Ihr Lieben,

es gibt etwas, das ich seit Jahren nicht besonders gut hinkriege. Nämlich meine Introvertiertheit zu akzeptieren und dementsprechend zu handeln.

Die Bloggerkonferenz denkst letztes Wochenende in Nürnberg hat mir das deutlich gezeigt. Nach 11 Jahren Bloggen und mit einem der reichweitenstärksten Blogs Deutschlands, bin ich auf so einer Veranstaltung nämlich alles andere als anonym. Und das ist für mich schwierig.

Endlich mal mit meinem Mann auf der Bühne – Danke für die tollen Fotos (c) Frau_V photography

Mein Problem ist nicht, den Vortrag, den Workshop, die Keynote zu halten. Mein Problem ist das Danach. Denn jeden Tag in der Außenwelt muss ich nachher büßen. Diesmal habe ich gleich auf der Rückfahrt die Keule gekriegt. Kopfweh, Übelkeit, Überforderung. Ich musste meinen Job am Montag und Dienstag absagen. Ehrlich gesagt hat das sogar mein Mann für mich gemacht. Ich war nicht mehr in der Lage dazu.

Wer mich kennt weiß, wie wichtig mir Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit sind. Mich an Pläne zu halten. Aber das geht nur, wenn ich in Balance bin. Und mit zunehmendem Alter merke ich, dass sich die Balance derbe verschiebt. Das kommt in Schüben und ist teilweise auch für mich schwer zu begreifen – wie eben nach der denkst.

Früher hat mir ein Tag auf der Damenwiesen mit Frauen verbinden energetisch wenig abgezogen und viel gegeben. Auch heute finde ich die Damen noch wunderbar – aber ich schaue genau, neben wem ich sitze, damit ich mein Energielevel halten kann. Ich laufe nicht mehr durch die Reihen und begrüße jeden. Denn das wäre zu viel. So war es dann genau richtig und ich hatte einen tollen Vormittag, für den ich mich ganz herzlich bedanken möchte.

Eingerahmt von den zauberhaften Moderatorinnen Hannah Klose (links) und Jenna Depner (rechts)

Alle Fotos (c) Messe München/Holger Rauner

Ich habe jetzt lange überlegt, ob ich euch überhaupt erzähle, wie schwierig das manchmal für mich ist. Nicht weil ich damit ins Statustief gehe, das ist für mich total OK. Schwäche  zu zeigen in einer Zeit, in der alle immer nur Erfolge posten, finde ich richtig und wichtig. Ich habe mich dann aber doch dafür entschieden, weil ich weiß, dass es viele Menschen da draußen gibt, denen es geht wie mir. Außerdem habe ich das Gefühl, dass die Zunahme von Technologie auch was damit zu tun hat, dass Balance zu halten immer schwieriger wird.

Für dieses und nächstes Jahr habe ich nun alle Vorträge bis auf den nächste Woche abgesagt. Ich muss mich erstmal sammeln und schauen, wie ich mit dieser Situation umgehe. Introvertiert heißt: auf das eigene Seelenleben gerichtet, nach innen gekehrt, verschlossen. Mit anderen Worten: Wie viel Öffnung geht noch, wie viel nach innen will ich leben? Und was heißt das für meine berufliche Zukunft?

Die Online Kurse sind Teil meines Wandels und Konzepts, weg vom außen zu kommen. Aber ich merke, dass auch das ewige Nutzen bieten, das „Wenn ich das kann, kannst Du das auch“ an mir zehrt. Ich koche gerade viel, probiere tolle vegane Rezepte aus. Und ich kann mich einfach nicht dazu bringen, sie zu teilen. Ich zeichne, und ich will es gerade nicht aufnehmen und auf YouTube stellen. Ich schreibe – und klicke nicht auf „Veröffentlichen“.

Solche Phasen hatte ich immer wieder und normalerweise warte ich, bis sie vorbei sind und schreibe nicht darüber. Auch weil ich weiß, dass dann Kommentare kommen, die nichts mit mir zu tun haben. „Mach doch langsamer“ oder „Ich mach mir den Stress schon lange nicht mehr“.  Sicher alles gut gemeint, aber: das ist ja gerade das Wesen der Introvertiertheit. Es ist völlig irrelevant für meine Entwicklung, was von außen kommt. Nur von innen kann es weitergehen.

Mein Oktober hat noch einige Pläne. Die AllFacebook werde ich jetzt noch rocken. Mit viel Luft davor und danach. Außerdem reise ich mit meinem Mann. Ich weiß, dass ich auf der Veranstaltung selbst in Diana und Tina Verbündete habe, die ich ansprechen kann. Und treffe am Tag danach die liebe Nadine von HalloBloggi, meinen DIY Buddy. Das habe ich jetzt verstanden – ich kriege sowas nur mit Freiheit und Support System ordentlich hin. Ich weiß, auf der Bühne merkt man davon nichts. Da fühl ich mich ja auch pudelwohl. Es ist das Drumherum und das Danach.

Mal wieder so wild vorgetragen, dass mir die Bluse aus der Hose geflogen ist ;-) (c) Frau_V photography

Dann habe ich noch ein großes Familientreffen, auf das ich mich freue. Meinen Freitagstermin mit meinen Freundinnen Claire und Carolin in unserer Bibliothek. Meinen Online Kurs zum Thema Video werde ich fertigstellen. Und meine beste Freundin Almut, ihre Familie und ihren kleinen Dackel Trüffel besuchen. Und danach muss ich dann mal schauen.

Mir war es diesmal wichtig, euch das zu schreiben – und es nicht im Stillen, nur mit mir auszumachen. Was auch zeigt, dass die nächsten Schritte überfällig sind.

Ich werde jetzt mal sehen, was sich richtig anfühlt und mich ganz langsam vortasten. Am besten fühle ich mich momentan nur mit meiner Familie und ein paar ganz engen Freunden. Zuhause.

Schön, dass jetzt Herbst ist. Ich ahne schon: Ich werde viel daheim sein, lesen, zeichnen und schreiben. Mich um mich und um meine Lieben kümmern.

Habt es schön.

Eure Svenja