Manche Posts kommen zu mir wie ein Schmetterling, der sich im Garten auf meine Hand setzt. Ich kann nichts dafür tun, dass es passiert. Und nichts dagegen.

Genau so war es heute Morgen, und dass wo ich EINMAL später aufgestanden bin. Aber kaum hatte ich zwei Mails von euch gelesen, wusste ich sofort, worüber ich heute schreiben möchte. Während ich also meine Kinder für die Schule fertiggemacht habe, fühlte ich mich so, als wäre ich unter Wasser. Mit angehaltenem Atem habe ich mich möglichst wenig bewegt, um ja keinen Gedanken zu vergessen, den ich euch mit auf den Weg geben möchte.

Denn heute geht es um alles. Um eure Freiheit.

Im Storytelling heißt es „Show, don’t tell“. Deshalb gehe ich mit gutem Beispiel voran.

Ich habe mich vorgestern befreit. Von etwas, das mir am Herzen lag und liegt, aber das für mich gerade nicht mehr funktioniert. Schaut euch um: Es gibt ihn nicht mehr, den Menüpunkt „Erfolgreich bloggen“. Denn ich habe mit Jutta von der RTL Journalistenschule telefoniert und ihr erklärt, warum ich Bloggen in diesem Format im Moment nicht mehr unterrichten möchte. Das hat genau zwei Gründe.

a) Kann ich bei der Geschwindigkeit, in der sich soziale Medien und das Bloggen weiterentwickeln, meine Inhalte für Anfänger einfach nicht mehr in zwei Tage packen, sondern bräuchte vier.

b) Unterrichte ich gerade viel im B2B Bereich und fühle mich da sehr wohl.

Danke Jutta für Deinen Satz „Coole Entscheidung von Dir mal wieder“. Mit Menschen wie Dir zu arbeiten, die mich verstehen, ist ein wahnsinniges Geschenk.

Aber was hat das jetzt mit euren Mails und der Freiheit an sich zu tun? Tja, das ist im Grunde genommen ganz einfach. In euren Mails geht es um „Ich bin in einer Situation, die sich nicht gut anfühlt im Bauch, weiß aber nicht, was ich tun soll.“

Das sind Situationen wie „Ich bin seit Jahren in einer lieblosen Beziehung mit einem Mann, mit dem ich x Kinder habe. Bin aber in einen anderen Mann verliebt, der auch mit mir zusammen sein will.“ „Ich brenne für meinen Job, aber oft ist er mir zu viel und die Erfolge sind sehr mäßig und ich habe sogar schon nach einem anderen Job geschaut.“

Also zum einen: Ich bin keine Ferndiagnostikerin. Ich weiß nicht, wie sich eure Situationen objektiv darstellen und ob da noch ganz andere Faktoren reinspielen. ABER was ich durchaus herauslesen kann ist: Euer Bauchgefühl gibt euch ganz deutliche Signale, dass etwas nicht stimmt.

Ihr habt irgendwann einen Weg eingeschlagen, auf dem ihr euch jetzt nicht mehr frei fühlt. Nun hat jede Ehe und jede Beziehung mal schlappe Phasen. Jeder Beruf auch Routinearbeiten, die einfach dazugehören. Sobald ihr eure Gefühle aber nicht mehr in die Kategorie „comes with the package“ einsortieren könnt, sondern euch eng in der Brust oder im Herzen fühlt. Sobald ihr nicht mehr ihr selbst seid, ins Kopfkissen heult und das eindeutige Gefühl habt, auf dem falschen Weg zu sein. Sobald das passiert, solltet ihr euch etwas eingestehen.

Ihr seid irgendwo falsch abgebogen und habt jetzt mit Fleiß und Disziplin und alten Glaubenssätzen an dieser Entscheidung festgehalten.

Schließlich wollt ihr durchhalten und was aufbauen und keinen enttäuschen und es echt hinbekommen. Das Problem ist nur: In Gefangenschaft könnt ihr euch nicht entwickeln.

