Was macht mir Spaß?

Ihr Lieben,

eine liebe Leserin hat mir zu meinem letzten Post “Open up” den folgenden Kommentar hinterlassen, auf den ich heute gerne öffentlich antworten möchte.

“Danke Svenja…wie schon so oft richtiger Beitrag zur richtigen Zeit. Du hast ein Händchen dafür. Das ist genau was mich umtreibt im Moment. Wo will ich hin, was macht mich aus. Kann ich nochmal durchstarten, jetzt da die Kinder aus dem Gröbsten raus sind. Aber WAS kann ich, WAS macht mich genau aus? Genau DAS im Alltag zu finden, fällt mir unheimlich schwer, weil alles so überladen ist, dass ich manchmal nicht weiß, was ist richtig , was ist falsch. Bei mir geht es konkret darum was will ich arbeiten, mit welchem Beruf komme ich in meinen Flow. Und ich finde keine Antwort. Ich finde nur im Ausschluss, was ich nicht will. Hast Du einen Tipp? Eine Idee? Oder ein Buchvorschlag zum klarer sehen?”

Meine Liebe, ich habe keinen direkten Tipp. Aber da ich mich ja auch gerade neu erfinde, möchte ich Dir gerne sagen, was ich in letzter Zeit verstanden habe.

Diese Phase nach den Kindern bzw. die Zeit, in der wir Mütter nicht mehr unabkömmlich sind, die ist heilig. Weil sie wie eine Neugeburt ist.

Erst kommen Kindheit und Jugend, dann Ausbildung und Arbeit, dann Familiengründung und Kinder – und dann jahrelang eine Zeit, in der wir uns sehr sehr oft um sehr sehr viele Bedürfnisse anderer Menschen kümmern. Und selten um unsere eigenen.

Deshalb sind wir das auch nicht mehr unbedingt gewohnt, bei uns genau hinzuschauen. Was können wir schon “besonders gut”?

DAS KANN ICH DIR SAGEN.

Wir selbst sein. Denn in dieser Zeit der Fremdbestimmung und Ackerei ist wenig Zeit für Eitelkeiten. Da wird nicht geföhnt und geschminkt, da wird nicht parliert und gebildet getan. Aber wenn man ist wie man ist, kommt man damit ziemlich gut über die Runden.

Ich weiß nicht, wie es Dir ging, aber in der Zeit mit kleinen Kindern habe ich mehr über mich gelernt, als je zuvor.

Vor allem, dass ich nicht mehr dazu bereit bin, mich zu verstellen.

Und das heißt auch, dass für mich kein Beruf mehr in Frage kommt, in dem ich mich “verkleiden” muss. Genauso wenig wie ein Beruf, in dem ich meine Persönlichkeit zuhause lassen muss.

Ich möchte sein wie ich bin – und zwar 24 Stunden am Tag. Ich möchte keine professionelle Maske aufsetzen müssen. Sondern vom Herzen weg reden können. In Meetings genauso, wie wenn ich mich mit einer Freundin zum Kaffee treffe.

Als ich gestern die Texte für meine neue Businesswebsite geschrieben habe, konnte ich deshalb auch keine wirklichen “Produkte” auflisten. Sondern nur, in welchen Feldern ich Erfahrungen mitbringe und vor allem WIE ich arbeite.

Wenn mich jemand bucht, dann nicht nur, weil ich das und das kann. Sondern weil er glaubt, dass meine gute Laune, meine Fähigkeit, andere zu inspirieren und mein Optimismus seinem Geschäft gut tun werden. Ich selbst möchte ja auch nur für Kunden arbeiten, die ich fachlich und menschlich einwandfrei finde. Die leidenschaftlich für ihre Sache brennen. Und deren Business ethisch und moralisch in mein Weltbild passt.

Frag Dich doch mal: In welchen Bereichen habe ich beruflich Erfahrung? Was interessiert mich brennend – schon immer? Was würde ich gerne machen, wenn ich es mir aussuchen könnte? Wenn nicht jetzt die Zeit ist, nochmal in neue Sachen hineinzuschnuppern, wann dann?

Mir hilft es auch oft, mich zu fragen: Wenn ich meine eigene beste Freundin wäre, was würde ich mir raten?

Und ganz wichtig: Löse Dich bei der Beantwortung dieser Fragen von allem, was Du als Gedankenmuster von Dir selbst im Kopf trägst. Keine “Ich bin eine …” und “Ich war schon immer eine…” oder “Mein erlernter Beruf ist…” Definitionen.

Was für ein Mensch bist Du? Was ist Dir wichtig? Wie stellst Du Dir ein optimales Arbeitsumfeld und optimale Arbeitszeiten vor?

