Zur Lage der Social Media Nation 2019

Ihr Lieben,

auch dieses Jahr durfte ich als Speaker bei der Allfacebook Marketing Konferenz dabei sein. Aber ich habe auch als Zuhörer die Ohren aufgesperrt und – einige werden es gesehen haben – jede Menge Insta Stories live von der Konferenz gemacht.

Darauf habt ihr mir so viel positives Feedback gegeben, dass für mich schnell klar war: Ich werde hier auf dem Blog meine Insights noch einmal ordentlich für euch aufarbeiten. Wir gehen also jetzt gemeinsam noch mal die interessantesten Screens und Infos durch und ich erzähle euch, was ich darüber denke.

Das Beste am Speaker sein ist eigentlich, dass die Konferenz schon am Abend vorher beginnt. Ich hatte das Vergnügen neben Carsta Maria Müller zu sitzen, die ich schon vom letzten Speakers Dinner und von meinem Einsatz Anfang des Jahres für ProSiebenSat1 kenne. Sie ist dort Director Social Media, hat ihr Herz auf dem richtigen Fleck und einen messerscharfen Verstand. Außerdem spricht und moderiert sie auf der Konferenz. Auf der anderen Seite saß Philipp Roth, einer der beiden Erfinder und Gründer von Allfacebook.de, mit dem wir Speaker über unsere Inhalte fachsimpeln und der zusammen mit Jens Wiese für das fantastische Line-up der Veranstaltung zuständig ist. Klassisches best of both worlds seating.

Unsere Themen waren die Lage der Nation rund um alle Social Media Themen, der Nachwuchskräftemangel im Senior-Bereich, der oft noch fehlende Social-Mut bei Unternehmen, die Chancen, die die großen Umwälzungen gerade bieten, und der Spaß, den wir jeden Tag daran haben, in diesem Social Media Zirkus zu arbeiten.

Am nächsten Tag ging es dann direkt los mit der Keynote von Karl Kratz zum Thema Digital berühren. Er hat dazu ein Dreiebenenmodell entwickelt, dass ich zwar spannend fand, in das ich mich aber erstmal selbst reinarbeiten muss. Aber das war wohl auch der Sinn der Keynote – eine gute Anfangsstimmung für die Konferenz zu setzen und Begehrlichkeiten zu wecken.

Den Vortrag “Fünf B2B Marketing Trends aus der Sicht von LinkedIn” von Shankho Mukherjee fand ich sehr spannend – die kompletten Slides findet ihr hier. Ich selbst schreibe seit Anfang des Jahres Fachartikel für die Plattform. Früher habe ich Geschäftliches auf Facebook gepostet, aber heute ist es auf LinkedIn besser aufgehoben. Treffend fand ich vor allem die Aussage: „Don’t be the first. Be the first who comes to mind.“

Das halte ich für absolut wahr und merke immer wieder, dass ich Menschen für bestimmte Themen als Erstes einfallen. Das ist nicht zufällig so und da steckt jede Menge Arbeit drin. Unzählige Artikel, Auftritte als Speaker, jahrelanges Penetrieren der immer gleichen Themen und eines wiedererkennbaren Mindsets. Und das alles – hoffentlich – unterhaltsam aufbereitet.

Um diesen Marathon hinzubekommen, muss ich für meine Themen brennen. Aber mir macht es eben Spaß, stundenlang Screens zu analysieren, Artikel zu lesen und Tutorials zu schauen. Das mache ich, anstatt bei Netflix abzuhängen. Denn nur so kann ich das Fachwissen ansammeln, das notwendig ist, um für einige die Erste zu sein, die ihnen zu einem bestimmten Thema einfällt.

Wenn ihr das für euer Thema auch sein wollt, rate ich euch, das zu tun, was euch die größtmögliche Sichtbarkeit garantiert. Ergreift jede (sinnvolle) Chance, öffentlich zu sprechen und eure individuelle Sicht auf die Dinge zu veröffentlichen. Ihr seht, das Wort „öffentlich“ hat dabei eine große Bedeutung. Ich selbst habe nie Anzeigen geschaltet und halte auch nicht viel davon. Einfach weil ich glaube, dass diese ganze Klickoptimierung nur künstlichen Traffic erzeugt. Mir ist es lieber, Traffic von Menschen zu haben, die wirklich an meinen Themen interessiert sind.

