Wie wir leben

Foto: Anette von @göttlicher fotografieren

„Die moderne Wirtschaft basiert auf einem konstanten Wachstum der Produktion. Sie muss immer mehr produzieren, weil sie andernfalls in sich zusammenfällt. Aber die Produktion allein reicht natürlich nicht. Irgendjemand muss diese Erzeugnisse auch kaufen, denn sonst gehen Fabrikanten und Investoren pleite. Um diese Katastrophe abzuwenden und sicherzustellen, dass die Menschen die Masse an produzierten Waren auch kaufen, entstand eine völlig neue Ethik: der Konsumismus.“ – Yuval Noah Harari

Gerade wird ein Ruf laut. Ihr schreibt mir „Ich fühle mich nur noch gehetzt.“„Von Frauen wird heute einfach zu viel verlangt.“ und „Es ist, als hätte ich meine Zufriedenheit verloren.“

Nicht unsere Zufriedenheit haben wir verloren, sondern unser Maß. Weil eine ganze Industrie dagegen an entwickelt, dass wir zur Ruhe kommen. Handys lösen bei uns dieselben Endorphine aus, wie Glücksspiele. Deshalb sind wir permanent auf dem Sprung zum Screen. Haben unsere Daumen gezückt, um nach rechts oder links zu wischen, sobald eine Benachrichtigung aufleuchtet oder ertönt.

Fast wie beim einarmigen Banditen warten wir auf unseren nächsten Fix, auf das nächste High und auf den Gewinn. Dabei schauen wir anderen bei ihrem außergewöhnlichen Leben zu – durch die digitale Brille. Dass die meisten aber gar nicht so leben, wie sie es uns glauben machen wollen, das vergessen wir. Sehen nur die bunten Bilder, die Partys, die Häuser, die Menschen. Alles sieht so hübsch aus und unser Leben scheint dagegen wie eine Busreise, auf der in der Mittagspause Heizdecken und abgestandener Kaffee angeboten werden.

Um diese Lücke zu schließen, greifen wir zu, bei vielen Produkten, die in die Kamera gehalten werden. Die am Rand von Facebook aufleuchten oder irgendwo sonst zwischen den Zeilen beworben werden. Die juristisch eingeforderte „Werbung“-Kennzeichnung in hellgrauer Schrift auf weißem Hintergrund hilft uns nicht dabei, in der digitalen Scheinwelt einen gesunden Selbstwert zu behalten. Aber daran hat ja auch niemand ein Interesse, schließlich sollen wir uns den nächsten Schuss setzen und Geld ausgeben.

Spannend dazu ist dieses Interview zur „Attention Economy“ mit Tristan Harris, der vier Jahre bei Google als Product Manager gearbeitet hat und jetzt eine Firma namens time well spent gegründet hat.

Wenn euch dieses Thema interessiert und ihr gerne Fiction lest, lege ich euch das Buch „The Circle“ ans Herz. Es wurde gerade mit Emma Watson und Tom Hanks verfilmt. Ich habe es gelesen und war fasziniert von der Geschichte, in der Menschen gnadenlos und strukturiert in eine virtuelle Verfügbarbarkeit gezwungen werden. Ein Must Read, besonders für Eltern.

Manchmal denke ich: Wäre uns diese Technikabhängigkeit nicht absurd vorgekommen, hätten wir unser heutiges Leben vor zehn Jahren in einem Film gesehen? Stellt euch das mal vor. Ein Film

  • in dem Menschen Sport eher mit Hilfe von Gamekonsolen treiben, als sich tatsächlich zu bewegen
  • in dem sie mehr mit dem Bildschirm direkt vor ihrer Nase beschäftigt sind, als miteinander
  • in dem sie jeden Meter fahren, anstatt ihn zu laufen – aber nicht mehr selbst am Steuer sitzen müssen
  • in dem sie sich immer weniger bewegen und immer dicker werden
  • in dem wenige Firmen den Markt beherrschen und jeder auf Knopfdruck einkaufen kann, ohne vor die Haustür zu gehen
  • in dem Kommunikation über Screens abläuft und nicht mehr face to face
  • in dem Menschen virtuell andere Menschen daten und sich durch Listen voller Bewerber scrollen
  • in dem alle gleich aussehen, weil Individualität nicht gefördert wird
  • in dem Kinder vor Screens gesetzt werden, um ruhig zu sein und
  • in dem uns erst jemand den Bildschirm wegnehmen muss, damit wir sehen, wie schön es um uns herum ist.

