Wir sind Viele

Meine Lieben,

erst einmal vielen Dank für eure Reaktionen gestern. Ich habe den Blogpost zwar ein paar Mal durchgelesen, bevor ich ihn gepostet habe, aber mir wurde immer klarer, dass das einfach mal raus muss. Und wie ich sehe, bin ich nicht die Einzige, die dieses Thema nervt. Das hat gut getan. Weil ihr so zahlreich geschrieben habt und ich der fb-Beiträge, e-Mails und Kommentare kaum Herr wurde, hier noch einmal eine Ergänzung.

Was ihr hier auf meinem Blog lest ist meine subjektive Einschätzung von Situationen. ICH kenne keine Mutter, die Vollzeit arbeitet (obwohl sie nicht muss und ihre Kinder noch richtig klein sind) und die dabei noch eine entspannte Mutter ist und alles auf die Reihe kriegt. So ist das nun Mal. Ich würde euch ja gerne was Anderes erzählen. Ich hätte es ehrlich gesagt auch gerne anders, denn dann müsste ich nicht deren Kinder mit glücklich machen, weil mir unglückliche Kinder einfach das Herz brechen. Und ja, das Thema “Wer trägt sich in Listen ein” betrifft alle, nicht nur berufstätige Frauen. Auch Männer und Frauen die zuhause sind.

Also habe ich gestern nicht nur diesen Blogpost geschrieben, sondern auch einen Brief an alle Eltern in meinem Kindergarten – nicht anklagend, sondern motivierend, nicht böse, sondern auf das Gemeinschaftsgefühl setzend. Und wisst ihr, was passiert ist: FAST NICHTS. Genau 2 Mütter haben sich (daraufhin???) in die Listen eingetragen – wobei das auch wieder die Sorte war, die eh immer mithilft, also war das Timing wahrscheinlich nur Zufall. Wen es interessiert – hier ist mein Brief:

 

 

Ehrlich gesagt: ich bin sehr froh, dass ich gestern gemerkt habe, dass ich (und die paar Frauen mit denen ich offen über solche Themen rede) mit unserer Wahrnehmung nicht alleine sind. Wenn einzelne Leserinnen nun aber das Gefühl haben: “Da kenne ich ganz andere Beispiele” ist das für mich total OK, denn ich bin mir sicher, die gibt es. München ist nicht der Nabel der Welt und meine Gemeinde in Johanneskirchen auch nicht. Aber in meinem direkten Lebensumfeld steht kaum eine Mutter, die Vollzeit arbeitet, mal mit beim Plätzchen backen im Kindergarten. Muss ja auch nicht – aber dann kann man ja direkt auf dem Sommerfest, wo man eh da ist, helfen. Oder sich abends auf den Elternbeiratssitzungen engagieren. Oder Kuchen backen anstatt wieder nur Brezel zu kaufen. Oder IRGENDWAS. Ich für meinen Teil wünschte, ich wäre umgeben von den vielen Leserinnen, die mir gestern geschrieben haben, dass sie auch die “Deppen” auf der Liste sind – wir würden was reißen Mädels, ich sag’s euch.

Und während gestern hier alle Mails eintrudelten und ich die Kommentarfunktion auf dem Blog deshalb eröffnet habe (Tadaaahhhh, war wohl lange überfällig) hatte ich das Gefühl, dass wir wirklich was ändern können. Wenn wir an unseren Idealen festhalten und darüber reden und schreiben und uns austauschen ist das doch wohl ein Spitzenanfang. Viele haben mir geschrieben, dass sie bei leeren Listen alle Eltern DIREKT ansprechen – mit Massenmails und Listen sei heutzutage nichts mehr zu bewegen. Oder meine Leserin Vero (Warst Du das? Ich finde die Mail nicht mehr!), die mir verriet, dass sie JEDEN Namen der Eltern ausdrucken und auf eine Pinnwand pinnen – und man kann den Zettel dann dahin auf der Liste stecken, wo man sich engagieren will – und sonst bleibt er eben auf der Seite derer, die nicht mithelfen. Erst dachte ich “KRASS” – und dann: Gute Idee eigentlich.

Einige haben mir auch böse Mails geschrieben oder mich beleidigt. Nur dass ihr Bescheid wisst – ich veröffentliche hier jeden Kommentar, antworte aber nicht unbedingt darauf. Einige haben mich nachdenklich gemacht, andere fand ich frech. Aber ich kann Dinge ganz gut stehen lassen und möchte auch nicht jeden bekehren. Warum auch?

