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Es gibt Dinge, die bleiben einfach, wie sie sind. Zum Beispiel, dass mein Kinder Sonntagmorgens am liebsten Spiegeleier mit Toast (Lissy) und hartgekochtes Ei (ohne das Gelbe) mit Maggi (Ludwig) essen. Dass ihre Eltern gerade vegan leben, interssiert sie in dem Moment nicht die Bohne. Und das ist für mich auch völlig OK. Warum ich euch das schreibe? Weil ihr vielleicht vor ein paar Tagen mein Fazit zur veganen Challenge gelesen habt. Meine australische Leserin Ulli hat mir dazu folgenden Kommentar eingestellt:

„Hmmmmm. Dein letzter Beitrag hat mich nachdenklich gestimmt und durch den Tag begleitet. Mein Fazit ist jedoch, dass das noch nichts für mich ist. Ich sehe auch so viele Dinge, die wir in unserer Welt ändern muessen, können, sollten. Aber das kann für mich auch eine unerträgliche Last werden. Ich kaufe wo ich kann Fleisch aus landfreier Haltung, das Gleiche mit Milch, und Gemüse direkt vom Bauern (ich sag dir, das ist hier in Sydney nicht so einfach). Und als mein Sohn dann vor 3 Jahren eine Arbeit an der Schule über Schokolade machte und wir über Kinderarbeit lernten und dass diese Kinder oft nicht einmal 20 Jahre alt werden wegen der schlechten Bedingungen, haben wir gesagt ‘nur noch Fair Trade’.

Ein Junge der in einem Videoclip interviewt wurde, sagte ‘erklärt den Kindern in der westlichen Welt, dass wenn sie Schokolade essen, essen sie mein Blut.’ Wow, dass sass gleich mittendrin in meinem Herz. Aber das gleiche gilt für Kleidung, Obst, etc.

Als wir die Trockenperiode hatten (9 Jahre lang) hat sich alle 2 Wochen irgendwo in der Gegend ein Bauer umgebracht weil er nicht mehr konnte. Die Tiere verendeten, weil es nirgendwo Wasser gab, und die Saat ging nicht auf, weil der Regen fehlte. Nun kaufe ich nicht mehr viel im Supermarkt, weil die Preise dort zu billig sind (gibt es das?) und der Bauer nicht mehr viel Geld bekommt von seinen Produkten. Ich gehe auf den Farmer’s Market, wenn auch der Supermarkt nebenan ist.

Aber irgendwie merke ich, ich bin nicht der Retter dieser Welt und mache was ich kann. Aber oftmals ist das nicht genug – aber es ist ein Schritt in die Richtung, die ich mir für diese Welt vorstelle. Also, Fazit ist, dass ich das klasse finde, was du machst und ich werde es vielleicht auch irgendwann einmal angehen. Doch noch nicht. Ich schleppe genug Lasten und das ist gut so für jetzt.

Freue mich auf deine veganen Rezepte ;)

Tschau, Ulli aus dem australischen Winter“

Darauf habe ich Ulli geantwortet:

„Ach Ulli, das hast Du alles sehr schön geschrieben. Ich finde: Jeder macht, wie er kann. Toll ist doch mal wieder, dass wir uns hier gegenseitig die Augen öffnen und motivieren, achtsam mit uns, unserem Körper, anderen Menschen und unserer Umwelt umzugehen. Das ist MEIN Hauptanliegen im Leben. Ob wir dabei nun alle beim Veganen landen, ist glaube ich zweitrangig. Wichtig ist, dass die Menschlichkeit und das Miteinander siegt – und da bist Du doch ganz weit vorne! Allerliebste Grüße aus dem verregneten Sommer in den australischen Winter. Deine Svenja“

Doch danach habe ich weiter über Ullis Kommentar nachdenken müssen. Es ist schon seltsam, wie sich Frauen, die sich noch nie getroffen haben und am entgegensetzten Ende der Welt wohnen, gegenseitig zum Grübeln bringen können.

Als ich angefangen habe mit meinem Blog, da wusste ich noch nicht wirklich, wo das alles hinführen soll. Aber eins war mir schon immer klar: Ich möchte mit Menschen eine Gemeinschaft bilden, wo man sich gegenseitig motiviert und inspiriert. Nicht wertet, be- und verureilt und neidet. Was gibt es auch zu beneiden? Jeder von uns hat ein Dach über dem Kopf, die meisten eine Beziehung oder eine Familie, fast alle eine Ausbildung oder einen Beruf.

Jeder von uns sucht seinen kleinen Weg zum Glück. Wir wachsen, lernen dazu und versuchen, unser Leben bewust zu leben. Mal klappt das besser, mal schlechter. Machen wir uns nichts vor: Zeiten, in denen wir uns damit beschäftigen, Erdbeerkonfitüre einzukochen, können so schlecht nicht sein. Auf der anderen Seite habe ich beim Erdbeerkonfitüre einkochen schon einmal fürchterlich geweint, weil ich mich kurz davor mit meinem Mann gestritten hatte.

Was ich sagen will, ist: Wir Frauen können so viel schaffen, bewirken und verändern, wenn wir mit einem positiven Mindset drangehen. Gleichzeitig ein Bewusstsein für unsere Mitmenschen und unsere Umwelt zu entwickeln, ist wunderschön. Aber gleich die ganze Welt zu retten, kann –  wie Ulli ganz richtig sagt – in manchen Phasen auch zu viel sein. Da muss man sich dann auf das beschränken, was gerade zum Durchwurschteln reicht.

Ich wünsche mir, dass mein Blog für euch das ist, was er für mich ist. Ein Ort der Kommunikation, wo man sich austauschen kann, Ideen bekommt und herschenkt. Auch ich habe viele Fragen, auch ich suche immer wieder nach Wegen, die mein Leben noch erfüllender und runder machen. Dieser Blog hat mich gelehrt, dass es Miteinander und Menschlickeit gibt – ungeachtet von Pseudogrenzen wie Ländern, Glaube und Geschlecht.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir miteinander noch ganz ganz viel bewegen werden. Ob wir dabei vegan leben oder nicht – meine Güte, das müssen wir glaube ich nicht so dogmatisch anfassen. Dann nehmt ihr die Rezepte halt als Gemüsebeilage her :-) Wie ich Ulli schon geschrieben habe: Jeder, wie er mag. Und: wenn mir mal wieder nach Fleisch oder Käse ist, lasse ich euch das garantiert wissen.

Mir ist jedenfalls Eines klar geworden. Ich mag das alles nur mit euch zusammen erleben. Ihr seid wirklich eine Wahnsinnsbereicherung für mich.

Eure Svenja