Also ungefähr so:

Was für ein intelligenter Film, der seiner Zeit weit voraus war. Leider hat er erzählerische Längen, so dass ich ihn nicht wirklich empfehlen kann. Aber ich weiß noch genau, dass ich im Kino bei vielen Szenen dachte: „Na, also SO wird es bestimmt nicht kommen.“

Heute steht der Ausruf „I didn’t know we had a pool“ sinnbildlich für eine Haltung, die ich jeden Tag beobachten kann. Bei Menschen, die nur in ihre Screens starren und dabei alles verpassen, was um sie herum vor sich geht. Und dann oft wirklich verblüfft sind, wenn sie ihren Blick mal heben müssen.

Was mir aber noch viel mehr auffällt, als die Screen Addicts, ist das überflüssige Gerede. Dieser niemals endende Lärm. Ich habe die vorangegangene Filmszene einmal im Originalscript nachgelesen, weil mich interessiert hat, welches Setting sich der Autor dafür überlegt hatte.

„Humans have become the most extreme form of couch potatoes.

Absolutely no reason to ever get up.

No purpose.

Every one of them engrossed in their video screens.

Cocooned in virtual worlds.

Over-developed fingers tap ARMREST KEYPADS.

The controls allow them to steer…

…order food…

…play games…

…and most of all…

…CHAT MINDLESSLY with other passengers:

The CHATTER is deafening.“

Genau so fühlt es sich seit Mitte 2016 für mich an. Als Onlinerin weiß ich so viele Dinge im Internet zu schätzen. Aber seit „Blogger sein“ eine Mainstream-Berufsbezeichnung für jeden mit einem Insta-Account geworden ist, ist der Lärm unerträglich und die Selbstdarstellung hat ungeahnte Ausmaße angenommen.

Ich vermisse intelligente Artikel. Neue, durchdachte Informationsangebote. Und auch so alltägliche Dinge wie einfache Rezepte, die richtig gut schmecken und nicht nur ausgewählt werden, weil sie sich in Formaten a la Tasty gut abfilmen lassen.

Wo sind die DIYs, die erst gepostet werden, wenn jemand sie ausprobiert hat und sicher weiß, dass sie funktionieren? Wo die Lebensweisheiten, die Zeit hatten, zu reifen? Geht all das verloren, weil jeder Content direkt gepostet wird – weil wir immer was Neues bieten wollen?

Zunehmend fehlt mir die Arbeit vor der großen Geste, der Inhalt vor der Behauptung und die Leidenschaft vor dem Output.

Dass viele Frauen mir schreiben und sich verloren fühlen, liegt nicht an einer generellen Überforderung. Wäsche machen, Kinder haben, Ehen führen, Essen kochen, Arbeiten gehen und Sport treiben – die Liste an Anforderungen ist lang, aber das war sie schon IMMER.

Was neu ist, ist die zunehmende digitale Ablenkung und das niemals endende Geplapper. Wie viel Zeit wir damit verschwenden, uns berieseln zu lassen von Unechtem und Ungelebtem! Das löst eine Werteverschiebung aus. Denn vor unseren Handys und Laptops sitzen wir allein, nicht als (Groß-)Familie.

Als Ersatz wenden wir uns erfundenen Gemeinschaften zu, in denen Menschen sich pseudoverbindliche Kommentare wie „schönes Bild“ oder „well done“ zuwerfen. Aber die nähren keine Seele, am wenigsten unsere eigene. Der Versuch, dazuzugehören, wird mit dem Verlust von Lebenszeit bestraft. Zeit, die wir besser damit verbringen könnten, etwas zu kochen, uns zu bewegen, Ausflüge zu machen, etwas zu malen oder spazieren zu gehen. Kurz: etwas zu fühlen und zu erleben. Mit Menschen, die wir lieben.

Lasst uns doch mal wieder so altmodische Fragen beantworten wie „Was tut mir gut?“, „Was macht mir richtig Spaß?“ und „Womit kann ich mich entspannen?“ Ich plädiere dafür, aufzuhören, das Glück nur im Außen zu suchen. Sich einfach mal hinzusetzen, die Vögel singen zu hören und tief ein- und auszuatmen. Da relativiert sich vieles von ganz allein.