Was ich oft mache, um auf der Höhe der Zeit zu sein, ist in den Tech- und Engineering-Blogs der Firmen zu lesen. Meine momentanen Favoriten:

Die Projecter GmbH verriet in ihrem Vortrag (die kompletten Slides zum Vortrag findet ihr hier), dass sie fest daran glaubt, dass die LinkedIn Stories kommen.

Ich persönlich gehe auch davon aus und freue mich schon sehr darauf. Denn das würde LinkedIn für mich noch viel interessanter machen. Dort kleine, feine Lehreinheiten in Videoform zu positionieren, wird kostbare Sichtbarkeit bringen.

Auf LinkedIn eigene Inhalte zu kreieren, ist unverzichtbar.

Wer hervorstechen will, sollte nicht nur den Content anderer Professionals teilen. Ja, gute Kuration ist wichtig – aber nicht, wenn darüber das eigene Schaffen verloren geht.

Dann wurde es praktisch – der Talk von Globetrotter war hands on mit einer wunderbaren Case Study der Social First Kampagne #entdeckedenherbst. Als Blogger bin ich oft für solche Kampagnen angesprochen worden und fand es interessant, das Ganze mal von der anderen Seite zu betrachten. Und zwar ungeschönt. Denn Globetrotter hat nicht nur erklärt, wie sie bei der Kampagne vorgegangen sind. Das Unternehmen gewährte auch Einblicke in seine Learnings. Das finde ich besonders cool, denn oft tun Unternehmen nach einer erfolgreichen Kampagne so, als wäre alles ganz leicht und easy gewesen. Dass es das nicht ist, weiß eigentlich jeder. Das aber zu teilen und zu sagen: „Hier sind wir an Grenzen gestoßen“ oder „Da können wir das nächste Mal etwas besser machen“, das erfordert Mut.

Wie läuft so eine so Social First Kampagne also ab? Globetrotter hat acht Influencer gebeten, acht Locations vorzustellen, die in ihrer direkten Umgebung lagen. Die Influencer haben daraufhin auf ihren Kanälen und in ihrem Stil auf diese Locations neugierig gemacht – aber dabei nicht gesagt, um welche Locations es sich handelt.

Danach ist die Kampagne an den Point of Sale gewandert, d.h. es gab jede Menge Plakate, die in den Läden und auf den Verkaufsflächen auf die Kampagne aufmerksam gemacht haben. Für die nun folgenden Influencer-Expeditionen wurden Teilnehmer ausgewählt, die die Influencer an ihre vorgestellten Orte begleiten durften – während die Kamera lief. Die Aufgaben der Agentur lagen hauptsächlich in der Koordination und der Qualitätssicherung.

Und weil wir ja so gerne alles in Zahlen messen: hier die KPIs für die Kampagne: der Filialentraffic stieg um 8 % an, es nahmen mehr als 200 Menschen an den Events selber Teil und der Umsatz in der jüngeren Zielgruppe stieg um 10 %. Ein klares Zeichen für Neukundengewinnung.

Die größten Learnings sah Globetrotter im Bereich Prozessoptimierung und Vorlauf. Das kann ich sehr gut verstehen, denn auch in meinem Arbeitsalltag hakt es oft daran. Da werde ich z.B. für die Produktion von Instagram Stories angefragt und es gibt kaum Luft. „Kannst du in zwei Tagen auf diesem Event Stories für uns machen?“ Ja schon, aber so funktionieren gute Stories nicht. Ich brauche ein Briefing, ich möchte mir die Location anschauen. Ich brauche ein Timing und eine Gästeliste. Ich benötige verschiedenste Informationen, um zu wissen, welche Kernaussagen ich nachher aufnehmen soll. Gute Stories machen ist eben mehr, als nur hinfahren und draufhalten.

Eine Kampagne wie #erkundedenherbst mit mehreren Personen an verschiedenen Orten zu koordinieren, erfordert natürlich noch viel mehr Absprachen und braucht damit auch einen Projektplan, der Timings und Vorlauf klar auflistet.

Die Erfahrungen, an welchen Stellen innerhalb der Kampagne es dann doch länger dauert, wo Probleme auftreten, wo neue Abstimmungsrunden gefahren werden müssen – all das kann man nur während des Machens, beim Ausprobieren sammeln. Erst da merke ich „Alle nehmen mit unterschiedlichen Kameras auf – und bei dem einen Influencer reicht die Auflösung nicht. Wir müssen noch mal neu drehen.“ Die kompletten Slides des Globetrotter Vortrags findet ihr hier.

