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Vegan for fit rocks

Ich hatte es mir ja schon fast gedacht. Diese vegane Challenge nach Attila Hildmanns Buch Vegan for fit würde mein Leben verändern. Und genau das passiert auch gerade.

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Foto von Melanie von Dekoherz

Ein bisschen fühle ich mich wie letztes Jahr im Frühjahr. Da habe ich quasi „aus Versehen“ eine Art Ayurveda-Kur gemacht. Dabei hatte ich mir eigentlich nur ein Ayurveda Kochbuch gekauft – und das Essen war dann so lecker, dass ich 3 Wochen ausschließlich Rezepte aus diesem Buch gekocht habe. Danach hatte sich meine geschmackliche Wahrnehmung komplett verändert. Ich konnte noch nicht mal mehr meine heißgeliebten Chips essen. Alles schmeckte fettig, falsch und nach Geschmacksverstärkern.

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Auch diesmal ist es ein einziges Kochbuch, das meinen Geschmackssinn und meinen Alltag verändert. Und um das gleich Mal vorweg zu nehmen: am Anfang weiß Gott nicht nur zum Positiven. Versucht ihr doch mal, 30 Lebensmittel einzukaufen, von denen ihr noch nie was gehört habt. Backferment, gepopptes Amaranth, Goji-Beeren oder Agavendicksaft. Oder einfach nur ungezuckerte Cornflakes. Ich weißt jetzt aus Erfahrung: das kann übeles Shop-Hopping zur Folge haben. Und seit halb Deutschland die Vegan for fit Challenge zu machen scheint, sind einstige Ladenhüter wie weißes Mandelmus (weißes WAS?) überall ausverkauft.

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Foto von Sue von HappyIch

Aber was ist nun wirklich passiert in meiner ersten Vegan for fit Woche? Und was hat sich verändert?

Vegan for fit, Woche 1: Die AHA-Momente

1.) Ich habe keinen Hunger. NIE. Attilas Portionen sind mehr als üppig, fast durchgehend. Die Zwischenmahlzeiten (Schokoriegel und Früchtebrot) kann ich gar nicht so schnell essen, wie geplant – vor allem nicht in den Mengen, in denen ich sie vorsichtshalber vorproduziert hatte.

2.) Die Challenge ist nicht das Essen, sondern das Einkaufen und das Kochen. Alles ist neu, von den Nahrungsmitteln bis hin zu den Rezepten. Was mir als geübter Köchin sonst flink von der Hand geht, ist plötzlich ein Kraftakt. In der Küche starre ich permanent ins Vegan for fit Kochbuch und frage mich, was ich als Nächstes tun muss. An dieser Stelle ein kleiner Hinweis für Attila: Wenn man kleine Kinder hat, braucht man STEPS in einem Rezept. Denn die Kinder kommen permanent rein, fragen was und gehen wieder raus. Und dann hilft es wahnsinnig, wenn man zurück zu Schritt 3 kann und nicht wieder einen Rezeptfließtext von Anfang an durchlesen muss.

3.) Tofu kann wie Fleisch schmecken, wenn man es richtig zubereitet. Ich habe ja genau einmal vorher in meinem Leben BEWUSST lecker zubereiteten Tofu gegessen, vor knapp 20 Jahren in einem vegetarischen Restaurant in Trier. Danach war ich frohen Mutes losgezogen und hatte Tofu besorgt, um dann zuhause das, was ich ursprünglich auf den Salat packen wollte, in die Tonne zu schmeißen. Fensterkitt muss besser schmecken. BÄH. Tofu kann aber nicht nur wie Fleisch schmecken, sondern wie fast alles – wenn man Tofu richtig würzt. Und das hat Attila in Vegan for fit mehr als raus.

4.) Die Rezepte in Vegan for fit schmecken mir oft besser als das, was ich sonst so koche. Wie bitte? Muss ich ja fast selbst schlucken, wenn ich das nochmal lese. Aber: es ist so. Ich habe in den letzten Tagen so fantastische Linsengerichte gegessen. Mit Petersilien-Sonnenblumenkern-Limetten-Pesto. Unglaublich, wie das schmeckt. Und Bohnen, köstlichst zubereitet. Quinoa-Salat mit Gemüse, Chili und Frühlingszwiebeln – getoppt mit Sonnenblumenkernen, die in Curry, Olivenöl und Agavendicksaft angebraten werden. Merkt ihr was? Ich schwärme. Und das hat viele Gründe.

5.) Vegan for fit ist keine Challenge. Vegan for fit ist eine vegane Kochschule. Das hat Attila geschickt gemacht. Denn dadurch, dass man 30 Tage lang ausschließlich vegan kocht, bekommt man ein Gefühl und ein Händchen dafür. Man übt, gewöhnt sich dran und entwickelt einen anderen Kochstil. Die neuen Vorlieben und Genüsse, die Vegan for fit mir jetzt schon geschenkt hat, sind unbezahlbar. So schnell so viele neue leckere Gerichte kennenzulernen, ist eigentlich unmöglich.

6.) Attila hat keine Kinder. Sonst hätte er nicht geschrieben: 200 g Tomatenmark. Sondern: 200 g Tomatenmark aus dem Glas. Mütter haben Tuben (oder selten kleine Dosen, aber die schimmeln meist im Kühlschrank vor sich hin, wenn sie einmal offen sind). Und bis man 200 g Tomatenmark aus einer Tube gequetscht hat, brennt der Tofu an.

