What you ask for

Ihr Lieben,

manchmal zeigt mir mein Leben, dass ich genauer hinschauen muss.

Letzte Woche ist ein 15-jähriges Mädchen in “unserem” Münchner Eisbach ertrunken. Wir alle trugen Trauer. Dann erreichte mich Mitte der Woche die Nachricht, dass eine alte Weggefährtin gestorben ist. Wir kannten uns nur drei Jahre enger. Ich war Anfang zwanzig. Danach hatten wir eigentlich kaum noch Kontakt. Aber sie ist der erste Mensch, der gestorben ist, den ich nur jung kannte.

Mit ihr sterben Erinnerungen und Details. An Menschen, die nur wir zusammen kannten. Abende und Parties, die nur wir zusammen erlebt haben. Viele kleine Momente und Gespräche und Telefonate. Am Ende waren wir füreinander nicht lebensprägend und wahnsinnig bedeutend. Aber gerade das machte die Nachricht von ihrem Tod für mich so schlimm.

Plötzlich sah ich ganz klar, wie viele Gelegenheiten wir verpassen. Weil wir links abbiegen, anstatt rechts. Weil wir jemanden nicht mehr anrufen. Oder weil wir denken, dass wir ihn nicht anrufen können. Weil wir uns um andere kümmern, anstatt um uns selbst. Oder um uns selbst, anstatt um andere.

Ich habe meine Traurigkeit der letzten Tage erst in Stille verwandelt. Jetzt bin ich bereit, sie als Chance zu begreifen. Schon seit Wochen merke ich, dass ich so, wie ich gerade lebe, nicht umsetzen kann, was ich innen spüre. Ja, noch der April, dann wird es besser. Ach und der Mai, aber dann bestimmt. Ja aber gerade im Juni sind so viele Bloggerevents. Dann halt im dritten Quartal.

Wisst ihr was? Damit ist jetzt Schluss. Im Keller steht mein Studio. Ich müsste nur runtergehen und Videos machen. Und jeden verdammten Tag ist was anderes. Hier oben steht mein Schreibtisch und wartet darauf, dass ich kreativ bin. Dass ich male, zeichne, schreibe. Dass ich Ideen habe und sie umsetze.

Ich mach das jetzt und deshalb

  • lege ich all meine FB Gruppen zu all meinen Workshops in einer Gruppe zusammen, weil ich mein Online Leben vereinfachen möchte.
  • biete ich bis auf weiteres keine Einzelcoachings im zweiten Halbjahr an.
  • beantworte ich Lesermails nicht mehr einzeln und persönlich. Anstattdessen lasse ich die darin enthaltenen Fragen und Warheiten in meinem Herz wirken, wandele sie in Worte um und lasse die so entstehenden Gedanken in meine Texte einfließen.
  • nehme ich noch weniger Einladungen und Verabredungen an.
  • mache ich insgesamt weniger und das langsamer.

Oft spiegeln mir Leser und Fans, dass es doch toll sein muss, wenn einen viele Menschen schätzen und einem das zeigen. Ja, das ist auch toll. Wertschätzung tut jedem gut. Aber nur, wenn man selbst entscheiden kann, wie man damit umgeht und nicht, wenn der Erwartungsdruck so hoch ist, dass man das Gefühl hat, permanent bergauf zu laufen.

Ich liebe mein freies, selbständiges Leben als Unternehmerin. In der Rolle gebe ich so gerne und auch gerne viel. Aber nicht, wenn ich das Gefühl habe, vor einem Karren zu rennen, den ich nicht ziehen will. Ein kluger Mann hat mal gesagt: “Perfekt sind Dinge nicht, wenn man nichts mehr hinzufügen kann. Sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann.”

Manchmal reicht es, einem jungen Mann dabei zuzusehen, wie er genau das bekommt, wonach er fragt. Und dann nach dem zu fragen, was man selbst am meisten möchte. Ich jedenfalls male mir jetzt auch ein Plakat und halte es hoch. Darauf steht der Satz:

“Darf ich bitte mehr Ruhe haben, damit ich mich noch mehr spüren, mehr von mir zeigen und mehr bewegen kann?”

