Die Meinungen, was für Kinder gut ist, und was nicht, gehen ja weit auseinander. Das wundert mich gar nicht, denn der Moment, in dem man Mutter wird, kam für mich fast einer „Persönlichkeitsstörung“ gleich. Vom Post-Baby-Blues bis zur Stillamnesie stand ich zwischenzeitlich völlig neben mir. Mal ganz zu schweigen von dem Gefühl, dass quasi über Nacht mein Körper UND meine Weiblichkeit flöten gegangen waren. Irgendwann habe ich dann verstanden, dass dieser Zustand keine vorübergehende Vernebelung der Sinne, sondern chronisch ist. In dem Moment, als ich Mutter geworden bin, hat sich mein Leben komplett verändert. PUNKT.

Auch wenn sich einige Dinge mittlerweile wieder normalisiert haben, manche blieben dauerhaft anders – vor allem meine Gedanken und Gefühle. Was früher Priorität hatte, woran ich ständig denken musste, war plötzlich total nebensächlich. Ich hörte über lange Strecken völlig auf, mich mit mir selbst zu beschäftigen oder mich um mich selbst zu kümmern. Hauptsächlich, weil ich SO damit beschäftigt war, die Kinder zu versorgen. Und ehrlich gesagt: auch mich UM SIE zu sorgen. Das fing an mit grundlegenden Dinge (Nahrung und Verdauung) und ging weiter mit den ersten größeren Hürden (zahnen, umdrehen, sitzen, krabbeln). Dann kamen die ersten Schritte und zwei Sommer später – hoffentlich rechtzeitig vor Kindergartenbeginn, denn sonst müsste ich mich schon wieder sorgen – waren die Windeln weg.

Das Abholen aus dem Kindergarten war geprägt von der Frage: „Hat er/sie es heute geschafft? Oder ist doch wieder was „in die Hose gegangen“?“ und lief so: Blick auf den Garderobenhaken meines Kindes. Hing dort eine Tüte mit verpieselten Sachen – schlechter Tag. War der Haken leer: JUCHHUUU!

Doch die Sorgen gingen weiter. Wer schon einmal ein trauriges Kind Zuhause hatte, weil es nicht mitspielen durfte oder es nicht zum Geburtstag von einem anderen Kind eingeladen wurde, weiß, was ich meine.

Ab dem Moment, wo man Kinder hat, stellt man sich viele Fragen. Findet sich mein Kind zurecht – im Schwimmkurs, in der Schule, beim ersten Wettkampf? Ruft mich mein Kind an, wenn es eigentlich woanders übernachten sollte – und bittet mich um 23:00, es doch besser abzuholen? Natürlich UNBEDINGT mit einer ziemlich jämmerlichen Stimme, so dass ich sofort ins Auto springe und nicht wirklich weiß, wer sich gerade schlechter fühlt – ich oder mein Kind?

Mit all diesen Fragen kommt auch immer die ganz große Frage: Mache ich alles richtig? Helfe ich dem Kind, sich optimal zu entwickeln? Zum Beispiel bei so einem „Übernachtungsdesaster“. Soll man das eigene Kind überhaupt abholen? Oder ihm lieber sagen: „Los, das schaffst Du – wir sehen uns doch morgen.“ Und am besten noch versprechen, dass es ein Geschenk gibt, wenn das Kind die Nacht „durchhält“??? Schwierig – und wirklich fragen kann man auch niemanden. Als WIR ins Landschulheim gefahren sind, gab es keine Handys, mit denen man auch nachts um 12 noch von unter der Bettdecke in Flüsterstimme anrufen konnte. Es gab einen Münzfernsprecher direkt vor dem Kantineneingang – da kam keine besinnliche Stimmung auf. Nach Hause durfte man höchstens, wenn man sich den Arm brach, wenn überhaupt. Woher soll also meine Mutter oder meine beste Freundin wissen, was richtig ist?

Soll man die Kinder dazu drängen, mit dem Flöte spielen weiterzumachen (weil man ja ein Instrument spielen und Noten lesen können muss) – oder gilt das Prinzip: Erlaubt ist, was gefällt? Und: Was gefällt eigentlich? Dem Kind? Und….MIR?

Auch ich habe mich oft gefragt, ob ich das alles so richtig mache oder ob meine Einstellung einfach nur geprägt ist von dem, was ich selbst als Kind erlebt habe und deshalb für „richtig“ und „angemessen“ halte. Und dann gab es ihn neulich, den Moment als ich im Magazin der Süddeutschen Zeitung EINEN SATZ gelesen habe, der diese Fragen ein für alle Mal verstummen lässt. Es war in einem Interview mit einer Frau, von der wir fast alle etwas gelesen haben – denn sie hat im Bereich der Babyliteratur nun wirklich einen Bestseller gelandet: Die Hebammensprechstunde von Ingeborg Stadelmann. Der Satz von Frau Stadelmann, bringt das, was eine gute Mutter ausmacht, so spitzenmäßig auf den Punkt, dass ich mich ernsthaft frage, warum er nicht in jedem Kreißsaal und auf jeder Neugeborenenstation dieser Welt hängt.

Dieser Satz ist heute mein Geschenk an euch. Egal welche Herausforderungen ihr noch vor euch habt oder welche Sorgen wieder anstehen, mit diesem Satz wird euch manches ab jetzt leichter fallen. Denkt einfach an ihn, wenn ihr mal wieder müde seid. Oder überfordert. Oder zu streng mit euch selbst. Ihr seid toll und eure Kinder sind toll. Und jetzt kommt der Satz von Frau Stadelmann, die Antwort auf alle meine Fragen:

„Eine gute Mutter ist eine Frau, die Entscheidungen treffen kann, die sie und ihr Kind zufrieden machen.“

Ja, so einfach ist das.

Alles Liebe

Eure Svenja