Technologie ist wunderbar und Online hat uns viele neue Möglichkeiten zur Weiterentwicklung geschenkt. Aber all das kam ohne Gebrauchsanweisung für unser Glücksempfinden. Ich wünsche mir, dass wir aufhören, im Treibsand auf der Stelle zu treten.

Dazu müssen wir nicht digital detoxen, sondern dürfen beginnen, digitale Angebote bewusst zu nutzen: für unsere Weiterentwicklung und zu unserem Wohlempfinden. Ihre Träume leben können nicht nur 25-jährige Digital Natives, die jetzt wie Nomaden in der Welt herumziehen und jeden Tag Neues entdecken. Das können auch wir, die sich mit Mann, Kind, Haus und Hund festgelegt haben. 

Ich bin mir sicher: Wir sind genau im richtigen Alter, um Beruf, Interessen und Vergnügen innovativ miteinander zu verbinden. Und die neuen Möglichkeiten endlich für uns zu nutzen, anstatt unsere Zeit mit ihnen zu verplempern.

In diesem Sinne

Eure Svenja

P.S.: Dieser Text liegt mir am Herzen. Weil ich sehe, welche Chancen für Frauen sich in der Online Welt verbergen. Darüber werde ich immer mal wieder schreiben und mit (hoffentlich) gutem Beispiel vorangehen.

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32 Kommentare

  1. Liebe Svenja, ich spüre den Konsumrausch und Screenaddiction bei mir. Deshalb gibt es jetzt limited Screentime bei mir. Du hast so recht! The Circle hat mich damals echt erschrocken. Leider nicht lang genug.

    1. Diese Anteile haben wir alle. Und ich finde wir müssen sehr genau hinsehen. Ich konzentriere mich darauf jeden Tag. Schnell ist man von der leichten Ablenkung eingefangen wie von einer giftigen Qualle. Dann versuche ich, nicht sauer auf mich zu sein, sondern das wahrzunehmen und mich bewusst wieder aus dieser Umklammerung zu befreien.

  2. Der Familienurlaub im WLAN freien Haus war das Beste, was uns passieren konnte.
    Absolutes off und frei vom Alltag!

    Großartiger Blog heute! Das ist meine Svenja!!

  3. … ganz schlimm finde ich auch all die jungen YOUTUBE / Insta Stars, Bibi, Dagi Bee, Viktoria Sarina und wie sie alle heißen … Das sollen Vorbilder für unsere Kinder / Töchter sein?!? Ich hoffe, da kann ich bei meinen Kindern gegensteuern und selbst als gutes Vorbild bzgl. Handy- / Internetkonsum stehen bzw. ihnen zeigen, diese Medien sinnvoll undin Maßen zu nutzen. Toller Text, Svenja!
    LG Isi

    1. Also eins ist klar: Wer so erfolgreich im Internet unterwegs ist, der muss auch verdammt viel dafür tun. Videos konzipieren, produzieren und schneiden, die Millionen ansprechen, ist nicht auf der linken A….backe erledigt. Aber was da natürlich noch total fehlt, ist der Abstand zum System, die Lebenserfahrung. Da geht es eher noch um Selbstbestätigung und persönliche Bereicherung. Aber auch das wird kippen, da bin ich sicher. Es wird öffentliche Figuren geben, die dem Druck nicht mehr standhalten oder die einfach einen anderen Sinn suchen. DAS wird dann wieder interessant. Und was unsere Kinder angeht – ich glaube, die haben wir schon gut auf beide Beine gestellt. Und die wissen genau, was da echt ist – und was nicht. GLG liebe Isi! Svenja

  4. Liebe Svenja, ich freue mich so auf unseren Termin in zwei Wochen, um auch über diese Themen zu sprechen. Dazu melde ich mich natürlich nochmal.

    The Circle habe ich auch gelesen, grade vor zwei Wochen erst. Ich konnte es kaum aus der Hand legen und tja, bleibe irgendwie ratlos zurück. Ich glaub Ende der Woche erscheint auch der Film dazu, aber das was im Buch so steht, wird da wahrscheinlich nicht transportiert werden können.

    Ich plane gerade mir einen zweiten Schreibtisch komplett ohne Screen anzuschaffen, mal sehen ob das Besserung bringt.
    Liebe Grüße,
    Lena

    1. Muhahaha – ich dachte schon Du schreibst, dass Du einen zweiten Schreibtisch FÜR eine zweiten Screen anschaffst. Das war echt krass oder, diesess “immer noch was dazu”. Und trotzdem bleibt es machbar, nur zu welchem Preis. Ich freu mich auch schon auf uns.

