Die Emanzipation ist ja ein bisschen der Schuss von hinten durchs Knie gewesen. Ganz ehrlich: Das, was wir jetzt dürfen (wählen gehen, arbeiten gehen) ist mittlerweile völlig normal. Das, was dazugekommen ist (Rollenwechsel, Mehrfachbelastung) leider auch. Doch dass Kinder im Normalfall das Ende der Karriere bedeuten und man Selbstbestimmung, gesunden Egoismus und die eigenen Träume im Tausch für ein goldiges, schreiendes Bündel erstmal für unbestimmte Zeit abgibt, sagt einem VORHER komischerweise keiner. Übrigens alles TROTZ Emanzipation.

Nicht, dass ihr mich falsch versteht. Ich liebe meine Kinder und mein Leben mit Familie. Aber mein Leben davor und die Svenja von früher, die hat mir eben auch gut gefallen – und die Rolle hatte ich nun mal 32 Jahre lang. Im Vergleich sind die knapp 8 Jahre, die ich jetzt ein anderes Leben führe, ziemlich kurz. Aber Schlafmangel und ständige Alarmbereitschaft („Ich habe Durst“, „Ich muss mich übergeben“, „Ich springe“) lassen meinen Mann und mich immer noch Vergleiche mit Guantanamo ziehen.

Meine Kinder sind jetzt 5 und 7. Eigentlich habe ich das Gröbste also hinter mir, wie man so schön sagt. Aber trotzdem zerreiße ich mich zwischen Arbeit und Supermarkt, Kinderchaffeurdiensten und ehelichen Rechten. Rechten deshalb, weil sich „eheliche Pflichten“ immer so spaßfrei anhört. Aber glaubt mir, ich hätte diesen Post beinahe „Hilfe, mein Mann will mit mir schlafen“ genannt. Kinder zu haben heißt eben auch, dass man den ganzen Tag angefasst wird – da gibt es Hände zu halten, wenn man die Straße überquert und verschwitzte Kinder, die man auf dem Schoß hat, während man Schnürsenkel bindet. Wenn ich dann an schlechten Tagen herrisch: „Kann mich mal EINE Sekunde niemand anfassen“ raune (und direkt darauf ein schlechtes Gewissen habe) genieße ich sie doch – die EINE Minute in denen sich keiner mehr traut, mich anzufassen (oder anzusprechen). Ist das normal? Ja, das ist normal. Genauso normal wie es gerade in dieser Minute ist, dass ich beiden Kindern nach dem Tenniscamp eine Nintendoauszeit erlaubt habe. Nicht nur, aber auch, weil ich diesen Post schreiben möchte.

Die Zeit mit kleinen Kindern ist die Warteschleife des Lebens. Man läuft so schnell man kann und trotzdem auf der Stelle. Und ich habe mir sagen lassen, dass es mit großen Kindern anders, aber nicht besser wird – was immer das heißen soll.

Kurz nach der Geburt meiner Tochter habe ich ganz schön oft gejammert, dass ich die alte Svenja zurück will. Die, die in ihrer Singlewohnung auf dem Sofa gesessen, kitschige Liebesfilme auf Sat1 geschaut und dazu eine Packung Zigaretten geraucht hat (ja, damals war ich noch wild). Und das habe ich so oft gesagt, dass mein Mann bei meinen Nachmietern angerufen hat und sie gefragt hat, ob ich genau das einmal machen könnte (während sie ins Kino gehen). Klassischer Fall von: Mein Mann handelt, um mich glücklich zu machen – dabei möchte ich nur verstanden werden und nicht auf einem wildfremden Sofa in einer Wohnung sitzen, die nicht mehr meine ist.

Wenn ich mit meinen Freundinnen spreche, ist es eigentlich überall das gleiche Bild. Deshalb hier noch mal eine konkrete Anleitung für Ehemänner, wenn wir in unsere fremdbestimmte, zu viel angefasste und insgesamt leicht entnevte Phase eintreten:

a) Wir wollen nur verstanden werden.

b) Alles ist doppelt so anstrengend, wenn man wenig geschlafen hat.

c) Nehmt die Kinder und fahrt mit ihnen an den See oder zum Indoor-Spielplatz. Wir brauchen nur ein bisschen Ruhe, können das aber nicht sagen, weil wir es gewohnt sind, immer zu viel an den Hacken zu haben.

d) Wir lieben euch, aber manchmal ist es uns zuviel am Ende des Tages noch einen „Termin“ mit euch zu haben.

e) Ja, das wird sich wieder ändern. Aber nicht übermorgen. Sondern vielleicht überübermorgen.

f) Bis dahin würde es helfen ihr würdet uns einfach nur in den Arm nehmen und sagen, das wir toll sind. NUR IN DEN ARM NEHMEN.

g) Es hilft auch, wenn wir jede Menge Lob hören: Wie toll wir das mit den Kindern machen, was wir für gute Mütter sind, dass ihr es klasse findet, dass wir (trotzdem) arbeiten gehen. Und natürlich das wir sexy sind.

Ich verspreche, dass sich dann Einiges bessern wird. Und ändern. Dass wir wieder mehr die werden, die wir eigentlich sind (und in die ihr euch verliebt habt) und weniger das fremdbesetzte Gebiet von heute. Es gibt sie noch, die Frau von früher – aber wenn wir uns wieder fühlen sollen wie damals, als ihr an UNSERER Wohnungstür geklingelt habt und wir die Treppe runtergekommen sind und gesehen haben wie ihr dachtet: WOW – dann brauchen wir ein bisschen mehr Platz für uns und unsere Weiblichkeit.