Wir feiern diesen Freitag unser Sommerfest im Kindergarten. Sicher kennt ihr das, man muss sich dann in Listen eintragen, wo und wie man helfen will. Beim Getränkeausschank oder bei der Station „Flaschen zum Klingen bringen“, bei der Kuchenausgabe oder beim Kartenverkauf. Und wie ihr euch sicher denken könnt, gähnt diese Liste vor Leere.

Ach nein, wartet mal – da stehen ja doch ein paar Namen drauf. VON DEN FÜNF FRAUEN, DIE SOWIESO IMMER HELFEN. Und dann gibt es noch fünf andere, die sich auch noch eintragen werden. Ich könnte Ihre Namen auch für sie hinschreiben, denn ich weiß eh, wer das ist. Denn ich habe sie ja dieses Jahr schon beim Karnevalsdeko schmücken getroffen. Sie leiten die Fördervereinssitzung, backen Martinsgänse, sind im Elternbeirat – die Liste ist endlos.

Komischerweise ist auch die Liste der Eltern recht lang (75 Paare), die in unserem Kindergarten ein- und ausgehen. Die Liste derer, die sich engagieren, aber immer wieder erschreckend kurz. Und genau deshalb erfülle ich heute den Wunsch meiner Leserin Martina. Die wollte nämlich, dass ich mal was zu dem Thema „Ich kann auch anders“ schreibe. Und dafür ist heute wegen der leeren Liste ein ziemlich guter Zeitpunkt.

JAJA, ich weiß. Ihr arbeitet. Und euer Mann auch. Natürlich Vollzeit. Und deshalb gebt ihr eure Kinder in eine Kita. Ihr seid nicht alleinerziehend oder braucht das Geld. Ihr geht arbeiten, um den Anschluss nicht zu verlieren – und verliert dabei oft den Kontakt zu euren Kindern.

Für euch sind wir antiquiert. Zuhause bleiben, obwohl die Kinder „groß“ sind? Zeitverschwendung. Hausmütterchen, Hausfrau, nicht emanzipiert, stehengeblieben. Stimmt, wir sind stehen geblieben – auf der Leiter, als wir an Fasching die Girlande für eure Kinder aufgehängt haben. Hausfrau und Hausmütterchen? Ja, wir kennen Rezepte für die Weihnachtskekse, die wir mit euren Kindern backen. Nicht emanzipiert? Stimmt, wir würden jederzeit alles stehen- und liegenlassen, wenn unser Mann oder unsere Kinder uns brauchen.

Und wenn ich gerade schon dabei bin: Wir haben keine Zeit ÜBER, nur weil wir Zuhause sind oder „nur“ halbtags arbeiten. Wir nehmen sie uns – um unsere Familie glücklich zu machen. Das ist unsere Priorität und eure Kinder sind ganz nebenbei oft die glücklichen Nutznießer. Wenn ich sehe, was ihr alles verpasst, weil ihr nicht da seid, könnte ich heulen. Wie gesagt, ich spreche nicht über Frauen, die arbeiten MÜSSEN – die sind ja meist in der Freizeit extrem engagiert und machen alles möglich. Und alleinerziehende Frauen sind eh meine Superheroes – sie haben den härtesten Job der Welt und sind dabei komplett intrinsisch motiviert.

Ich spreche über die, die denken, dass sie alles haben können. Mann, Kinder, Karriere, Zeit für sich. Meiner Erfahrung nach bleibt dabei immer jemand auf der Strecke. Die Familie, die Ehe, man selbst. Im schlechtesten Fall die Kinder.

Neulich habe ich in einem Blogpost erwähnt, dass ich mit meinen Kindern aufs Erdbeerfeld gehe. Daraufhin schrieb mir eine liebe Leserin ganz ehrlich:

„Was du über eure Nachmittage schreibst, macht mich wehmütig. Ich habe es verpasst, die Nachmittage mit meinen Kindern zu verbringen, als sie noch jung genug waren. Ich habe immer nur gearbeitet und alles andere „auf später“ verschoben. Jetzt ist später und meine Kinder sind groß. Sie haben kein Interesse daran mit mir aufs Erdbeerfeld zu gehen. Ich mache das jetzt alleine. Es ist wie es ist, ich will dir nur sagen: Genieße diese Zeit!“

Liebe Leserin, Danke für Deine offenen Worte und dass Du mich an Deiner Lebenserfahrung teilhaben lässt. Ja, ich genieße die Zeit mit meinen Kindern. Ich mache nicht immer alles richtig und an schlechten Tagen bin ich auch gestresst, weil ich mich fremdbestimmt fühle. Aber was ich jetzt schon sagen kann, ist, dass es sich lohnt. Es lohnt sich, weil meine Kinder zu Menschen werden, die das für ihre Kinder auch machen werden – weil sie es nicht anders kennen.

Sie werden an ihre Kindheit ähnliche Erinnerungen haben, wie ich an meine: duftende Kuchenbleche, nackte Füße auf warmem Gras, zahllose Sommerfeste, wilde Wasserschlachten und eine Mutter, die da ist, wenn man sie braucht. Und die beim Sommerfest von 16:30 bis 17:00 die Kinder schminkt.

In diesem Sinne

Eure Svenja

P.S.: Wer den Post für political incorrect hält, braucht mir gar nicht erst zu schreiben. Er heißt ja nicht umsonst „Ich kann auch anders“. Ein Hoch auf all die Frauen, die im Leben verstanden haben, worum es wirklich geht.

P.P.S.: Wie ich die Frauen finde, die Zuhause sind und trotzdem nie mithelfen, sondern lieber mit ihren Freundinnen Kaffee trinken oder zum Chinesen gehen oder auf der Couch abhängen, muss ich wohl gar nicht erst sagen. Vor allem, wenn sie dann mal vorbeischauen und gucken kommen, wenn wir fertig sind „denn mein Sohn ist ja so begeistert von der bunten Deko.“ Ähem.

P.P.S.: Die 10 € Mitgliedsbeitrag für den Förderverein im Jahr kaufen einen übrigens nicht davon frei, sich zu engagieren.

P.P.P.S.: Ich kann auch anders.