In diesem Sinne

Eure Svenja

https://twitter.com/coldplaying/status/872180177052119040

Merken

Merken

Merken

Merken

20 Kommentare

    1. Liebe Svenja,

      manchmal rütteln uns schlimme Dinge wach… :-(

      Inspiriert durch deinen heutigen Text (und eurer Seminar) habe ich gerade erstmal meinen Bucket List Beitrag überarbeitet. Das Leben ist einfach zu wertvoll, um es im Fast Forward Modus zu verpassen.

      Liebe Grüße,
      Patricia

  1. Das gibts nicht. Letzte Woche ist eine alte Arbeitskollegin von mir gestorben. Wir waren nicht eng, aber es hat mich ähnlich berührt wie Dich. Bin ganz bei Dir, alles Liebe Sonja.

  2. Liebe Svenja, wir haben wohl doch eine energetische Verbindung… Wie viele wahre Worte… “weil wir uns um andere kümmern, statt um uns selbst” Wir haben ja letztens erst miteinander geschrieben – und dann hatte ich vor 3 Wochen einen schweren Herzinfarkt und vor 2 Wochen den nächsten (was die Arbeit, den Streß und das Chaos ringsherum leider so gar nicht interessiert). Und jetzt drucke ich mir Deinen Text aus, schleppe mich wieder ins Bett und werde ihn dort beHERZigen. Liebe Grüße aus dem Gutshaus auf der Insel Usedom. Anika

    1. ANIKA. Um Gottes Willen. Das tut mir SO LEID. Wie konnte denn das passieren? Bist Du so über Deine Grenzen gegangen? Ich wünsche Dir erstmal viel weniger Stress und gute Besserung. Hast Du jemanden, der Dich entlastet? Was für ein Riesenschreck. Ich nehme Dich ganz ganz feste in den Arm. Deine Svenja

  3. Ich habe gestern eine ehemalige, langjährige Kollegin getroffen, die zuerst gesagt hat: Boah du siehst ganz anders aus, als im Januar. Und nun heute dein Blogpost. Ehrlich gesagt, ich habe das ganze Video über geweint. Heute früh, zu hause; meine Tochter war im Spielzimmer.

    Mein Leben der letzten 9 Monate zog an mir vorbei. Meine Gott ging es mir Ende letztes Jahr schlecht. Bis ich eine Woche alles gestoppt habe. ALLES. Ich habe mich aufgeräumt, war jeden Tag beim Sport, draußen, viel alleine. Denn genau das war es: “wenn ich das Gefühl habe, vor einem Karren zu rennen, den ich nicht ziehen will”.

    Heute sieht es anders aus die Entwicklungen der letzten drei Monate sind so unglaublich, dass ich nachts kaum schlafen kann. Es treten derzeit in einem unglaublichen Tempo Menschen in mein Leben, mit denen ich Schritte gehe, von denen ich kaum zu träumen gewagt hätte. Beruflich, wie auch persönlich. Denn letztlich hängt alles mit allem zusammen. Das Universum schickt das, was wir brauchen. Ich ziehe wieder einen Karren, aber gemeinsam mit Menschen, die mir gut tun. Ich achte sehr darauf, dass ich meinen Spiegelneuronen nur das zumute was unbedingt sein muss. Ich treffe ganz bewusst wieder mehr oder öfter Menschen, die mir gut tun. Damit meine ich nicht, dass wir einfach uneingeschränkt Spaß haben, sondern auch die anstrengenden, die Fragen stellen und die auch weiterkommen wollen. Ich gehöre auch zu den anstrengenden, aber auch die anderen kommen zu mir, damit wir gemeinsam wachsen. In allen Situationen ziehen wir den Karren gemeinsam. In allen. Und ich weiß es ist Verlass auf sie und auf mich.

