Neulich hat mich meine Freundin Nicola gefragt: „Wie ist das eigentlich genau, wenn man Kinder hat?“ Tja, gute Frage. Da musste ich erst einmal kurz drüber nachdenken. Und dabei ist mir aufgefallen, dass alles, was ich eigentlich antworten wollte, nicht wirklich stimmt.

Das, was Kinder haben bedeutet, kann man nicht an durchwachten Nächten abzählen. Die hatte ich früher auch. Mit Liebhabern, beim Lernen fürs Studium, in Last-Minute-Projekten als Werbetexterin mit engen Deadlines oder weil ich sie durchtanzt und durchfeiert habe.

Es sind auch nicht die Sorgen, die ich mir dauernd mache. Darum, ob die Kinder wegen der Zahnspange ausgelacht werden, wie sie mit der neuen Klassenlehrerin klar kommen oder ob die Halsweh morgen weg sind. Sorgen hatte ich früher auch, in Form von Liebeskummer, unbezahlten Stromrechnungen, Autounfällen, Lateinvokabeln oder Blinddarmentzündungen.

„Dann muss es die Freude sein, die so anders ist“, dachte ich. Ja, natürlich ist es etwas ganz Besonderes, die eigenen Kinder anzuschauen und so viel Liebe zu empfinden wie bei keinem Menschen jemals zuvor – außer bei meinem Mann. Und doch ist da noch ein bisschen mehr, gerade weil die Kleinen so abhängig von einem sind. Trotzdem, so richtig überzeugt war ich nicht. Ich konnte doch meiner Freundin nicht sagen: „Du, man hat ja SO VIEL mehr Freude mit Kindern.“ Denn DAS ist nicht die Antwort auf die Frage „Wie ist es eigentlich genau, wenn man Kinder hat?“

In den letzten Tagen haben wir einen Familien-Kurzurlaub gemacht. Und in diesem Urlaub hat sich die Antwort plötzlich wie von selbst ergeben. Wenn die Kinder aus dem Wasser kommen, durchgefroren und bibbernd – dann habe ich schon ein Handtuch parat, um sie einzumuckeln. Ich plane den Tag so, dass sie nie wirklich Hunger haben – sondern genau dann dampfendes Essen vor ihnen steht, wenn ihr Magen sich das erste Mal meldet. Wenn sie eine Pause brauchen, habe ich Bücher, Malzeug, Nintendo und iPad zur Hand. Und einen trockenen Bademantel. Und einen Apfel. Und einen warmen Früchtetee, nicht zu heiß, sondern Trinktemperatur. Ich kenne nach 3 Minuten am Pool den kürzesten Weg zur Toilette (obwohl noch keiner musste). Und organisiere noch mehr Schwimmnudeln, wenn andere Kinder dazu stoßen und alle gerne zusammen spielen wollen. Wenn meine Tochter Ohrenschmerzen hat, habe ich Otalgan, Otovowen, Nasivin und Nurofen im Anschlag. Dass ich die Dosierung auswendig kenne, versteht sich von selbst. Dass ich weiß, dass der Abendservice im Hotel die Betten aufdecken und mit Wärmflaschen vorheizen soll, auch. Und am nächsten Morgen (nach zu viel Mr. Bean bis nach 22 Uhr) weiß ich, wie man die Stimmung meines Sohnes oben hält, wenn er a) zu früh aufgewacht ist, b) zu wenig geschlafen hat und c) findet, dass es VIEL zu hell im Zimmer ist. Außerdem will er d) fernsehen und wir wollen e) zum Frühstück.

Im American Football gibt es die Defense, die Offense und natürlich den Quarterback. Kinder zu haben ist, als würdest Du ALLE POSITIONEN alleine besetzen. Das ergäbe dann eine völlig neue Position: die Fall-Back-Position. Die, auf die man sich immer und überall verlassen kann weil sie IMMER UND ÜBERALL alles rausholt und alles möglich macht. Für meine Kinder schieße ich alle Tore der Welt, ich renne über Linien, fange Bälle, spiele sie anderen wieder zu, stecke viel ein und teile manchmal aus. Ich werde immer wieder verletzt und stehe immer wieder auf.

Liebe Nicola, jetzt hab ich’s! Kinder zu haben ist, wie ein ganzes Spielfeld alleine zu bespielen. Vor jeder Menge Zuschauern, die darüber urteilen, wie man spielt. Nur dass Mütter keinen Helm und keinen Körperschutz haben. Aber dafür jede Menge Eier.