  5. Wunderbar liebe Svenja! Ich war gerade 3 Wochen lang in Südengland überwiegend ohne Internetempfang. Und wenn wir welchen hatten, haben wir eine Folge Pumuckl geschaut :-) Welch eine Wohltat für Körper, Geist und family! Nun kommt mir unsere Welt noch hirnrissiger vor und ich werde – auch dank Deiner Zeilen – versuchen, die Hirnrissigkeit noch möglichst lange in meinem Herzen zu tragen. Vielen Dank!

      1. Auf jeden Fall! Aber eben auch immer wieder kurz inne halten und denken, welchem Zweck das Medium gerade dient. Ist es Ablenkung, Ego oder tatsächlicher Mehrwert? Oftmals auch schwierig zu sagen oder erst im Nachhinein wirklich zu beantworten… Da helfen mir solche Zeilen wie die Deinen und man fühlt sich nicht mehr alleine, sondern wenigstens kollektiv verunsichert ;-) Liebe Grüße!

      2. Kollektiv verunsichert finde ich gut. Also, ich weiß das leider immer ganz genau. Auch dass ich manche Sache nicht sein lasse, obwohl siemir nicht gut tun. Aber ich habe auch dazugelernt und schon viele Schritte in die richtige Richtung gemacht. Ich glaube da zählen echt die Babysteps. Whatsapp und die Messenger runterzuschmeißen war ein erster wichtiger Schritt.

  6. Klasse Beitrag!
    Eigentlich sind meine Kinder und ich nach kurzer Entzugsphase mit wenig bzw. Gezielt eingesetzem Internet und Onlinegames usw viel zufriedener, kreativer, verträglicher usw…..
    Das wahre Leben zählt!
    Ich freu mich, wieder von dir zu lesen.
    Ein Hoch auf gute Blogbeiträge!!!!

    1. Absolut!! Es geht nicht darum, Online zu verbannen. Sondern für unsere Zufriedenheit und unsere Ziele passend einzusetzen. Dann befruchtet sich das alles. KREATIVER ist da auch so ein GANZ großer Punkt, der anfängt zu gedeihen, sobald man mehr im Off ist. Hier genauso.

  7. Nachdenklich macht mich dieser tolle Text…. fühle mich positiv ertappt….und mache jetzt einfach Mal das Handy aus – und schaue aufs Meer vor mir! Grazie und Ciao Mandy – besonders von “digitalen” Menschen nehme ich diesen Aufruf zum Nachdenken gerne an!

  8. Liebe Svenja,
    was für ein wunderbarer Beitrag und das zum genau besten Zeitpunkt! Danke dafür, denn es gibt mir Halt das Richtige zu tun!
    Genau jetzt in meiner aktuellen Lebenssituation, in der ich mich entschieden habe in Zukunft “reduzierter” zu leben. Die vielen Reize und den Überfluss an Informationen von außen zu minimieren – um wieder mehr in meiner Mitte zu sein. Um wieder mehr meine eigene innere Stimme zu hören und ihr (ohne Ablenkungen) folgen zu können.
    Am Wochenende ging ich einen radikalen Schritt. Ich verabschiedete mich vom Großteil der 1600 (!) Accounts, welchen ich selbst bei Instagram folgte. Es wurden schleichend immer mehr, die ich abonnierte, weil mich so vieles interessiert und begeistert. Weil es einfach so viele tolle Menschen da draußen gibt, die Wundervolles machen. Doch die Menge an gigantisch vielen tollen kreativen Accounts und Eindrücken hat mich immer mehr überfordert.
    Ich hab nun drastisch reduziert auf unter 200. Der Schritt fiel mir nicht leicht, denn mit einigen davon bin ich auch über Facebook befreundet und man kennt sich von diversen Treffen aus der kreativen Szene. Das Schöne wenn man durch seinen Beruf so viele Menschen kennen lernt, aber auch die “Gefahr”, weil man gar nicht dem Leben von so vielen Menschen dann im realen “folgen” bzw. teilhaben kann…
    Auch wenn der Schritt “radikal” war, nur so ging es. Und jetzt fühlt es sich richtig gut an. Instagram zu öffnen und eine Übersicht zu haben… statt eine nie endende Bilderflut beim Scrollen… Wenn ich weiter so gemacht hätte und Tausenden von Menschen virtuell gefolgt wäre, hätte ich das Wichtigste aus den Augen verloren, nämlich direkt bei mir zu Hause den Menschen zu “folgen”, die mir am Nächsten stehen…
    Ich drücke dich liebe Svenja – dafür dass du so bist wie du bist und für dein Gespür und dass du immer wieder Beiträge schreibst, die genau zu dem Zeitpunkt kommen, wenn es besonders gut tut das zu lesen! DANKE!
    Liebe Grüße
    Susn