Ich weiß nicht, warum wir uns so schwer damit tun, uns unseren Traumjob einfach auszudenken und ihn dann zu leben. Als gäbe es das nicht. Oder als wäre das verboten.

Dabei ist die Zeit, in der man ein Leben lang EINEN Beruf hatte oder bei EINEM Unternehmen arbeitete, ja lange vorbei.

Für mich war nach den Kindern klar, dass ich zu vielem nicht mehr bereit bin. Vielleicht ist das auch ein Weg für Dich, einmal darüber nachzudenken. Was willst Du NICHT mehr? Was würde Dich stören? Kollegen? Keine Kollegen? Ein Großraumbüro? Eine weite Anfahrt? Unflexible Arbeitszeiten?

Vielleicht ist es an der Zeit, nicht nach DEM großen Traumberuf zu suchen (das ist immer abstrakt und schwer zu greifen). Sondern Dir zu überlegen, wie Deine Tage und Dein Leben sein sollen und wofür es sich lohnt, eine Menge Lebenszeit zu investieren.

Ich habe das für mich beantwortet und nehme nur noch Jobs an, die mich wirklich interessieren. Für alles andere bin ich mit 45 schlicht und ergreifend zu alt – denn ich habe noch so viel vor, dass es eh schwer wird, das alles in eine Lebenszeit zu packen.

Eins fiel mir noch auf. Du hast zweimal geschrieben “Was macht mich aus?” Ich glaube die greifbarere Frage lautet: “Was macht mir Spaß?” Wenn Du die beantwortest, weißt Du auch, was Du im zweiten Lebensabschnitt machen willst.

In diesem Sinne

Deine Svenja

19 Kommentare

  1. Ich lege Dir “work is not a job” von Cathi Bruns ans Herz! Kaum ein Buch hat mich länger nickend und staunend die Seiten umblättern lassen wie dieses! Liebe Grüße, Nicole

  2. Liebe Svenja, ich stelle mir gerade all diese Fragen um einen Weg für mich zu finden. Kannst Du mir einen Coach empfehlen, der einem hilft die richtige Riching zu finden? Ich bin mir nicht sicher, wo es hingehen soll, was ich anbieten kann oder will. Ich suche jemanden der mir hilft das rauszufinden. Viele Grüße, Kati

