Als ich klein war, war ich an Weihnachten immer neidisch. Alle hatten eine Familie, nur ich nicht. Alle konnten zusammen unter dem Weihnachtsbaum sitzen und sich freuen. Für mich war das Fest der Liebe bei allen anderen besser als bei uns. Denn die waren ja zu viert, nicht nur zu dritt. Oder wie Marty in „Madagascar“ so schön sagt: „auf der Spaßseite der Insel“.

Meine facebook Freundin Sonja hat heute gepostet „Glück ist eine Entscheidung.“ Da stimme ich voll und ganz zu. Warum? Weil ihr mir das jeden Tag zeigt. JEDEN TAG. Ihr schreibt mir, dass ihr schon mit dem Leben gehadert habt – aber jetzt entschieden habt, eure Zeit zu nutzen. Ihr schreibt mir, dass ihr beruflich frustriert wart – und euch jetzt selbständig machen werdet. Ihr schreibt mir, dass ihr gedacht habt ihr wäret die Einzigen mit diesem oder jenem Problem – und jetzt wisst ihr, dass ihr es nicht seid. Und das unter anderem wegen diesem Blog. (Wie glücklich ihr mich damit macht, brauche ich wohl gar nicht zu sagen…)

Ja, Glück ist eine Entscheidung. Meistens. Denn es gibt Menschen, die Dinge erleben, die eben NICHT ihre Entscheidung sind. Die vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Die etwas so UNFAIRES erleben, dass es zum Himmel schreit. Und egal wie sie versuchen, sich dagegen zu stemmen: es hilft nichts. Die Sache nimmt ihren Lauf und man könnte heulen, schreien, treten – man kann nichts ändern. Solche Schicksale kennt ihr sicher auch. Das Spannende ist – auch hier ist das Glück eine Entscheidung.

Entweder man heult, schreit und tritt WIRKLICH. Man beschuldigt jeden in seinem Umfeld, Böses zu wollen und einen nicht zu verstehen. „Du weiß ja nicht, wie das ist.“ „Es hat gar keinen Sinn Dir das zu erklären, ich brauche meine Kraft für mich.“ „Lass mich in Ruhe.“ „Du musst was ändern, denn es geht MIR schlecht.“ „Ich brauche Deinen Ratschlag nicht, denn Du weißt ja gar nicht, wie es mir geht.“ „Ich will Dir nicht zuhören, denn ich habe das alles schon hundert Mal gehört.“

Eindeutig Hilferufe der Seele – die beim Gegenüber aber nicht unbedingt ankommen.  Und dann gibt es Menschen, die selbst in dieser Zeit noch ihr Herz öffnen. Hören, was andere Menschen sagen. Ratschläge offen annehmen. Fragen, ob ihnen jemand helfen kann. Ohne zu fordern und ohne zu drängen. Einfach von Mensch zu Mensch. Die sich, selbst wenn es ihnen hundsmiserabel geht, nicht verschließen vor dem Glück, was sein könnte. Die bunte Farben malen anstatt schwarz zu sehen. Davor habe ich allergrößten Respekt.

Auf der Spaßseite der Insel Spaß zu haben, ist leicht. Auf der anderen Seite, ist Glück eine Entscheidung – und die fällt sicher nicht immer leicht. Dieser Post ist für all meine Leser, die gerade durch stürmische Gewässer steuern. Bei denen die Konstellation „Mutter, Vater, Kind“ in Frage gestellt oder bedroht ist. Durch Krankheiten und Tod, durch Betrug und Lüge, durch Armut oder Ungerechtigkeit, einen Unfall oder vielleicht sogar durch einen ganz blöden Zufall. Auch wenn ich hier koche und backe, turne und lustig bin: Ich denke an euch und ich wünsche mir, dass ich euch die Zeit auf der anderen Seite der Insel ein bisschen vertreiben kann. Ich weiß, dass ihr in eurem Herzen einen Platz habt, der sich für das Glück entscheiden möchte. Vielleicht fangt ihr damit an, heute mal all das mit offenen Augen zu betrachten, was Gutes passiert. Angefangen beim farbigen Herbstlaub und aufgehört beim Telefonanruf einer alten Freundin. Es gibt noch so viel, was wir zusammen erleben können. Und ohne euch wäre es einfach nur halb so schön.

Eure Svenja