Ihr Lieben,

diese Woche war einfach toll. Bis auf Dienstag, denn da hatte ich ein Tief. Oft schreibe ich dann darüber, aber diesmal war es was ganz Persönliches. Alles fühlte sich falsch an. Ich kriegte meine Gedanken nicht sortiert. Meine Gefühle nicht auf die Tastatur. Fühlte mich, als würden nicht nur zwei Herzen in meiner Brust schlagen, sondern so unendlich viele Sehnsüchte, dass mir ganz schwindelig war. Und das, obwohl ich mein Leben liebe. Wunderbare Menschen um mich habe und fast ausschließlich spannende Sachen machen darf.

Solche Tage habe ich ganz selten – aber wenn ich sie habe, dann treffen sie mich mit aller Wucht. Und dann brauche ich Kraft. Etwas, was mich von innen stärkt. Und das kann nur eine richtig gute Geschichte. Also habe ich mich auf die Suche gemacht und genau diese Geschichte gefunden. Ich möchte sie euch in drei Videos erzählen. Drei deshalb, weil die Videos eine Entwicklung zeigen und das dritte mir auch beim 15. Mal noch Gänsehaut am ganzen Körper macht – aber nur, weil ich die ersten beiden gesehen habe.

Ich liebe Geschichten von Menschen, die zu ihrer Berufung finden und sich endlich trauen, die auch zu leben. Weil ich weiß, wie gut das tut und weil auch ich mich da auf einem noch laaaaaangen Weg befinde. So ist es halt: es spricht einen immer das an, was einen selbst beschäftigt.

Das hier ist die Geschichte von Andrea Faustini, einem Kandidaten der aktuellen X Factor Staffel in Großbritannien.

Als Andrea zur ersten Audition kommt, trägt er einen unsäglichen Mops-Pulli und sein ganzes Auftreten lässt mich ahnen: das wird nix. Viel zu hyper, der Junge. Viel zu kurz, die Jeans. Und irgendwie wirkt er ein bisschen durch den Wind. Auch die Jury weiß genau was jetzt kommt und rollt die Augen. Bis Andrea anfängt, zu singen. (Leute, schaut euch das an und bleibt dran. Denn wie Andrea sich über den Lauf dieser drei Videos entwickelt ist unglaublich. Ich möchte wirklich, dass ihr das erlebt. Schließlich gibt es nicht viele Sänger, die es schaffen, dass die gesamte weibliche Jury bei jedem Vortrag Tränen in den Augen hat.)

Ich stand unter Schock. Wie konnte sich Andrea innerhalb von Sekunden von einem Mopsliebhaber in einen Mann voller Soul verwandeln? Aber das war ja erst der Anfang. Denn dann kam sein erster Auftrit vor dem großen Publikum. Und bei dem bemerkte Andrea das erste Mal in seinem Leben, was er mit seiner Stimme in einem Raum voller Menschen bewirken kann.

Oh Mann. Wie wunderschön zu sehen, wie jemand einen Durchbruch vor laufender Kamera hat. Und wie das nicht nur er selbst fühlt, sondern auch seine Eltern, die Jury und der ganze verdammte Saal voller Menschen. Wie er auf eine nerdige Art sogar fast sexy wird, sich den Arm in die Seite stemmt und die Hüfte rausstreckt. Die Musik nicht nur mit seiner Stimme sondern auch mit seinem Körper ausdrückt. Und dabei einfach so volle Kanne authentisch ist. Mehr Liebe in einem Raum gibt es wohl kaum. Dachte ich.

Denn dann kam Andreas dritter Auftritt (und nur damit das nachher nicht unter den Tisch fällt: ich wette, dass er die Staffel gewinnt). Diesmal können alle sehen: in der Zwischenzeit hat Andrea nicht nur erlebt, sondern auch begriffen, was er kann. Und viel wichtiger: Wer er wirklich ist. Etwas Kraftvolleres als diese Verwandlung habe ich selten gesehen. Und dieses dritte Video war das, was mich an meinem schlechten Tag wieder heil machte. Alles geht, für jeden von uns. Wir müssen nur leben, was unser Herz uns jeden Tag so laut und deutlich sagt.

In diesem Sinne – ran an das, was ihr seid.

Eure Svenja