Verletzung der Aufsichtspflicht

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Verletzung der Aufsichtspflicht hört sich hochoffiziell an, oder? Ich könnte anstattdessen auch sagen: “Ich flippe gleich aus, weil diese Sch….an-nichts-interessierte-Mutter gleich ein Kind mit einer RIESEN-Glasscherbe im Fuß in die Notaufnahme bringen muss und es JETZT NOCH verhindern könnte.”

Ich weiß nicht, was besser ausdrückt, dass es mir Ernst ist. Denn das ist es mir. Sehr Ernst sogar. Aber vielleicht beginne ich lieber am Anfang der Geschichte.

Die Verletzung der Aufsichtspflicht oder warum manchen Müttern einfach die Empathie fehlt

 

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Ich bin mit meinen Kindern am Wochenende an der Isar gewesen. Ein wunderschöner Tag, strahlend blauer Himmel und die optimalen Verhältnisse, um die Kletterbaumsaison zu eröffnen.

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Einziger Haken dieses Isar-Ufer-Abschnitts: Hier wird abends oft gegrillt und irgendwelche betrunkenen Idioten schmeißen dann die Flaschen ins Wasser. (Ohjeh, ich höre mich schon an wie mein Vater, der Polizist. Aber es geht ja auch um die Verletzung der Aufsichtspflicht!) Dabei gehen die Flaschen kaputt und die Scherben liegen dann überall verstreut zwischen den Kieseln. Für uns kein Problem, weil ich das ja weiß. Also sage ich zu meinem Sohn bevor wir losfahren: “Bitte zieh Dir keine Sandalen an, sondern Deine Turnschuhe.”

Als ich es mir gerade auf der Picknickdecke gemütlich machen will, wird mir klar: Alle anderen Kinder  – ca. zwanzig – laufen ohne Schuhe hier herum. Was für mich eine Verletzung der Aufsichtspflicht darstellt. Denn direkt vor mir ragt eine leere, zerbrochene Barcadi-Flasche aus dem Kies. Und zwar ist die so zerbrochen, dass eine fiese, messerähnliche Spitze gen Hmmel ragt. Wenn da ein Kind reintritt, ist der Sommer gelaufen. Oder zumindest die nächsten 6 Wochen. Scheint außer mir aber Keinen zu stören.

Als ein knapp 2-jähriges Mädchen an mir (und ungefähr 50 cm an der Flasche) vorbeiläuft (seine Mutter steht am Kletterbaum und unterhält sich angeregt mit einer anderen Mutter) sagt es immer wieder verunsichert: “Hier sind überall Glasscherben.” Immer wieder ruft es nach seiner Mutter, aber die hört nicht. Nach knapp 60 Metern traut sich die Kleine nicht mehr weiterzulaufen, bleibt stehen und ruft jämmerlich: ” Mama, hier sind überall Glasscherben, Du musst mir helfen.” Darauf die Mutter gelangweilt: “Bist Du schon in eine reingetreten oder hast Du nur Angst davor?”

Moment – jetzt nochmal:

“Ich flippe gleich aus, weil diese Sch….an-nichts-interessierte Mutter gleich ein Kind mit einer RIESEN-Glasscherbe im Fuß in die Notaufnahme bringen muss und es JETZT NOCH verhindern könnte.”

Für mich ist sowas eine Verletzung der Aufsichtspflicht. Denn die elterliche Aufsichtspflicht erfüllt eigentlich genau einen Sinn:

“Wenn Kinder die Welt entdecken und immer selbstständiger werden, geraten sie, unabhängig von ihrem Alter, immer mal wieder in gefährliche Situationen. Oft können sie die Lage selbst einschätzen. Je nach Alter und Entwicklungsstand aber nehmen sie drohende Gefahren und Risiken nur begrenzt wahr. Sie brauchen daher Unterstu?tzung durch Erwachsene, klare Regeln und Absprachen.”