7.) Alles geht besser in der Gruppe. Was für eine Gruppe? Na die „meinesvenja vegan“ facebook Gruppe die ich extra zu diesem Zweck gegründet habe. Wir sind 462 Menschen, die sich alle dafür interessieren, wie die Vegan for fit Challenge funktioniert. Manche von uns machen sie bereits, manche steigen gerade ein, manche stoßen erst Mitte Juni dazu und manche schauen nur. Dann gibt es noch alte Challenge-Hasen, die uns unglaublich viele Tipps geben und von deren Wissen wir ungemein profitieren. Einige Fotos, die ihr in diesem Blogpost seht, sind von Mitgliedern unserer Gruppe geschossen (und ja, ich weiß die machen Lust auf mehr). Was mich aber jeden Tag von Neuem umhaut, ist die wahnsinnig positive Energie dieser Zufallsgemeinschaft. Jeder unterstützt jeden. Alle Fragen werden beantwortet. Der beste Gemüsehobel, das günstigste Räuchertofu, der erste Durchhänger, Pickel und Kopfschmerzen als Reaktion auf den kalten Entzug von industriell gefertigten Lebensmitteln – glaubt mir, wir lassen nichts aus. Heute Abend haben wir auch mal kurz diskutiert, ob man – wenn man nach 19:00 isst – Sex als Ausgleich haben sollte, um die späte Nahrungsaufnahme wieder wettzumachen. Ja, es geht wild her – weil wir eine geheime Gruppe sind. Denn im öffentlichen Raum wäre das sicher anders.

8.) Es gibt körperliche Reaktionen. Bei der einen reißen die Mundwinkel ein, die nächste kriegt Pickel. Wir nehmen Gerüche intensiver wahr, die Verdauung stellt sich um, manche pupsen. Bei dem einen wird die Haut schuppig, beim anderen feucht. Alles schon dagewesen. Während sich die Migränepatienten Besserung erhoffen, kämpfe ich auch nach einer Woche noch mit Kopfschmerzen. Mein Mann, der Glückliche, hat nichts und fühlt sich, als könnte er Bäume ausreißen.

9.) Nichts ist umsonst. Vegan kochen kommt mir erst wahnsinnig teuer vor. Doch dann begreife ich: ich kaufe weder Fleisch noch Milch, noch Käse noch Eier. Keine Sahne, keine Joghurts. Da fällt so viel weg, dass es gar nicht schlimm ist, an anderer Stelle mehr Geld auszugeben. Aber: ich sammel weiter brav meine Quittungen, damit ich am Ende für euch Kassensturz machen kann. Wir wollen ja genau hinschauen, ob sich die Vegan for fit Challenge lohnt – auf allen Ebenen.

10.) UND WAS HABE ICH ABGENOMMEN? Nichts. Ja genau. Nullkommanichts. Ich bin mit 64,9 eingestartet und hatte heute Morgen 65,0. Nur nochmal zur Erinnerung: Mein Zielwert liegt zwischen 60 und 62 Kilo. Dass ich dem in einer Woche kompletter Sättigung und mit leckerstem Essen null näher gekommen bin – nun, das ist, wie es ist. Was ich aber gerade deshalb total spannend finde: Ich habe gestern eine Jeans angehabt, in die ich seit Jahren nicht mehr passe. Auch wenn ich schlank bin, so gibt es doch, seit ich Kinder bekommen habe, ein paar Stellen an meinem Körper, die sehen einfach nicht mehr aus wie vorher. Da geht nichts mehr weg. Und das, meine Lieben, ist mit Vegan for fit anders. Mein „Fett“ scheint sich in der ersten Woche eher umzuverteilen, als zu schmelzen.

Woran das liegt? Tja. Ich schätze mal, dass meine jahrelange Abhängigkeit und Gewöhnung von und an Zucker, Weißmehl und Alkohol ziemlich viel damit zu tun hat. Denn diese Sachen fallen ja bei Vegan for fit auch weg – im Gegensatz zu normaler veganer Ernährung, wo man sie durchaus zu sich nehmen kann. Welche Rolle die tierischen Produkte dabei spielen, will ich gar nicht so genau wissen. Ich denke an Mastfutter und andere unschöne Sachen – und bin ehrlich gesagt froh, dass ich meinem Körper gerade eine 30-tägige Pause gönne. Bevor ich auf die Waage gestiegen bin, hätte ich wetten können, dass ich mindestens zwei Kilo abgenommen habe. Einfach, weil ich mich so viel besser in meinem Körper fühle. Das Ergebnis ist damit also völlig Ok für mich. Die erste Woche hat sich definitiv total gelohnt.

So meine Lieben, das war mein ehrliches, ungeschöntes Fazit der ersten Woche. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht und hoffe, ihr lest weiter mit. Eins steht jedenfalls jetzt schon fest. In Zukunft werdet ihr hier garantiert auch vegane Rezepte finden – und zwar nicht zu knapp.

In diesem Sinne

Eure Svenja

P.S.: Mein Mann, wegen dem ich die Challenge ja eigentlich mache, hat auch abgenommen. 2,7 Kilo in 7 Tagen. Und: Er fährt das erste Mal seit ich ihn kenne mit dem Fahrrad zur Arbeit. Das will was heißen.

P.P.S.: Hier geht es zu meinem Vegan for fit Fazit der 2. Challengewoche