Ungeschminkt und glücklich, mit dem Mann, der mir alle Freiheiten lässt.

Ich merke zunehmend, dass es für mich überlebenswichtig ist, mein Leben komplett selbst zu gestalten. Immer wenn ich das nicht kann, fühle ich mich schlecht oder funktioniere nicht besonders gut.

Das fing in der Schule an, als ich zweimal sitzengeblieben bin. Auch, weil ich nicht verstanden habe, warum ich Dinge lernen soll, die mich null interessieren.

Weiter ging es dann im Studium. Auch da oft gähnende Langeweile, denn das, was ich wollte (kreativ schreiben), kommt im Germanistik Studium nicht vor. Das Ganze fühlte sich eher an wie ein verlängerter Deutsch Leistungskurs mit einer endlosen Parade öder Lektüren aus vergangenen Jahrhunderten. Aber ich wollte im Jetzt schreiben. Wollte greifen, was offensichtlich war, und meine Gedanken dazu formen. Ausdrücken, was ich sehe und nicht wiederkäuen, was andere gesehen hatten.

Im Berufsleben habe ich schnell gemerkt: Am besten bin ich, wenn ich vogelfrei bin. Deshalb war ich nie in einer Festanstellung, war nie Mitarbeiterin. Ich kenne mich nicht aus mit Konzernstrukturen und mag auch keine Hierarchien. Ich möchte jeden Tag das leben, was mir Freude macht. Deshalb bin ich selbständig. Es ist die einzige Möglichkeit, die ich kenne, immer mehr in den Selbstausdruck zu kommen. Dabei finde ich zwei Sachen besonders spannend.

1.) Ich kann das, was mir interessant vorkommt, genauer betrachten. Das, wo ich Chancen sehe, angehen. Das, was ich dann beim Machen lerne und erfahre, in Businessmodelle umsetzen.

Das ist für mich Unternehmertum. Nicht eine am Reißbrett erfundene Firma. Sondern im echten Leben zu sehen: Ah, das gefällt mir. Das tut mir gut. Das bietet eine Lösung eines Problems. Und dann zu überlegen: Könnte das viele Menschen begeistern? Wie kann ich das anderen Menschen zugänglich machen? Sind die damit verbundenen Arbeiten so interessant für mich, dass ich mich länger damit beschäftigen möchte?

So entstehen Ideen wie mein YouTube DIY Channel oder meine Online Kurse.

Wenn ich an solch einer neuen Idee dran bin, arbeite ich Dinge geradlinig ab. Da ist keine Zeit um rechts und links zu schauen. Wenn ich 31 Videos im Januar online haben will, dann bin ich im Tunnel. Aber danach nehme ich mir Zeit. Justiere. Schaue: Was an dem Prozess hat mir gefallen? Was hat mir gutgetan und was nicht?

Als ich Jahresverträge mit Beratungskunden hatte, hat mir die finanzielle Planungssicherheit gutgetan. Und das herzliche Miteinander. Aber die Langsamkeit innerhalb von Konzernen nicht. Auch mit Hierarchieebenen habe ich mich schwergetan. Und mit Kollegen, die nicht miteinander können. Oder Entscheidungen, die irgendwann mal irgendwer getroffen hat, die aber von keinem mitgetragen werden, weil sie im beruflichen Alltag nie Fuß gefasst haben.

Die andere Sache, die mich an der Selbständigkeit fasziniert?

2.) Ich habe Raum, in mich hineinzuspüren. Ich kann immer wieder schauen: Tut mir das gut? Will ich das wirklich? Bin ich das gerade? Kann ich damit ausdrücken, wer ich bin? Was ich fühle? Kann ich mich mit anderen Menschen verbinden? Emotional wachsen? Größere Zusammenhänge begreifen?

Wenn etwas in meiner Lebensgestaltung nicht mehr zu mir passt, bricht mein Freiheitsgefühl besonders stark aus. Ich möchte schreiben, malen, Kurse aufzeichnen und mir neue Seminare ausdenken. Möchte an einem Montagvormittag in ein Museum gehen, um zu beobachten, wie Menschen sich Kunst anschauen. Mich am Dienstag in ein Café setzen und aufschreiben, was die Menschen am Nebentisch sich erzählen. Am Mittwoch den ganzen Tag mit der U-Bahn durch die Stadt fahren und notieren, was es für unterschiedliche Typen gibt. Um Donnerstag auf den Stufen der Feldherrnhalle zu sitzen und mir anzuschauen, welche Kleidung Menschen gerade tragen, welche Kinderwagen sie schieben und welche Frisurentrends sich abzeichnen.

Kurz gesagt: Mich interessiert alles, was Menschen ausmacht, was Menschen bewegt, wie Menschen sich verhalten und was sie begeistert.

All dieses Wissen lasse ich nachher einfließen in meine Texte, meine Seminare, meine Gespräche. Meine Pins, meine Social Media Einträge, meine Coachings. Höre wieder nach: Was kommt an? Was wollen Menschen hören? Und sehen? Wann hängen sie mir an den Lippen? Und wann nicht?

Nun war ich mit meiner Familie ja gerade in Berlin und habe dort so viel Neues gesehen, dass es mich jetzt unglaublich in den Fingern juckt. Dann bin ich immer so froh, dass ich diesen Blog habe. Berlin ist voller neuer Gerichte, Bettler, Modestile. Voller Zwischenmenschlichkeiten, die Kurzgeschichten verdient hätten und Ruppigkeiten, die den charmanten Münchner längs vor den Kopf schlagen.

Ich war eine Woche lang unterwegs. Meistens ungeschminkt, viel im Taxi, oft entspannt und manchmal auch ganz schön im Stress. Die plötzlich auftretende, heftige Erdnussallergie meines Sohnes hat zwei Urlaubstage bestimmt, in denen er sich im Hotel und auf dem Breitscheidplatz mehrfach übergeben hat. In leere Frittenschalen, Vapianomitnahmeboxen, Waschbecken und Kloschüsseln. Das erdet, kann ich euch sagen.

Zurück komme ich mit all den Eindrücken, die bleiben. Und dem Wissen, dass ich alles habe, was ich brauche, um ein glückliches Leben zu führen.

Den Rest dieses Jahres werde ich nutzen, um das, was mich begeistert, weiter voranzutreiben. Und das, was mich hindert und das was ich nicht mehr brauche (Menschen, Dinge, Erlebnisse, Jobs, Verpflichtungen), hinter mir zu lassen. Ich bin total gespannt, wohin dieser Weg führt. Zu einem kleineren Haus? Einem neuen Wohnort? Einer neuen Art zu leben?

Zu einem feingetunten Leben hier in München in unserem Haus, was mir (noch) mehr entspricht?

Zu einem Buch, einem Film, endlich wieder mehr Blogposts?

Nur eins ist sicher: Dass ich euch wie immer mitnehme. Euch zeige was ich mache, euch anvertraue was nicht klappt und berichte, was funktioniert. Immer in der Hoffnung, dass das ein oder andere Learning für euch mit dabei ist. Und dass ihr mir spiegelt, wo es langgehen könnte.

Auf wieder mehr Miteinander, denn ihr fehlt mir manchmal ganz schön.

Eure Svenja