Wenn ihr mich fragen würdet, was ich am besten kann, wäre meine Antwort: Andere glücklich machen. Das ist  es ja auch, was von Müttern erwartet wird. Wir kümmern uns und sorgen uns und haben alles im Griff.

VON WEGEN. Ich zum Beispiel habe ganz oft gar nichts im Griff. Zum Beispiel heute. Meine Mutter ist seit gestern mit miesen Zahnweh zuhause und ich kann nicht arbeiten, weil Schulferien sind. Der Druck, die Arbeit zu schaffen, die ich mir bis Ende der Woche vorgenommen hatte, wird größer und größer. Ich weiß eigentlich, dass ich keine Chance habe. An solchen Tagen ist wenig schon zu viel. Zum Beispiel wenn mein Mann mich fragt: „Können wir mal wieder den Kühlschrank sortieren?“ Dann höre ich nur: „Du hast wieder den Kühlschrank vollgemüllt, Du hast nichts im Griff, Du bist mit allem hinterher.“ Und dass ich das höre und dass ich dann anfange zu streiten, wirft mir mein Mann vor. Denn das was ich höre, hat er natürlich nicht gesagt. Stimmt.

Was Männer nicht verstehen (meiner eingeschlossen und ihr seid alle toll und könnt nichts dafür aber es ist eben so), ist, wie schwierig es ist, eine Mutter zu sein. Als wir Frauen keine Mütter ohne Verpflichtungen waren, war die Vorstellung irgendwann ein Baby zu haben das Paradies. Wir wussten nicht, dass Mutter sein eine lebenslange praktische und emotionale Einsatzbereitschaft inklusive Nachtschichten bedeutet.

Natürlich kann ich mich glücklich schätzen, weil meine eigene Mutter mich sehr oft unterstützt. Dafür bin ich dankbar, denn ich weiß, viele Frauen haben dieses Glück nicht. Aber trotzdem hat dieses „Mutter-Konzept“ viele Seiten, die ich einfach nicht hinkriege. Ich bin nicht immer geduldig und aufmerksam. Ich möchte oft lieber etwas ganz anderes machen, als ich machen muss. Wer 2 Jahre um halb 5 morgens aufgestanden ist oder schon mal 3 Stunden beim Musikschulvorspiel war (wovon das eigene Kind genau 40 Sekunden gespielt hat) weiß, wovon ich rede.

In guten Momenten (gestern Abend) habe ich einen Riesenspaß am Muttersein. Wir bauen auf Wunsch der Kinder die Strandmuschel im Wohnzimmer auf und legen uns da rein um Topmodel zu gucken. Mein Mann und ich lachen uns schlapp, wie unsere Kinder die Kandidatinnen beurteilen.

In schlechten Momenten (heute) fühlt sich mein Leben an wie eine Aneinanderreihung von langweiligen Kinderkrippenspielen, Elternbeiratsversammlungen, zu wenig Schlaf und zu vielen Kinderkrankheiten.

Dass Männer das nicht verstehen können, liegt daran, dass sie auch als Väter bleiben dürfen, wer sie sind. Eingeschränkt natürlich, weil sich auch da der Druck erhöht. Die Familie will ernährt werden und braucht Aufmerksamkeit. Aber wir Mütter laufen mit verbundenen Augen in die Entbehrungen, die das Muttersein mit sich bringt. Keiner sagt uns, wie man damit klarkommen soll, nachts nur 2h zu schlafen. Keiner sagt uns, wo wir unseren beruflichen Selbstwert hernehmen, wenn wir kein Geld mehr verdienen. Und keiner sagt uns (und das finde ich richtig richtig gemein), dass es jeder Mutter so geht.

Dass die guten Momente mit Nichts in der Welt zu vergleichen sind. Und die schlechten auch nicht. Dass jede Frau ihren eigenen Weg finden muss. In einer Generation ohne Vorbilder fühlt man sich deshalb an guten Tagen wie der König der Welt. Und an schlechten wie Aschenputtel ohne neues Kleid.

Ja, ich würde die Zeit nie wieder zurückdrehen. Und ja – ich bin meistens sehr glücklich. Aber ich glaube ich bin nicht alleine, wenn ich sage, dass Mutter zu sein oft vor allem eines für uns Frauen ist: zu viel. Zu viel Nähe, zu viel Sorge, zu viel Trubel, zu viel Verantwortung, zu viel Mitdenken. Zu viele Bedürfnisse anderer und zu viel zurückstecken.

Ich würde euch total davon abraten, Mutter zu werden – wenn es nicht das Beste wäre, was ich in meinem ganzen Leben erlebt hätte. Es gibt immer ein Licht am Ende des Muttertunnels. Und das ist heller als jedes Karrierehighlight, jeder funkelnde Verlobungsring und jedes schneeweiße Hochzeitskleid.

Shine on

Svenja

P.S.: Meine Strategie für die dunkelen Tage: Da surfe ich Mütterblogs in anderen Ländern ab. Denn die Fragen und Erlebnisse gleichen sich immens und man hat das Gefühl: Ich bin nicht alleine. Lest mit wie Sharon in New York ihre Kinder erzieht (Tretroller fahren auf dem Times Square) oder wie Yvonne in Seoul mit ihren Kindern Karneval feiert.

P.P.S.: Sicher wäre alles viel einfacher, wenn ich nicht ständig zwischen meinen Muttergefühlen und dem Wunsch, meine Träume umzusetzen, hin- und herspringen würde. Aber so bin ich halt.