Ich kann so genau in Worte fassen, wie ihr euch fühlt, weil ich das selbst so lange erlebt habe. Ich habe meinen Blog geliebt – so wie er war. Immerhin habe ICH ihn ja erfunden, weiterentwickelt und jeden Tag mit Worten gefüttert. Aber dann hat meinesvenja eine Eigendynamik entwickelt. Es hat sich eine Tür nach der anderen geöffnet. Fernsehen, Bücher, viele Leser, der ganze Zirkus. Nur ich, ich bin irgendwie nicht mitgegangen.

Ich weiß noch genau, wie ich vor meiner Vertragsunterschrift bei meinem Verlag mit meiner Freundin Daniela spazieren ging und eigentlich klar war, dass ich den Vertrag nicht unterschreiben kann. Ich meine HEI, das war im Sommer 2012. So lange weiß ich schon, dass ich mit meinem Herzen nicht vollkommen dabei bin.

Aber wenn sich eine Möglichkeit nach der anderen bietet für Dinge, die nur wenige Menschen je erleben und man sich immer denkt: „Hei, was bin ich für ein Glückspilz. Das muss der richtige Weg sein.“ Und Dir auch von außen signalisiert wird: „Wahnsinn, was Du für einen Erfolg hast.“ Dann ist es nicht ganz so einfach, das leise, nagende Bauchgefühl wahrzunehmen.

Eine Sache habe ich damals nicht verstanden – und deshalb möchte ich sie euch heute als Gedanken mit auf den Weg geben.

Ich dachte, dass wenn sich außergewöhnliche Chancen präsentieren, genau DAS die berühmten Türen sein müssen, die sich öffnen. Deshalb habe ich die Chancen ergriffen und war vermeintlich auf meinem Weg.

Die Wahrheit ist aber, dass nicht Chancen und Gelegenheiten der Weg zum guten Bauchgefühl sind. Es sind die Türen, die sich nach INNEN öffnen, die wichtig sind.

Wenn ich euch heute schreibe, habe ich das Gefühl, dass ich aufatme. Ich habe das Gefühl von maximaler Lebendigkeit. Ich zeige euch Svenja, den Menschen. Ohne Filter, ohne Basteltipp, ohne Kochrezept.

Jetzt verstehe ich, dass keine der tollen Chancen mir die Chance gegeben hat, mir selbst näher zu sein. Die Tür hat sich nur nach außen geöffnet, nicht nach innen. Und ich habe mich langsam und stetig immer weiter von mir selbst entfernt.

Das ist das Problem mit dem falsch Abbiegen.

Freiheit

Erst kann man sich noch umschauen. Sieht noch den anderen Weg, den man hätte gehen können. Aber je länger man auf dem falschen Weg einen Fuß vor den anderen setzt, desto deutlicher meldet sich das Bauchgefühl.

Die Dinge fühlen sich falscher und falscher an. Und man selbst ist irgendwie weit weg von sich selbst und verloren.

Wenn ihr mich also in euren Mails immer wieder fragt „Was soll ich jetzt tun?“ habe ich nur einen Ratschlag. Macht das Beste aus euch.

Öffnet ganz viele Türen nach innen, so dass ihr das Gefühl habt, dass ihr mit EUCH durchs Leben geht.

Nicht mit einer unglücklichen, abgehetzten und kleingemachten Version von euch und euren Träumen. Kein Wunder, dass die euch nicht gefällt.

Aber: PLANT diese Schritte zu euch zurück! Ich weiß, manchmal muss man auch Hau-Ruck ein Pflaster abziehen. Aber wenn ihr eine Familie habt, wenn Kinder betroffen sind oder wenn es um die finanzielle Existenz geht, dann ist das nicht klug. Dann müsst ihr reden und Pläne schmieden. Im Kontakt mit anderen schauen, wie ihr das Leben so um- oder zurückbauen könnt, dass es für euch wieder passt.

Denn es geht nicht darum, das eigene Bauchgefühl mit egoistischen Entscheidungen kurzfristig aufzupeppen. Es geht darum Türen nach innen zu öffnen, mit denen ihr euch langfristig wohlfühlt. Die euch näher an die beste Version von euch selbst heranführen. Denn die kennenzulernen, ist das größte  Geschenk, das ihr euch und der Welt machen könnt.

Also.

Steht auf. Geht los. Fangt an zu rennen. Öffnet die Arme. Schaut euch um. Und seid bereit dafür, dass euer Leben wunderschön ist.

In diesem Sinne

Eure Svenja