Jedenfalls habt ihr mich mit all euren Ideen und Beiträgen gestern total geflasht und ich habe überlegt wann ich das letzte Mal das Gefühl hatte, dass es so viele (überwiegend) positive Menschen auf unserem Planeten gibt. Kann ich euch sagen – als ich das neue Video von Matt angeschaut habe – das von “Wherethehellismatt?”. Wer seine Geschichte nicht kennt: Matt war ein Programmierer von Videospielen in L.A.. Er war zu dick, fuhr morgens mit dem Auto ins Büro, aß zu viel, bewegte sich nicht, fuhr mit dem Auto zurück und saß dann zuhause rum bis er ins Bett ging. Tagein tagaus.

Und dann hat Matt gekündigt und ist um die Welt gereist – mit ein bisschem Erspartem in der Tasche. Und ein Freund kam auf die Idee, dass Matt vor Sehenswürdigkeiten seinen lustigen “Tanz” aufführen solle – sein Markenzeichen, denn Matt war ein Spaßvogel. Der Freund hat den Tanz dann gefilmt. Dieses Video wurde 2005 ein Erfolg und ging um die Welt.

Das nächste Video drehte Matt 2006 bereits mit finanzieller Unterstützung eines Sponsors und das dritte drehte er 2008 mit ganz vielen Menschen, die er einlud, mit ihm zu tanzen. Ja und vor einer Woche hat Matt das vierte Video gepostet. Es zeigt, was man bewegen kann, wenn man tut, woran man glaubt. Und wie viele Menschen Lust haben, mitzumachen, wenn das bedeutet, das man einfach Spaß zusammen haben kann.

Deshalb poste ich heute dieses Video für euch – ich möchte dass ihr es auf Vollbild stellt und die Musik laut aufdreht und es einfach auf euch wirken lasst. Denn an so Tagen wie gestern, da ist schreiben wie tanzen. Ich merke, dass wir gemeinsam ganz viel Gutes bewegen, uns gegenseitig positiv pushen und stärken – und ich merke, dass wir aufeinander zählen können. Dafür einmal mehr und aus tiefstem Herzen: DANKE.

And now: ENJOY. Let’s hear it for the children.

Eure Svenja

P.S.: Und nächste Woche schreibe ich mal auf, was ich über den Ausbau der Kindertagesplätze denke und warum die Bundesregierung leider genau die falschen Signale für ein gesundes Deutschland setzt. DAS wird erst lustig.

8 Kommentare

  1. Liebe Svenja,

    warum habe ich dich nicht schon vorher im Netz gefunden? Das hätte mir viele Nächte erspart, in denen ich grübelnd wach gelegen habe und mich immer wieder gefragt habe “Ist meine Ansicht, dass ein geborgenes Elternhaus und die Liebe und Aufmerksamkeit einer Familie für ein Kind so wichtig sind, falsch? Warum gibt es nicht mehr Frauen wie mich? Wo sind die hin?”
    Mein jüngster Sohn geht in die erste Klasse. Er und sein Freund sind die beiden einzigen Kinder, die nach der Schule nach Hause kommen. Hier wartet eine kleine Mahlzeit auf ihn (bei uns wird erst am Nachmittag richtig gegessen, wenn Mann und die anderen beiden Söhne zu Hause sind) und eine Mutter, die zuhört. Die fragt, wie sein Tag war, die ihn lobt, weil er der Rechenkönig des Tages gewesen ist.
    Alle anderen Kinder gehen in den Hort und bleiben da oft bis abends. In der ersten Klasse! Und was ich am schlimmsten finde, ist, die Mütter finden das überhaupt nicht tragisch. Die rühmen sich auf Elternabenden damit, welches Kind am längsten betreut wird (“Meine Lena bleibt bis 17.30!” “Das ist ja noch gar nichts, Pascal ist erst um 18.45 Uhr zu Hause!”). Sorry, aber da stellen sich mir die Nackenhaare hoch. Natürlich gibt es immer Lebenslagen, in denen man oft keine richtige Wahl hat. Aber es gibt auch genug von denen, die du beschreibst, die nicht arbeiten müssen, sondern es wollen, sei es wegen der Karriere oder dem eigenen Ego zuliebe. Ich verurteile wirklich niemanden, denn ich möchte mir auch das Recht herausnehmen dürfen, so zu leben, wie ich möchte, aber nicht auf Kosten meines Kindes. Das Glück meines Lebens besteht darin, mit meinen Kindern im Park auf einer Decke zu liegen, die Wolken anzusehen (“Guck mal, die Wolke da sieht aus wie ein Dino!”) und zu wissen, dass meine Kinder glücklich sind, weil sie wissen, dass ich jede Minute mit ihnen genieße (ja, auch die Minuten, in denen mir der Geduldsfaden reißt!).