Next up – der Vortrag von Fanpage Karma. Die sind immer unterhaltsam, aber mir persönlich manchmal zu generalistisch. Natürlich ist es spannend, wie das Unternehmen durch Datenanalyse Statements über Plattformen ableitet. Aber manche dieser Aussagen genieße ich mit Vorsicht. Als Publisher habe ich teilweise ganz andere Erfahrungen sammeln können.

Klar ist es spannend zu sehen, was die Top Ten Themen auf Instagram sind.

Aber was bringt mir das, wenn ich diese Themen nicht bediene? Der Mehrwert liegt vielleicht genau dort, wo ich noch mal in mich gehe und mir überlege: Wie kann ich die veröffentlichten Daten auf mein Business anwenden? Beispiel: Wenn das Thema Food auf Insta vor allem vormittags gut läuft, ist das deshalb so, weil dann alle darüber nachdenken, was sie mittags und abends essen.

Ich muss also darüber nachdenken, wann Menschen sich mit meinem Thema beschäftigen – und dann darüber posten. Wer die Charts mit dieser Abstraktionshöhe anschaut, kann spannende Ansätze fürs eigene Business daraus ziehen.

Auch der Hashtag Composer von Fanpage Karma sei der Vollständigkeit halber noch einmal erwähnt. Wobei ich auch hier lieber auf gesunden Menschenverstand setze und solche Tools nur dann anwerfe, wenn mir nichts Sinnvolles einfällt – oder um trendige wordings zu finden.

Spannend fand ich vor allem die Aussage, dass man keine Dialoge mit seinen Followern erwarten soll, wenn man Stories postet. Das erlebe ich mit euch ganz anders. Auf Nichts bekomme ich so viel Feedback wie auf spannende Stories. Sie sind für mich DAS Tool für Community Bildung in 2019. Dann durfte ich meinen Vortrag halten – und das hat wahnsinnig viel Spaß gemacht hat.

Stories sind der neue Feed. Produktion fürs Hochformat.

Ich hatte mich fast zwei Wochen auf das Thema vorbereitet, habe sehr viel recherchiert und dabei herausgefunden, wie spannend Insta Stories heute sein können. Zwar gibt es noch wenige große Player, die wirklich virtuos damit umgehen können, aber die Wenigen haben es dafür richtig drauf.

Ian Schrager, Gründer des Studio 54 und Erfinder der „harten Tür“ und damit der Einlassbeschränkung in Clubs sagt:  „Instagram is a modern magazine edited by the people of the world.“

Ich möchte ihm zustimmen. Das heißt für mich aber auch, dass wir das Grundgerüst polierter Stories so planen müssen, wie sonst nur im Print geplant wird. Mit einer Redaktionswand.

Ich liebe es in meinen Vorträgen ganz genau hinzuschauen. Hier ein Beispiel aus den H&M Smart Stories Go!, wie man einen Dialog spielen kann – egal ob Podcast, Interview oder Pressegespräch – die Möglichkeiten sind unendlich.

Um Stories zu analysieren, schaue ich mir zuerst die Verteilung der Charts im Überblick an. D.h. ich mache einen Screenshot von jedem Screen, und setze diese in Canva nebeneinander. Jetzt kann ich sehen, wie die Screens verteilt sind. Dass es Anfangs- und Endscreens gibt, genauso wie Schrift und Fotoscreens.

Ich sehe, wie diese angeordnet und gestaltet sind. Klar, mehr als vier oder fünf der roten Schriftscreens hintereinander wären langweilig, deshalb werden sie immer wieder von Fotoscreens abgelöst. Schaut euch hier einmal an wie das Interview auf dem Handy eingespielt wird. Denn die Animation fallen bei solch einer Übersicht natürlich weg, die muss ich direkt online erleben.

Danach analysiere ich, welche und wie viele Anfangsscreens und Schlussscreens es gibt.

Ich schau mir an, wie viele Schriftscreens verwendet werden und welche Besonderheiten mir daran auffallen. Hier zum Beispiel sind es kleine Absätze, verschiedene Schriftgrößen, verschiedene Schriftarten, verschiedene Farbigkeiten. Linksbündig und Flattersatz und oft noch Luft und Freiraum nach unten.