    1. Ja, ich weiß so sehr was Du meinst. Es gibt so tolle Erlebnisse auf Insta. Aber tatsächlich sind es die Erlebnisse anderer. Wenn dafür die eigenen Erlebnisse schmächtiger ausfallen, ist es Zeit, zu handeln. Toll, dass Du reduziert hast. Und ich freu mich immer wieder zu lesen, dass uns zur gleichen Zeit ähnliche Themen beschäftigen. Kommst Du eigentlich im März zur Projektin?

  9. Liebe Svenja! Du hast so recht! Auch ich verfolge immer mehr, wie Kinder nur aufs Handy starren, entweder selbst weil sie alt genug sind oder von den Eltern davor gesetzt. Im Urlaub hing am Eingang vom Restaurant ein Schild, das man sein Handy nicht mit rein nehmen soll. Außer uns hat das aber niemanden interessiert. Das waren ziemlich traurige Anblicke um uns herum. Ich versuche auch bei meinen Kindern den Konsum etwas runterzuschrauben, obwohl wir wahrscheinlich im Gegensatz zu anderen schon weniger gucken. Dennoch ist es mir manchmal zuviel, weil wir sonst nachmittags auch nichts voneinander haben. Zum Glück findet mein Sohn manche Leute schon komisch, die nur auf das Handy starren und ich hoffe, das diese Beispiele ihn schon abschrecken. In diesem Sinne mache ich jetzt das iPad zu und koche erstmal essen (ich werde es auch nicht fotografieren und auf Instagram stellen, ist mir zu anstrengend ????).
    Vielen Dank für deine tollen Post, du bist einfach großartig und die einzige die immer mein Herz trifft! Liebe Grüße aus dem Sauerland! Nicole

    1. Nicole, VIELEN Dank für Deine lieben und herzlichen Worte. Ich freue mich sehr, dass ich Dich damit erreiche. Ich merke ja auch, wie wichtig es ist, immer wieder am eigenen Verhalten zu arbeiten. Wann macht online sein Sinn, wann ist es Zeitvertreib oder besser Zeitverschwendung? Wir müssen auch dafür ein Bauchgefühl entwickeln, was uns früh genug warnt. Ich geh jetzt auch kochen. OK, und fotografieren werde ich es auch nicht ;-)))) Deal!

  10. Was mir so schwerfällt ist dieser ständige Widerspruch zwischen Bloggerin sein und in der Online-Welt zuhause sein und dabei mich immer wieder zu fragen, wie weit ich gehen will. Gerade Virtual Reality ist für mich so schwierig zu “fassen”. Denn wenn die wirklich flächendeckend kommt, dann ist es noch nichtmal so wie im Filmausschnitt, denn dann hocken alle die ganze Zeit ZUHAUSE! “Zufällige” reale Begegnungen wird es dann nicht mehr geben.

    Und auch wenn das jetzt seltsam klingt, aber für mich ist mein Taijiquan tatsächlich eine Art damit umzugehen. Mich vorzubereiten. Denn um Taijiquan wirklich zu lernen braucht man menschlichen Kontakt. Weil es eine Kampfkunst ist und man gezwungen wird, sich mit anderen Menschen physisch und psychisch auseinanderzusetzen. Das ist für mich einer der Haupttreiber, warum ich mit meinem Blog online bin. Damit das mehr Menschen kennen und ausprobieren.

    Denn irgendwann wird vieles von dem, was NICHT ONLINE ist, UNSICHTBAR sein. So wie der Pool.