    Liebe Grüße
    Michi

    PS: Auf den Post bezüglich des Ausbaus der Kitas bin ich auch schon sehr gespannt. ;))

  2. Ich möchte mich mal kurz als vollzeitarbeitende Mutter outen, die sich trotzdem engagiert. Anscheinend ist vollzeitarbeitende Mutter nicht der Trend :( Anfangs musste ich, da ich mehr Geld als mein Mann verdiente, jetzt will ich das es mir Spass macht !
    Ich arbeite in der IT und habe das Glück, wenn keine Kundenbesuche anstehen immer von zu Hause arbeiten zu können. Habe 2 Töchter im Alter von 3 und 8 Jahren, und engagiere mich im Elternbeirat in der Schule und habe mich zum Verkaufen und Abbauen im Sommerfest eingetragen .

    Mein Tagesablauf:
    Aufstehen: 6.30 Uhr, Frühstück machen, grosse Tochter geht um 7.30 Uhr ausser Haus, Kleine fertig machen und in Kindergarten bringen (Fussweg 5 min hin und zurück)
    8.30 -16.00 Uhr Arbeit von zu hause, einmal in der Woche auch bis 17.00 Uhr , dann intensive Zeit mit meinen Kindern bis 19.00 Uhr (bin aufm Spielplatz, diejenige, die aktiv mitspielt) Abendessen gibt es nur “Brotzeit, Spielen, zum Bett ferig machen ins Bett)… 20.30 Uhr bis 21.30 kleines Kraftworkout ..meist 20 min, dann oft noch 1-2 Stunden Arbeiten oder beim Lesen entspannen .

    ..Ja das kann ich so machen, da mein Mann oft unterwegs ist, wenn er da ist delegiere ich die Sachen gerne und gehe auch zum Sport mit anderen Leuten oder treffe mich mal mit Freundinnen, und verbringe etwas Zeit mit meinem Mann:) …
    Geb zu Kuchen backen ist nicht meine Stärke, die gibt es meist nur zu wirklich besonderd guten Anlässen Und im Kochen ist mein Mann der Meister, wenn der dann am Wochenende kocht,macht er das so, das sich meine Kinder immer freudestrahlend als AssistenzKöche melden :)
    Ja richtig hab natürlich die Arbeiten delegiert, die ich nicht so gerne mache, 3 X in der Woche kommt eine “Putzfrau” die Wäsche macht und putzt …..

    So muss jetz los -etwas früher Mittagspause – auf eine Vernissage über eine Kinderhortausstellung, bei der meine Grosse heute Flöte spielt :)

  3. Hallo Svenja,
    danke für deine ausführliche Antwort auf all die Likes und Kommentare deines Posts. Der Brief an die Eltern hätte auch von mir sein können. Es bewegt einen etwas, man “spricht” es aus – letztlich doch zum Wohl deren Kinder – und kassiert dafür was? Kopfschütteln, Achselzucken, Ignoranz und Tuscheln hinter vorgehaltener Hand. Trotzdem findet man immer wieder den Mut, es TROTZDEM rauszulassen. Auch die Kinder sind doch stolz, wenn die Mama beim Schulkiosk hilft, wenn Mamas Kuchen am Buffet steht (und DER wird von meinen Kindern zu allererst gegessen) oder Papa hilft, das Spielgerüst mit aufzubauen. Warum hört uns keiner?? Sehr gut der Ausdruck von dir “die anderen Kinder mit glücklich zu machen” – so kommt man sich in der Tat oft vor und wird dann noch von den Karrierefrauen belächelt, dass man sich beruflich nicht weiterentwickelt / verwirklicht. Meine Verwirklichung sehe ich auch im Glück meiner Kinder, das wiederum macht mich glücklich und ZUFRIEDEN! Hau’ weiter auf den Tisch Svenja!!! Schön auch, dass diese Mütter, die sich von deinem Blog angegriffen fühlten, Zeit für Facebook haben und auch noch die Zeit, freche Emails zu schreiben. Wären sie doch in der Zeit mal besser mit ihren Kindern auf Erdbeerfeld gegangen und hätten ihren Kindern gezeigt, dass Marmelade nicht im Supermarkt wächst… Da hätten sie etwas lernen können und ihren Kindern einen zauberhaften Tag geschenkt!