    1. Liebe Svenja,
      eigentlich hätte ich Dir das schon damals im Kinderkunsthaus sagen sollen: Du, Deine Art wie Du Dein Leben lebst und immer tiefer in Deiner Seele nach der echten Svenja gräbst, Dich Sachen traust – all das war mit dafür verantwortlich, dass ich vor 2 Jahren meinen Job gekündigt habe und mich auf die Suche nach mir selbst gemacht habe! ? Und dafür 100000000 Dank!
      Und heute schreibst Du schon wieder so wahre Worte!
      Die letzten Monate habe ich GELEBT, statt Karierre zu machen und Geld zu verdienen. In der Zeit habe ich alles wieder ausgegraben, was MIR SPASS MACHT, was mich ausmacht und angefangen die Puzzlestückchen zusammenzufügen. Aber am Ende waren ein paar wesentliche Teile doch irgendwie verkehrt, das Bild war noch nicht vollständig. Irgendetwas hat mir gesagt, dass ich aktiv verändern muss, damit sich das einsortiert. Ich musste IRGENDETWAS tun, egal was! Schon wieder habe ich bei Dir zufällig den weiteren Hinweis gefunden: den Thorsten. Ich habe „Deinen“ Thorsten eigentlich nur wegen meinem Blog kontaktiert. Das Gespräch mit ihm hat mich aber mit einer viel tieferen Frage konfrontiert, die ich unbewußt schon lange in mir herumgetragen habe: „was habe ich zu bieten? Was ist mein USP?“ Ja, was ist mein USP als Frau, die ein eigenes Business aufbauen will? Als Mensch, der ein glückliches Leben führen will?
      Ich habe mich gleich auf die weitere Suche gemacht. Die hat mich zu Barbara Sher geführt. Als ich Dich im Kinderkunsthaus getroffen habe, habe ich schon das Buch „Ich könnte alles tun, wenn ich nur wüsste, was ich will“ gehabt. Ich habe erwartet, etwas NEUES über mich herauszufinden. Nun ja… ungefähr auf Seite 30 habe ich verblüft festgestellt, dass ich es eigentlich schon immer WUSSTE, was ich machen will! Seit 20 Jahren trage ich in mir den Traum, Life Coach zu werden… Ich habe mich die ganzen Jahre nicht getraut, es vor mir zuzugeben. Und es auszuprobieren… Aus Angst vorm Scheitern… Aus Angst, dass ich nicht gut genug bin… Obwohl ich es informel ohne es zu merken eher schon immer gemacht habe – als Vorgesetzte, als Arbeitskollegin, als Freundin, im Bekanntenkreis… Ich habe andauernd irgendwelche Bücher über Coaching, Psychologie, Kommunikation gelesen und wenn ich die Gelegenheit hatte, Workshops mitgemacht. Und es nie sehen wollen, dass es DAS Thema in meinem Leben ist! Das Witzigste daran ist, dass ALLE ANDEREN in meinem Umfeld es sehr wohl gesehen haben. Oder vielleicht musste ich erst dafür reifen und andere Erfahrungen sammeln? Denn das, was ich mehrmals in meinem Leben bisher gemacht habe, ist mir Träume und Herzenswünsche zu erfüllen, gesteckte Ziele zu erreichen, immer wieder die Richtung im Leben zu wechseln, wenn sie für mich nicht mehr gepasst hat, Dinge auszuprobieren, mich selbst besser kennenzulernen. Genau das möchte ich jetzt an andere Menschen weiter geben: Wie sie herausfinden WAS sie wollen und wie sie es dann auch in die Tat umsetzten!
      Aktuell sammle ich Referenzen und Erfahrungen in der 1:1 Arbeit mit anderen Menschen. Ich mache es derzeit for free. Aber es ist für mich so unbezahlbar, das Leuchten in den Augen des Gegenübers zu sehen, wenn er/sie kappiert, dass er/sie im Leben Spaß haben darf! Dass er/sie das leben darf, was ihm/ihr am Herzen liegt! Dass er/sie sich nicht verstellen und verbiegen braucht! Oder die Verblüffung, wenn eine feststellt: „Mensch… und ich dachte, das oder jenes ist mir wichtig gewesen… Dabei wollte ich nur die anderen zufriedenstellen…“ Es ist für mich so sensationell, zu erleben, wie sich Stück für Stück nicht nur die Person selbst, sondern auch ihre Familie, Umfeld erstmal kaum merklich verändert, entspannt!
      Mit B.Sher habe ich auch gelernt, dass ich ein Scanner bin. Und das ist gut so! Ich habe mir zwar schon immer irgendwie meinen Weg gesucht, meine Träume erfüllt. Da hat aber die Leichtigkeit gefehlt. Oft hatte ich das Gefühl, dass ich komisch bin, hatte schlechtes Gewissen in Bezug auf mein Leben, habe mich als Versager gefühlt, weil ich nicht DAS EINE finden konnte, was ich bis ans Ende meines Leben machen könnte. Das hat mir die Kraft geraubt…
      Jetzt verstehe ich endlich, woher Du Deine scheinbar endlose Energie nimmst! Seit ich mich endlich an MEIN DING rangemacht habe, mich sehe und akzeptiere so wie ICH BIN, könnte ich Berge versetzen! Da ist so viel drin! Coachen, lesen, lernen, Spanisch lernen, Sport machen, Zeit für Beziehung, Familie und Freunde, im Chor singen, Haushalt, Kochen, Renovierung und tausend Sachen! Und diese Tausend Sachen – das bin eben ich! Und ich will nie wieder ohne sein!
      Ich bin platt…. Ich fand mein Leben schon davor eigentlich geil, aber jetzt drehe ich voll durch ?

      Danke Dir, Svenja, dass es Dich gibt!

      1. Arleta! Ich habe Gänsehaut am ganzen Körper und freue mich so tiersch für Dich und mit Dir. IST DAS IRRE ODER WAS? Ich bin total begeistert und ich kann mir absolut vorstellen, dass Du dafür geboren bist. Du bist so feinfühlig und kannst andere aufsaugen, ihre Stimmung und ihr Sein. Ach, das ist einfach wunderbar und passt. Wenn Du beschreibst, dass es solche Energien freisetzt bei Dir, dann bist Du meinem “Geheimnis” tatsächlich auf der Spur. Je mehr man man selbst ist und das macht, was man leidenschaftlich gern tut, desto mehr ist man ein Mensch auf einem glücklichen Lebensweg. Dass ich da an der ein oder anderen Ecke einen Anstoß geben konnte, freut mich umso mehr. Und jetzt habe ich noch eine super Idee. Ich schreibe Dir auf FB eine PM. Svenja

    2. Liebe Kati, jetzt hat es einen Moment gedauert, bis ich Deinen Kommentar freigeschaltet habe, weil ich erst noch eine Mailadresse brauchte von der Frau, die ich Dir empfehlen wollte. Ich schicke Dir schnell eine Mail! Liebe Grüße, Svenja

  3. Ich habe mir all diese Fragen “was will ich wirklich, welcher Beruf bzw. welche Arbeit ist für mich richtig” scon recht früh gestellt, als ich mit ca. 25 in der Unternehmensberatung gesteckt habe und sehr viele Unternehmen, sehr viele Branchen, sehr viele Kollegen gesehen habe, wo ich gedacht habe: DAS will ich definitiv nicht.

