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Gleich mal vorweg. Ich bin nicht unzufrieden. Ganz im Gegenteil.

Ich liege auf einer Decke in meinem Garten und lese die neue brandeins. Erst einen spannenden Artikel zum Thema familiengeführte Unternehmen und die Übergabe an die nächste Generation (am Beispiel des Europaparks Rust). Danach ein Stück über einen unzufriedenen Journalisten, der viele Texte nur schreibt, um Geld zu verdienen. Und weil ihn das nervt, geht er zu einem Coach. Schließlich muss das Leben ja irgendwie mehr hergeben, als Gebrauchstexte zu schreiben, die das Herz nicht berühren und dann auch nur gerade so den Lebensunterhalt decken.

„Mei“, denke ich, „warum schreibt er denn nicht einfach einen Blog?“ Tut er aber schon. Aha. Das interessiert mich jetzt doch.

Eine der ersten Fragen, die ihm der Coach stellt, ist: „Was müssten sie tun, um noch unzufriedener zu sein?“ Und über diese Frage stolpere ich so dermaßen, dass es mich fast hinschmeißt, obwohl ich doch eh schon liege. Ihr erinnert euch, dass ich vor ein paar Tagen geschrieben habe, wie anstrengend ich die challengeorientierte Selbstoptimierung gerade finde und dass ich mich mehr nach dem Flow ausrichte.

Dabei stört mich an der Selbstoptimierung nicht, dass sie eigentlich Gutes für mich tut. Ich liebe es ja, mich zu bewegen und so zu essen, dass mein Körper alles bekommt, was er braucht. Kreativ zu sein und regelmäßig in die Natur zu gehen. Yoga zu machen. Und Pausen. Aber bis jetzt habe ich das, was mir gut tut, immer herausgefiltert, indem ich mich gefragt habe: Was würde mir gut tun?

Die Frage umzudrehen und zu sagen „Was würde mich noch unzufriedener machen?“ setzt einen anderen Fokus – auf die Dinge, die man weglassen sollte, weil sie einem nicht gut tun.

Ein bisschen so wie meine Freundin Sandra, die diese Woche vorschlug, den Gartentisch in den Garten unter den Schatten der Bäume zu stellen.

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Weg von der Terrasse, wo wir eh nie an ihm sitzen, weil immer noch der neue, große Sonnenschirm fehlt. Und Tadahhhhh! – hielt ein ganz neues Lebensgefühl Einzug. (Kann das Leben so einfach sein? Es kann!)

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Jetzt könnte ich es mir auch einfach machen und immer das spiegelverkehrte Gegenteil von dem aufschreiben, was mich zufrieden macht. Demnach wäre ich unzufriedener, wenn ich nicht clean esse, wenig Sport treibe, nicht kreativ bin und so weiter. Aber das waren nicht die Dinge, die mir sofort in den Sinn kamen. Anstattdessen eher Gedanken wie:

Ich wäre unzufriedener, wenn ich weiter Zeit mit Menschen verbringe, die lieber nehmen, anstatt zu geben. Wenn ich mich weiter selbst sabotiere. Wenn ich mich noch mehr darüber definiere, was ich leiste und wie gut ich bin. Wenn ich noch weniger alle Fünfe gerade sein lasse. Noch mehr in meinen Tag packe. Tue, was andere von mir erwarten.

AHA. That got me thinking.

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Aber: Das waren ja nicht die einzig guten Fragen in dem Artikel. Weiter ging es mit:

Worauf sind sie stolz? Wofür können sie andere begeistern? Angenommen das Problem, das sie hergeführt hat, wäre gelöst, was stände dann an?

Alles Fragen, mit denen ich euch mal ins Wochenende schicken möchte. Vor allem nachdem ich ja nun fünf Tage mein Flow-Chart geführt habe. Also alle Tätigkeiten aufgeschrieben habe, bei denen ich diese Woche in den Flow gekommen bin. Manche dieser Dinge habe ich mehrmals gemacht (z.B. Posts schreiben und das Buch nach vorne bringen – und war jedesmal im Flow). Meine Notizen sprechen eine ziemlich deutliche Sprache:

– In einer Soße rühren

– Einen Blogpost schreiben

– Das Buch schreiben

– Zwei Texte von anderen Autoren redigieren

– Im Garten an einem Tisch mitten auf dem Rasen sitzen

– Im Garten an einem Tisch mitten auf dem Rasen sitzen

In diesem Sinne

Eure Svenja