Herdpraemie

Ich stehe oft am Herd. Um ehrlich zu sein: sehr oft. Ob ich was dagegen hätte, dafür eine Herdprämie zu kassieren? Sicherlich nicht. Denn ich finde, dass eine Familie zu versorgen und Kinder großzuziehen mit zu den wichtigsten Dingen gehören, die eine Frau heutzutage für unsere Gesellschaft leisten kann.

Warum? Weil das Internet und die zunehmende Schnelligkeit von Trends, der Wechsel von Werten und das Bewusstsein einer neuen Generation hinsichtlich unserer Umwelt es erfordern, dass wir unsere kleinen Menschlein eng begleiten. Da sind, wenn sie Fragen haben. Raum lassen, wo sie es selbst schaffen. Und Freiheit gewähren, wenn sie den nächsten Schritt Selbständigkeit zu erobern bereit sind.

Wer Kinder hat, weiß: das alles ist eine hochemotionale Angelegenheit. Nichts greift einem mehr ans Herz als die eigenen Kinder. Was so lohnend und wunderschön ist, ist gleichzeitig auch der anstrengendste Job der Welt. Oder anders gesagt: in einem Büro kann man die Tür zu machen. Zuhause eben nicht. Nur richtig, dass es dafür Geld vom Staat gibt, finde ich. Schließlich fördere ich mit meiner wesentlichen Arbeit auch das Gemeinwohl des Staates. Meine Kinder haben Vertrauen, bekommen Liebe und jede Menge individuelle Förderung. Aber es gibt Parteien, die sehen das ganz anders.

Eine Herdprämie ist altmodisch

„Mit dem Betreuungsgeld fällt die Bundesregierung zurück in alte Denkmuster. Anstatt das wirklich Notwendige für den Ausbau der Kinderbetreuung aufzubringen, damit alle Eltern endlich eine Möglichkeit haben, Familie und Beruf zu vereinbaren, will Schwarz-Gelb Mütter finanziell unterstützen, wenn sie zu Hause bleiben. Das Betreuungsgeld ist damit eine „Herdprämie“.“

Die Idee, den Ausbau der Kinderbetreuung voranzutreiben, finde ich generell gut. Wer Kinderbetreuung in Anspruch nehmen möchte, sollte die Gelegenheit dazu haben. Aber jetzt kommt’s:

Eine Herdprämie widerspricht dem Leitbild partnerschaftlicher Arbeitsteilung

„Diese (Herdprämie) widerspricht allen Prinzipien einer modernen Gesellschaft und konterkariert die Familienpolitik der jüngsten Vergangenheit. Das früher noch ehrgeizige Ziel zum Ausbau der Kinderbetreuungsplätze war ein wichtiger Schritt hin zu einer Familienpolitik, die sich am Leitbild einer partnerschaftlichen Arbeitsteilung orientiert – wie sie sich eben viele jüngere Elternpaare wünschen. Eine Geldprämie wie das Betreuungsgeld fällt dahinter wieder zurück.“

Das finde ich schon eher schwierig. Wieso widerspricht die finanzielle Anerkennung von Müttern allen Prinzipien einer modernen Gesellschaft? Ist Mutter werden erwünscht aber Mutter sein eben nicht? Ist modern nur die Frau, die direkt wieder arbeiten geht? Und nicht die, die beim Kind bleibt, weil sie genau das tun möchte? Ist es NICHT MODERN, frei zu wählen, was man mit seinem Leben anfangen möchte? Als Frau oder als Mensch allgemein?

Wo kämen wir denn da hin, wenn uns jetzt Parteien vorschreiben könnten, wie die Emanzipation zu laufen hat? Ich dachte, gerade die WAHLMÖGLICHKEIT sei ein klares Zeichen dafür, dass die Emanzipation wenigstens etwas bewegt hat. Nämlich dass Frauen auch offiziell eine eigene Meinung haben dürfen.

Aber: das habe ich wohl falsch verstanden. Denn es geht noch weiter:

Die Herdprämie erschwert den Wiedereinstieg in den Beruf

„Wir lehnen das Betreuungsgeld entschieden ab, weil es als „Herdprämie“ den Wiedereinstieg in den Beruf erschwert und Kinder von frühkindlicher Förderung fernhält.“

Meine Lieben, mal ganz ehrlich: ihr habt wohl keine Kinder. Wenn man nämlich Kinder hat ist man darauf angewiesen andere Mütter mit kleinen Kindern zu treffen – einfach damit man sich mal wieder unterhalten kann. Die frühkindliche Förderung ergibt sich ganz nebenbei: in Krabbelgruppen, beim Pekip, nachmittags im Spielzimmer mit Nina und Amelie. Dass man dafür mit der Herdprämie Geld erhält, erhöht höchstens noch die Freude an der Förderung – mit neuen Spielzeugen, dem Besuch einer Musikschule und lustigen Ausflügen mit den Kinderwägen zum Tierpark.

Das alles machen Mütter nämlich, wenn sie mit ihren Kindern zuhause sind. Genauso wie das berufstätige Mütter tun. Die lieben ihre Kinder nämlich auch und freuen sich jeden Tag darüber, dass sie sich weiterentwickeln. Denen könnt ihr auch eine Herdprämie zahlen – denn ob ihr es glaubt oder nicht, die können AUCH kochen und MÜSSEN das auch tun, weil ihre Kinder sonst verhungern.

Was ich euch sonst noch sagen möchte? Sätze wie diese hier könnt ihr euch in Zukunft sparen:

Die Herdprämie zementiert alte Rollenmuster

„Das Betreuungsgeld, das Kinder von frühkindlicher Bildung ausschließt, alte Rollenmuster zementiert und den Ausbau der Kitaplätze blockiert, schaffen wir ab. So bekommen alle Kinder eine Chance, ihre Potentiale und Interessen zu entfalten, und so schaffen wir die Voraussetzung für eine wirkliche Vereinbarkeit von Beruf und Eltern-Sein.“

Fast habe ich den Verdacht, dass meine Kinder ihre Potenziale und Interessen nicht entfalten können, weil ich gerne für sie da bin.

Aufwachen alle Mann: die Einzigen, die alte Rollenmuster zementieren, seid ihr. Weil ihr nicht versteht, dass Kinder kriegen und erziehen plus berufstätig sein NIE wirklich vereinbar ist. Dass wir beides gerne machen und in beidem aufgehen, aber uns echt beide Beine und noch ein paar Arme dazu ausreißen, das alles gut hinzukriegen. Dass viele von uns gerne zuhause bleiben und dafür genauso viel Anerkennung verdient haben wie die, die arbeiten gehen. Und vor allem: dass das Wichtigste ist, wie es unseren Kindern dabei geht.

Denn manchmal – unglaublich aber wahr – kriegt man nicht die Kinder, die man sich vorstellt. Sondern die, die einem der liebe Gott vorbeischickt. Und die wollen meistens lieber auf dem Arm ihrer Mutter sein, als bei jemand Fremden. Aber vielleicht macht ihr einfach mal den Test und geht zu einer Mutter mit Kinderwagen und nehmt ihr Kind auf den Arm. Nur vorsichtshalber, damit wir hier bloß keine alte Rollenmuster zementieren. Mal sehen, was dann passiert.

Aber: solange ihr so ein tolles Wahlprogramm aufstellt und euch so viele Gedanken um Familienpolitik macht, mache ich mir keine Sorgen. Das bisschen Haushalt haben wir Frauen ja auch immer gewuppt, da werden wir mit genügend Kitaplätzen das bisschen Beruf ja wohl auch noch hinkriegen.

Try to walk in my shoes.

Eure Svenja