    Ich finde es gut, zu wissen, was man nicht will. Es ist doch toll, wenn es viele Dinge gibt, die man nicht will, ich glaube, dann ist man schon nah dran, was man doch will.

    Mir hat damals das Buch “Die Kunst seine Berufung zu finden” sehr geholfen. Vor allem auch die Idee, mir zu überlegen, was ich denn als Kind gerne gemacht habe. Was ich als Kind werden wollte und warum!

    Ich hab mich dann als Taijiquan-Lehrerin selbständig gemacht, dann sind die Kinder gekommen. Und jetzt blogge ich ja über Tai Chi und bin sehr sehr froh. Ich mach’s wie Pippi: ich mach mir meine Welt (und meinen Job) so wie er mir gefällt!

  4. Mir schwirrt seit Tagen eine zur Zeit bekannte Liedzeile durch den Kopf: ….sind wir nicht eigentlich am Leben – um zu lieben und zu sein…? Darauf versuche ich mich zu besinnen und schaue dann was mir zusätzlich Freude macht, Energie gibt und einfach positive Gefühle hinterlässt. Ein interessanter Weg.
    Viele Grüße
    Stefanie

  5. Liebe Svenja, lange schon bin ich stille Mitleserin. Heute drängt es mich zu schreiben. Es gibt ein Buch, das mir sehr auf dem Weg zu mir selbst geholfen hat: Kriegsenkel von Sabine Bode für die Menschen, die zwischen 1960 und 1975 geboren worden sind. Beleuchtet die Thematik von einer ganz anderen Seite und liefert daher neue Aspekte. Für mich ein wichtiges Buch mit neuen Erkenntnissen. Herzlich Miriam

  6. Liebe Svenja, was Du geschrieben hast, finde ich unglaublich inspirierend und ja, das altmodische Wort “weise” trifft es ziemlich gut! Vielen herzlichen Dank, dass Du Deine Gedanken mit uns teilst! Liebe Grüße, Verena

  7. Ich habe beschlossen nach 22 Jahren “Erziehungsurlaub” von 4 Kindern nicht mehr in meinen Beruf als Technische Zeichnerin zurück zu gehen sondern etwas Neues zu wagen und mit 48 Jahren ein Studium in Sozialer Arbeit zu beginnen. Ich habe totalen Schiss das ich es nicht schaffe aber ich will es zumindest versuchen um später nicht zu bereuen das ich es nicht gewagt habe.
    Wobei ich es schon als Luxus betrachte das ich den finanziellen Rückhalt durch meinen Mann habe und nicht Geld verdienen muss. Ich kenne viele Frauen die nicht die finanziellen Möglichkeiten haben sich auszuprobieren und neu zu finden.
    Auf einen Neuanfang….
    LG von Simona

    1. Wir Frauen sind schon lustig. Eine Frau die 4 Kinder großgezogen hat schafft so ein Studium auf der linken Arschbacke, meine Liebe. Und dass Dein Mann Dir jetzt den finanziellen Rückhalt bietet – das kann er, weil Du ihm jahrelang ein emotionales Zuhause gegeben hast und er ausgeglichen ist und sich zuhause um nichts kümmern muss und Du sein ROCK bist. Und deshalb kann er sich voll auf die Arbeit konzentrieren und gut verdienen. So gut dass DU jetzt dran sein darfst. Ich freu mich für Dich.

  8. Liebe Svenja!
    am letzten Donnerstag saß ich mit Strähnchenpaketen auf dem Kopf beim Friseur und habe entdeckt, dass ich es mit meinem Kommentar tatsächlich in einen Blogbeitrag von Dir geschafft habe. Ich wurde fast ohnmächtig vor Freude auf meinem Stühlchen. Ich habe die Seite dann geschlossen um den Post wie ein Geschenk in aller Ruhe alleine zuhause auszupacken.
    Svenja, ich Danke dir…du bist so ein wundervoller und wertvoller Mensch und eine Berreichung für Deine Leser und Kunden. Man merkt, dass Du völlig authentisch genau das lebst was Du willst und was Du liebst.
    DANKE!
    Die Zeilen und dann noch die tollen Kommentare der anderen Leser haben mir ganz arg geholfen meinen Blickwinkel zu drehen und ganz andere Ansätze zu mir gebracht.

    1. Oh NICOLE!!!!! Vielen Dank für Dein Feedback. Ich bin jetzt auch fast ohnmächtig vor Freude geworden und freue mich vor allem, dass mit dem Wissen der Vielen ein paar neue Ansätze und Blickwinkel zu Dir gekommen sind. Ganz ganz liebe Grüße, Svenja

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