Uwe und Svenja

Es geht ja im Leben von Frauen (und Männern) vor allem um Eines: Wir möchten ein Stück vom Glück. Viele Menschen finden das in einer festen Partnerschaft, mit Kindern und mit einem erfüllenden Beruf.

Mein gestriger Post „Herdprämie, ja bitte“ hat viele von euch auf den Plan gerufen, mit tollen Wortmeldungen. Ich werde es bestimmt nicht schaffen, all eure Fragen zu beantworten. Aber allen, die sich fragen, wie wir das Problem mit den nicht Deutsch sprechenden Migrationskindern lösen können, wo die neuen Kitaplätze herkommen und ob die in der Qualität so sein werden, wie wir uns das wünschen, empfehle ich den Artikel „Bauen wie blöde“ aus dem Spiegel Nr. 29/15.7.2013. Da wird berichtet von der fragwürdigen Qualität vieler Krippen und Kindergärten in Deutschland und den skeptischen Migranten, die dieses Angebot oft lieber nicht annehmen. Ob aus kulturellen Gründen oder weil sie denken, dass ihre Kinder zuhause besser aufgehoben sind, oder beides – das mag ich nicht zu beurteilen. Aber die Zahlen sprechen für sich.

Einige meiner Leserinnen sind engagierte, kraftvolle Erzieherinnen, die mit Herz und Hirn voll im Leben stehen und vollen Einsatz im Beruf zeigen. Ich weiß, dass ihr Dinge seht, die wir nicht sehen. Und ich bin euch dankbar, dass ihr uns manchmal Einblicke in eure Erfahrungen gewährt.

Ich sehe das so: Erziehung – ob inhouse oder ausgelagert – ist SO wichtig, dass es dafür Geld geben muss. Das Gehalt der Erzieherinnen – und by the way: auch der Au Pairs und Tagesmütter – müsste ganz woanders liegen (und ich meine: mindestens verdoppelt werden), so dass die Gesellschaft die Spitzenkräfte nicht mehr ausbeutet und neue motivierte Erzieherinnen nachwachsen können.

Das Problem der Integration kann nicht von Kitas und Kindergärten „erledigt“ werden. Da muss die ganze Gesellschaft ran. In Kanada gibt es Programme wie „Big Brothers Big Sisters of Canada“ wo Kindern Mentoren zur Seite gestellt werden, die als Vorbild dienen und Werte vermitteln. Warum gibt es nicht schon längst ein Programm der Bundesregierung, wo deutsche Frauen Mentoren für Frauen mit Migrationshintergrund sein können? Wir können nur miteinander leben, wenn wir miteinander leben. Eine Planung auf dem Papier hilft da wenig.

Und ja, jetzt kommen wieder Zweifler die sagen: „Aber das wollen die Frauen doch gar nicht.“ Nun, ich habe z.B. einige türkische Leserinnen, die moderner sind, als wir alle zusammen. Ehrlich gesagt: ich glaube wir brauchen da einen Grundoptimismus und die Bereitschaft, Dinge auszuprobieren, aufeinander zuzugehen und herzlich miteinander umzugehen. Darum geht es doch im Leben: um das Miteinander.

Apropos Miteinander: Kinder bekommt man ja nicht allein, sondern mit einem Partner. Und da Kinder ja im besten Fall dadurch entstehen, dass zwei sich lieben und Kinder miteinander möchten, wäre es doch toll, wenn das auch so bliebe. Bei dieser ganzen Debatte um Herdprämie und Wiedereinstieg in den Beruf vergessen wir gerne, dass Emanzipation in erster Linie bedeutet, dass die Frau endlich wählen können sollte, was sie glücklich macht. Was für ihre Familie wann und wie das Beste ist. Oder um meine Leserin Sonja zu zitieren:

„Wann wieder einsteigen? Wie ist das Kind? Gesund?? Wie geht es mir postnatal? Was will der Arbeitgeber? Reicht es, wenn nur der Mann verdient? Wer nimmt wann Erziehungsurlaub? Das Wort “Herdprämie” finde ich GANZ scheußlich!! Wie gern war und bin ich Versorgerin für meine 4 Männer, und wie sehr liebe ich meinen Job als Marketingleiterin!! Die Aufgabe der Politik ist es einzig & allein uns den Dehnungsschmerz bei diesem Spagat zu nehmen oder zumindest zu erleichtern! Und dafür zu sorgen, dass weder eine Vollzeitmami noch eine sog. Karrierefrau gesellschaftlich verurteilt wird!!!“

Stimmt. Aber eins möchte ich noch ergänzen.

Wenn Frauen in einer Partnerschaft mit Kindern sind, geht es nie nur darum, was sie alleine glücklich macht. Frauen waren und sind für immer und alle Zeiten der Motor einer Familie. Wir denken im „Wir“, selten im „Ich-Modus“.

Das ist konservativ? Ich glaube es ist eher realistisch. Ich weiß nicht, wie das in eurer Ehe so ist, aber ich habe festgestellt: zum Glück braucht es Nähe – und Nähe kann ich nur zulassen, wenn ich auch mal Zeit für mich habe und entspannt bin. Wenn ich direkt nach der Geburt schon wieder im Kostümchen hätte losrennen müssen, hätte mich das überfordert. Hut ab, vor allen, die das hinkriegen. Und schade, dass der Staat vielen Frauen da keine Wahl lässt. Denn alle, die eine Herdprämie bekommen, wissen, dass das ein Tropfen auf den heißen Stein ist, aber nichts, was ein Gehalt ersetzt.

Ich finde: der Staat dürfte schon anerkennen, was Frauen alles stemmen. Und wenn er das täte, müsste es eigentlich sein Hauptanliegen sein, diese Frauen glücklich zu machen – in dem er ihnen WIRKLICHE Wahlmöglichkeiten bietet – und nicht Hauruck-Kitaplätze. Mein Mann sagt immer „Happy wife, happy life“. Ein Motto, was sich Deutschland ruhig mal auf die Fahnen schreiben könnte.

Eure Svenja

P.S.: Und während die Politik rumhampelt und Betreuunsggelder als Herdprämien betitelt, um Wähler auf ihre Seite zu bringen, mache ich das, was ich seit 10 Jahren mache, um glücklich zu sein. Für meine Kinder da sein, arbeiten und mit meinem Mann schlafen. Das machen übrigens auch fast alle anderen Frauen, die ich kenne: ihr Leben alleine im Griff haben, weil es nur so funktioniert.