    1. Ja Nadine. JAJAJAJAJAJAAAAA!. Wenn ich meinen Karren ziehe – mit den Kunden, die ticken, wie ich, mit meinen Projekten drin – dann ist alles gut. Aber ich muss mich lösen von Übergriffen, von Grenzübertretungen, von Energieräubern und von Neidern. Von Fragen, die alle mal kurz an mich haben. Von Mails, die alle mal kurz an mich schreiben. Ich bin hier, um MICH zu leben.

      1. Ganz genau. Die Bewohner müssen weg.
        Mein Ziel: Bewohnerfreies Leben. In allen Bereichen.

        –Ich stehe für dieses Gespräch nicht zur Verfügung–

        Das gleiche gilt für Mails, Meetins und die jaaaaa, genau Energieräuber!
        Damn right!!!

  4. Wahre Worte. Und trotzdem so schwer umzusetzen. Ich kämpfe auch mit einer Entscheidung;) Wie das immer so ist, nochmal kurz hier und kurz da und schwups ist die Woche schon wieder vorbei….

    Liebe Grüße und wir sehen uns am Wochenende. Freue mich.
    Dési

  5. Liebe Svenja,
    Ich denke viel über Deine Worte nach – und über die aus Deiner letzten Mail auch. Darum auf diesem Wege DANKE!!! Und ich nehme Deine Eindrücke sehr ernst und werde sie in etwas Tolles umwandeln!!! Ich wünsch Dir ganz viel Zeit für Dich und Deine Familie!

    1. Das freut mich total. Ich denke nämlich auch viel an Dich und bin so gespannt, wie Du diese neue Phase angehen wirst. Wie Du das, was Du schon lange weißt, verwandelst in die, die Du eigentlich bist. Weißt Du, was ich meine? ??

  6. Liebe Svenja,
    ich hänge auch auf diesem schmalen Grad zwischen einem ruhigen, entspannten Leben und der Ungeduld, noch so viel erleben und tun zu wollen. Die Balance zu finden ist ja kein einmaliges Ereignis, sondern ein dynamisches Rumgeeiere!

    Ich erinnere mich noch daran, wie der Smart eingeführt wurde mit dem Slogan “reduce to the max”. Ich war damals 19 und hab das so gar nicht verstanden, was damit gemeint wird. Maximal reduzieren was mir nicht gut tut um den Rest genießen zu können.
    Angelika

    1. Ja, ich merke auch, es kommt in Wellen. Mal kann man viel, dann will man weniger. Das Schöne ist ja, dass man bei VIEL auch viel lernt und bei WENIG dann neue Kraft schöpft, dass Viele sich setzen kann und man auf die allerbesten Ideen kommt. Ich nehme das jetzt auch als Fluß des Lebens und bin fein damit, dass sich schnell und langsam ablöst. Nur habe ich gelernt, dass ich das auch auf dem Blog sagen muss, damit ich weniger Mails bekomme. Sonst stecke ich da im Dilemma.

  7. Liebe Svenja, ich kann dich sehr gut verstehen.
    Zwischen Familie, Beruf und dem Wunsch nach Mehr und Neuem überfordere ich mich manchmal selbst. Das hat weniger mit den konkreten Erwartungen anderer zu tun, aber vielleicht mit dem Standard, den ich selbst gesetzt und durchgezogen habe.
    Dir möchte ich mitgeben, dass du mich mit der Antwort auf meine Mail echt sprachlos gemacht hast. Danke dafür, ich konnte viel Input daraus ziehen. Aber ich dachte auch “respekt, wie schafft sie das das so schnell und ausführlich.” Ich hatte es garnicht erwartet.
    Manchmal sind es auch die eigenen Ansprüche, die Erwartungen, die man selbst formt, die einen dann langfristig ins Hamsterrad befördern. Leider bemerkt man sowas selbst wohl oft viel zu spät (bei mir auf jeden Fall). Ich finde es super, wie du für dich einen Punkt findest und auch direkt Stoppst / zu Gegenmaßnahmen übergehst. Respekt!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Deine Daten in der Kommentarfunktion werden nur für diese verwendet. Weitere Informationen findest du in der .