Auf den Fotoscreens schaut die Frau immer von links nach rechts und der Mann von rechts nach links. Die Frau trägt eine weiße Bluse, der Mann ein schwarzes Oberteil und ein dunkles Sakko. Ich kann beide also gut unterscheiden und hab das Gefühl, dass sie sich gegenübersitzen und miteinander im Gespräch sind.

Der Bildausschnitt ist fast immer gleich – abgeschnitten wird an der Stirn und über der Brust. Einige Close ups sind auch dabei. Die Schrift auf den Fotoscreens sitzt immer an der gleichen Stelle – bei der Frau ist sie schwarz, beim Mann weiß.

Wenn ihr so vorgeht, könnt ihr sehr schnell und sehr einfach eigene Instagram Formate entwickeln. Fertigt ein Whitepaper mit einer genauen Beschreibung der verschiedenen Screens an – und  schon ist das System multiplizierbar, denn jetzt können auch andere Personen als nur ihr selbst maßgeschneiderten Content zuliefern.

Für eure zukunftsfähigen Social Media Aktivitäten sind vor allem qualitativ hochwertige Beiträge wichtig. Diese müssen in einer Regelmäßigkeit erscheinen, die eure Follower weder über- noch unterfordern. Das erreicht ihr, wenn ihr

a) eigene Formate entwickelt,

b) mit  Menschen arbeitet, die textlich, visuell und konzeptionell stark sind und

c) euch selber laufend in diesem Bereich fortbildet.

Auf der AFBMC habe ich eine Stunde lang über diese Themen gesprochen. Für alle, die nicht dort sein konnten, habe ich jetzt einen Udemy Online Kurs dazu aufgezeichnet – der sogar doppelt so lang ist. In dem bespreche ich verschiedenste Formate und erkläre, wie sie funktionieren. Ich teile meine Ideen für Story Highlights, für Produktkataloge und für Gamification Formate. Zeige euch, wie ihr 16:9 Inhalte auf 9:16 Inhalte umbauen könnt. Wie ihr reportagig erzählen, mit Stories emotionalisieren und Behind-the scenes-Stories shooten könnt.

Auch die Berichterstattung vor Ort und vom roten Teppich habe ich mit in den Vortrag genommen, weil ich finde, dass sich dort jede Menge Chancen für sowohl Einzelkämpfer und kleine Dienstleister als auch große Unternehmen verstecken. Wichtig ist dabei vor allem die dezidierte Planung – wer das Event schon vorher im Griff hat und weiß, welche Screens er aufnehmen will, kann auf jeden Fall mehr aus der Story herausholen. Wenn ihr dann offen bleibt für spontane Möglichkeiten, für Live-Geschehnisse und Situationskomik, könnt ihr punkten.

Wer Interesse an dem Kurs hat, springt rüber zu Udemy. In der Launchwoche kriegt ihr den Kurs für knapp 25 €, wenn ihr den Code MEINESTORIES verwendet. KLICKT HIER, um auf die Kursseite zu kommen.

Den Trailer – quick und dirty runtergedreht, ist ja nur für meine Community hier – pack ich euch unterhalb rein:

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Was an der Allfacebook diesmal für mich persönlich besonders war? Vor allem drei Dinge. Zuerst einmal, dass meine Freundin Carolin mich wieder begleitet hat. Mit ihr kann ich direkt auf Augenhöhe alle Learnings besprechen und einordnen. Das macht wahnsinnig viel Spaß und hilft mir, sofort das Wesentliche heraus zu filtern. (Claire, Du hast gefehlt.)

Dann die Begegnung mit anderen tollen Frauen wie Katja von der Burg, CEO der Projecter GmbH und Frederieke Krippeit, Social Media Frontrunner bei Globetrotter und der Journalistin und Story-Expertin Judith Schacht.

Und last but not least, dass Jens Wiese, der andere Allfacebook Gründer, mich direkt nach der Veranstaltung via PM gefragt hat, ob ich im Herbst in Berlin wieder dabei bin.

Das ist dann mein fünftes Mal in Folge und ein Rekord, auf den ich echt stolz bin. Auch dann werde ich euch wieder mitnehmen und meine Insights für euch aufschreiben.

In diesem Sinne

Eure Svenja

P.S.: Und jetzt ab zum Udemy Kurs „Instagram Stories – Wie erzähle ich vertikal“ und mit dem Code MEINESTORIES 38 % sparen!

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