium meiner Kinder und ja, mich schüttelts bis heute. Aussagen wie ” sie sitzen hier, weil ihre Kinder zu den Besten der Besten gehören” oder “der Erfolg ihres Kindes am Gymnasium hängt entscheidend von ihrem Engagement als Eltern ab” sind nicht nur ein Widerspruch in sich sondern für mich auch totaler Blödsinn. Hätte ich Geheimsache Thermoskanne schon eher gekannt, wären einige Abende in der Schule für mich entspannter abgelaufen. Warum den Eltern schon am ersten Elternabend des neuen Schuljahrs mit auf den Heimweg geben, dass es ohne Hilfe von zuhause wohl schwierig werden wird?
    Ich als Lehrer würde mir da immer denken, dass ich dann wohl kein guter Lehrer bin wenn alle daheim nacharbeiten müssen und gleich schon einmal die Schulaufgabentrainer für alle Kernfächer vorab bestellt werden müssen. Sicher bleibt nicht aus, dass unsere Kinder einmal in einem Fach oder mehreren ins Straucheln geraten. Das ist für mich auch normaler als dass man immer nur Höchstleistung bringen kann. Dann kann und sollte man helfend zur Seite stehen und motivieren. So ein Übungsheft ist dann schnell besorgt. Also bitte nicht vorab schon einschüchtern lassen!!!
    Ich glaube du kannst dich entspannen, liebe Svenja. Wir alle die hier mitlesen wissen, dass du sehr nah an deinen Kindern dran bist. Schau weiter so liebevoll auf sie und vertraue darauf, dass sie ihren Weg machen werden. Setze nicht voraus, dass es deine Tochter in der 6.Klasse schwerer haben wird nur wegen der zweiten Fremdsprache die du selber nicht einmal sprichst. Dafür ist sie in vielen Dingen die in der 5.Klasse noch komplett neu waren jetzt schon ein “alter Hase”. Vieles wird ihr in diesem Schuljahr leichter fallen, da hat sie dann Kraft für Neues. Lass sie machen, denn wenn`s brennt bist du ja da für sie, und das ist die Hauptsache.
    In diesem Sinne, hoch die Thermoskannen, meine kommt definitiv heute Abend zum Einsatz!!!
    Herzliche Grüße,
    Mizzi

  18. Ich verstehe nicht dass dieses “dafür sorgen dass die Kinder alles können” nicht Aufgabe der LEHRER ist! Und deshalb gibt es in Deutschland das Phänomen dass die Bildungsstufe der Eltern so ausschlaggebend ist für die der Kinder. Sehr schade!

  19. Immer mit der Ruhe:) Wie ihr schon alle sagt- wir haben das Gymnasium auch geschafft und hatten trotzdem eine schöne Kindheit! Klar, kein G8, aber ein Spaziergang wars für uns auch nicht. In meiner Erinnerung haben sich meine Eltern deswegen nicht verrückt gemacht (und zugleich mich auch nicht). Ich spürte aber immer ihr Vertrauen in mich und dass sie auf mich stolz waren (trotz oft miserabler Noten). Selbst ein “Abstieg” auf die Realschule wäre für sie kein Weltuntergang gewesen. So spürte ich nie diesen Leistungsdruck auf mir und war nur mir verantwortlich. Ich hoffe so kann ich selbst auch einmal zu meinen Kindern sein. Also habt Vertrauen in eure Kinder! Die schaffen das! Und durch Ferien, Wochenenden,…. ist auch genügend Freizeit da.
    Wenn das Kind vom Gymnasium dagegen wirklich permanent überfordert ist, soll es halt auf die Realschule gehen. Die mittlere Reife + Berufsausbildung ermöglicht doch 1000 Wege: Fachabitur, berufsbezogene Weiterbildung, ….. Nicht mal der Weg an die Uni ist verschlossen. Deshalb glaube ich, dass es oft besser ist, wenn das Kind mit guten Noten an der Realschule Spaß am Lernen hat und das Selbstbewusstsein stärkt , als es frustriert mit schlechten Noten durchs Gymnasium zu schleifen…. Das schafft doch nur Versagensängste.

  20. Liebe Svenja,

    das ist ja absolut irre, wie vielen Müttern es hier ganz genauso geht. Was läuft im deutschen Schulsystem eigentlich falsch?
    Ich könnte dir wahre “Brand-E-Mails” von Noahs Lehrern schicken, weil die Deutschkenntnisse dermaßen schlecht sind usw. Unsere Herbstferien werden wohl sehr von lernen geprägt sein.
    ABER: Mein “Großer” geht jetzt auf ein reines Oberstufengymnasium und ist total happy, super vorbereitet und kommt super mit seinen Tutoren klar. So kann es also auch gehen.

    An alle Schwestern im Geiste: Wir haben tolle Kinder und unterstützen sie gerne, aber vergesst nicht: WIR HABEN SCHON UNSEREN SCHULABSCHLUSS!! UNSERE KINDER MÜSSEN DEN GANZ ALLEIN ERWERBEN!

    Liebe Grüße

    Ricarda

  21. Ja, das mit den Schulen läuft immer noch falsch. Ein Drama! Ich sage nur:

    Unsere Kinder sind Schüler von heute, die in Schulen von gestern, von Lehrern von Vorgestern auf die Probleme von übermorgen vorbereitet werden sollen……

  22. Ich hatte ein G8 Burnoutkind in der 8. Klasse – und wir haben die Notbremse gezogen.
    Ja, sie wird ihr ABI machen, ja, sie hat die gleichen Chancen wie ein Regelschulkind, aber darf täglich mit ihren persönlichen Stärken und Schwächen MENSCH sein und sich entfalten.
    Die Noten sind von 5 auf 2 geschossen und die körperlichen und seelischen Beschwerden weg.
    Lateinvokabeln, Englischtests und Gedichte tanzen – das alles kann sie jetzt als die, die sie ist, lernen und leben. <3

    1. Auch wenn der Post schon älter ist, ist er immer noch brandaktuell. Ich wünschte, es gäbe in Deutschland ein Schulsystem, das auf Freude und Talent aufbaut. Toll, dass ihr Schluss gemacht habt mit dem Wahn!

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