    1. Ich bin da VOLL bei Dir Angelika. Das, was für Dich Taijiquan ist, ist für mich DIY, Yoga und in Ruhe Kochen. Dazu brauche ich zwar keine Menschen, aber ich kann es mit Menschen machen und komme in den Flow, der mich stark macht für die Herausforderung des modernen Lebens. Ich glaube, dass wir genau hinschauen müssen, welche Energien wir anziehen wollen – und womit. Über Virtual Reality denken mir viel zu wenig Menschen nach. Denn dann wird keiner mehr stricken, sondern virtuell stricken lassen, um zu entspannen. So wie heute schon die Generation Z eher kreative Ideen pinnt, als sie noch auszuführen. Mit dem Pinnen ist der kreative Part erledigt. All das wird immer mehr kommen. Schön, dass Du zu denen gehörst, die das sehen. Und mit Deinen Interessen, mit Leidenschaft und bewusst etwas schaffst, was andere anregt, Dinge wirklich selbst zu tun.

  11. Liebe Svenja, Worte können viel bewirken… und diese hier sind ganz wunderbare Gedankenanschubser, … Und genau SO verstehe ich auch für mich selbst dieses Internet. Als einen Ort der Inspiration,… Den ich bewusst aufsuche. Dazu gehört meiner Ansicht aber unbedingt, dass ich bei mir bin. Mich kenne. Und wertschätze. Denn dann braucht es kein Vergleichen. Kein Mithalten. Kein Dazugehören. Dann kann ich diesen Ort der Inspiration mit Freude aufsuchen und bewusst Inhalte reingeben oder auch für mich auswählen und genießen… So wie jetzt gerade ;-)

    1. Ja, Du hast so recht. Wunderbar formuliert: Wenn ich mich selbst wertschätze, muss ich mich nicht vergleichen. Das sollte man sich ausdrucken und irgendwohin hängen, wo man es dauernd sieht. Oder: Joggen gehen und danach wissen, wie sich das anfühlt ;-)

  12. Ich weiß genau, dass Du Recht hast, Svenja! Wie häufig sitz ich abends auf dem Sofa mit dem Handy in der Hand anstatt mich mit meinem Mann zu unterhalten. Da hilft uns zwar das Amerika-Projekt mit dem einen gemeinsamen Ziel, das zur Zeit viele Aktionen und Kontaktaufnahmen im echten Leben erfordert. Trotzdem soll sich das noch verbessern! Auch meine DIY-Aktionen sind zur Zeit auf Eis gelegt und ich freu mich schon wie Bolle, wenn ich in den USA wieder viel mehr Zeit dafür habe. Was ich im Moment hier zuhause bemerke, da unser Haus für die letzten vier Wochen hier schon leergeräumt ist: Ich brauche nur noch ein Bruchteil der Zeit um aufzuräumen und die Kinder können sich viel besser auf eine Sache konzentrieren. Ich werde versuchen, den Kommerz in Zukunft so klein wie möglich zu halten und die Neuanschaffungen genau zu überdenken. Vielleicht bleiben viele Dinge auch einfach im Karton und werden gar nicht vermisst….

  13. Liebe Svenja,

    als ich diesen Text vor ein paar Tagen gelesen habe, hatte ich keine Zeit, einen Kommentar dazulassen, aber das muss ich jetzt nachholen. Denn das möchte unbedingt gesagt werden: Du hast mich mitten ins Herz getroffen. Genauso empfinde ich die Welt da draußen momentan. Laut und lärmend und überfordend. Überschwemmt mit Inhalten, die ich gar nicht alle konsumieren kann und eigentlich auch nicht möchte, während alles gleichzeitig komplett oberflächlich verbleibt – und sich dann auch noch, da blutet mein grammatisch, ästhetisch und typographisch geschultes Herz, in Texten präsentiert, die nie redigiert worden sind. Da hilft auch das schönste nachbearbeitete Foto nebendran nichts. Aber das steht noch einmal auf einem ganz anderen Blatt. Denn am meisten belastet die permanente Nervosität, die das ständige Online-Sein mitbringt. Wenn ich, teilweise aus Gewohnheit, teilweise, weil ich wirklich dringend auf wichtige Antworten warte, alle. Vier. Minuten. Mails. Checke. Was war das für eine Wohltat, als ich bei meiner letzten längere Zugfahrt in einem tiefen Funkloch versunken bin und endlich mal wieder tiefenentspannt ein ganzes Buch lesen konnte. Seither schalte ich öfter gezielt den Flugmodus des Handys an.
    Das ist jetzt ausversehen mal wieder ein kleiner Roman geworden – daher verabschiede ich mich schleunigst in den Offline-Abend.
    Liebe Grüße
    Franziska

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