  4. DANKE!!!
    Heute war ein schöner Tag! Und das auch weil ich durch Deinen Post gestern beflügelt war.
    Ich habe heute meine Meinung LAUT UND DEUTLICH gesagt, war spontan beim Friseur, habe einer Freundin zum Geburtstag gratuliert, mit einer anderen Freundin um ihren verunglückten Vater getrauert und ich habe den Haushalt sich selbst überlassen und bin mit den Kindern ins Freibad – und vor allem, ich saß nicht nur aufpassend am Rand sondern habe mit im Wasser geplanscht und sehr viel Spaß gehabt – nun sitzen die Mädels geduscht auf der Couch, die eine nascht und die andere eingeschlafen – und ich liebe mein Leben! Denn wenn nicht jetzt – wann dann?!?

  5. Hallo Svenja,
    vorweg: Ich bin derzeit auch (Fast)Vollzeit- Hausfrau, habe zwei Kinder (fast 2 und 4 Jahre) und bin Elternbeirätin. Vor meinem Studium habe ich mehrere Jahre in einer Eltern-Initiative (Kita) gearbeitet.
    Zu Deinem Artikel: Im Großen und Ganzen stimme ich Dir zu, hier ein paar Ideen meinerseits:
    In der oben genannten Eltern-Ini war vertraglich festgehalten, dass alle Eltern ein gewisses Pensum an Arbeitsstunden im Jahr zu leisten haben, sei es als Vorstand, Elternbeirat oder eben mit Kuchen backen oder Spiele beim Sommerfest betreuen (Paare 18 Std/Jahr, Alleinerziehende 11 Std/Jahr). Sollten diese Arbeitsstunden bis Jahresende nicht erbracht werden, mussten sie Strafe zahlen (das heißt aber nicht, dass man sich freikaufen konnte! Man wurde schon vom Vorstand angesprochen, ob man sich sicher sei, in einer Eltern-INITIATIVE Mitglied sein zu wollen und das diese auf MITARBEIT und MITEINANDER basiere).
    Diese Idee ist natürlich in städtischen oder kirchlichen Einrichtungen eher schwer durchzuführen, aber ich kann mir vorstellen, dass eine abgemilderte Version dessen auch dort funktionieren könnte (bspw. 2 Std/Jahr Mitarbeit pro Eltern, dafür kommt der Elternbeirat für einen Eltern-Kind-Ausflug auf, alle fahren 1x im Jahr zusammen zum Wandern o.ä., und der Elternbeirat zahlt den Bus).
    Die andere Idee ist, ich mache die Erfahrung, sobald alle Eltern in die Planung mit einbezogen werden, ist auch die Bereitschaft des Mithelfens größer. Natürlich können nicht 30 Elternpaare ein Sommerfest planen (es würden auch nie und nimmer alle zu solchen Treffen kommen), aber oftmals entwickelt sich in Einrichtungen ein Selbstläufer:
    Anno dazumal haben irgendwelche Eltern beschlossen, Dosen werfen und Kinderschminken sind das Highlight des Sommerfestes und von da an ist das jedes Jahr so, weil “das war doch schon immer so”.
    Dabei gibt es weitaus mehr Möglichkeiten, ein Sommerfest zu gestalten! Dazu kommen die “Ewighelfenden”. Versteht das nicht falsch, ich bin selber eine von “denen”. Aber ich merke es ja an mir selber: Ich mach mein Ding, weil ichs halt immer mach und bin dann teils sogar verwundert, wenn jemand meine Idee infrage stellt oder einen anderen Vorschlag macht.
    Daher: Monate vor Festen Listen aushängen UND ANDERE ELTERN DIREKT ANSPRECHEN ob sie gute Ideen für das Fest hätten. Da kommt oft mehr bei rum als man denkt! PLUS: Seine eigene “anpackende” Haltung infrage stellen und reflektieren ob man andere, “neue” Ideen wirklich dankend und offen annimmt oder eher ablehnend gegenüber den Eltern ist, die seltener oder nie mithelfen. Evtl fühlt sich nämlich die/der ein oder andere ein wenig erschlagen durch soviel Tatendrang.
    Dennoch an alle AnpackerInnen: Weiter so! Wir können viel verändern, wenn wir weiterhin aufstehen und einfach machen!

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