Dieses Zitat stammt aus einem wunderbaren PDF der Stadt München – das sich übrigens wirklich jeder Mal durchlesen sollte, weil da auch interessante Sachen drinstehen zum Thema: Wann kann mein Kind alleine zuhause bleiben, raus gehen usw.???

Interessanterweise war es nun bei dem Mädchen, das ich beobachtet habe, eigentlich eher so, dass die Mutter (nicht das Kind) die Gefahren und Risiken nur begrenzt wahr nahm. Und ihre 2-jährige Tochter half ihr dabei, ein gesundes Risikobewusstsein zu entwickeln. Quasi so eine Art Umkehrschluss der Verletzung der Aufsichtspflicht. Je weniger die Mutter aufpasste, desto mehr passte das Kind auf. Aber nicht, weil es so toll selbständig war, sondern weil es Angst hatte.

Mein Mann und ich haben nach dieser Aktion die Flasche entsorgt, damit nicht doch noch was passiert. Eine andere Mutter, die nicht weit weg lag, rauchte und alles genau mitbekam und hörte, ließ ihr Kind weiter barfuß herumlaufen und war extrem desinteressiert. Als ihre Tochter dann noch das – eh schon winzige – Getränkepack austrinken wollte, wurde sie angeherrscht: “Trink das bloß nicht aus. Wir haben nur eins dabei.” Mit diesen Worten riss sie es ihr aus der Hand und nahm einen tiefen Schluck.

Vielleicht werde ich wirklich immer spießiger, je älter ich werde. Vielleicht nimmt meine Tendenz, mich einzumischen und über andere zu urteilen, zu. Aber ich, meine Lieben, bin manchmal einfach erschüttert, wie wenig herzlich Mütter zu ihren Kindern sind und wie ihnen offensichtlich jede emphatische Verbindung zu ihnen fehlt.

Ich bin auch nicht immer geduldig und lieblich. Oder wie mein Sohn sagt: “Bitte nicht wieder mit Deiner strengen Stimme, Mama.”

Ja, ich habe eine strenge Stimme. Aber meine Kinder ziehen Schuhe an, wenn Scherben herumliegen. Und sie dürfen das Tetrapack austrinken, wenn ich nicht genug zu Trinken eingepackt habe. Meine Kinder wissen, dass ich immer auf sie aufpasse, so gut ich eben kann. Ich denke mit, ich versuche Gefahren zu antizipieren. Die Verletzung der Aufsichtspflicht liegt mir sehr fern, denn ich beaufsichtige meine Kinder gern. Ich möchte nämlich, dass aus ihnen tolle Menschen werden. Die einen tollen Sommer haben, weil sie keine Glasscherbe im Fuß stecken hatten.

Aber: Wie tue ich was gegen die Verletzung der Aufsichtspflicht?

 

Tja, wenn ich das nur wüsste. Erlebnisse wie an dem Tag an der Isar machen mich manchmal mürbe. Jetzt werdet ihr mir sicher wieder schreiben: “Da hättest Du was sagen müssen!” Warum? Was hilft das? Diese Mütter machen das doch nicht, weil sie ihre Kinder nicht lieben. Sie sind wahrscheinlich einfach selbst genauso aufgewachsen. Denn ich kenne schon die Sätze, die auf meine freundlichen Hinweise kommen würden.

“Wie sollen sie denn selbständig werden, wenn ich ihnen keine lange Leine lasse?” “Ich kann sie doch nicht immer beschützen, sie müssen doch lernen, selbst aufzupassen!” “Die können auch zuhause in eine Scherbe treten.”

Nennt das doch, wie ihr wollt. Ich nenne das immer noch eine Verletzung der Aufsichtspflicht. Meine Kinder können auch zuhause in eine Scherbe treten. Aber an der Isar bestimmt nicht, weil ICH weiß, dass da welche liegen. Und ihr macht mir schlechte Laune, weil ihr dass auch wisst und eure Kinder nicht entsprechend warnt oder absichert. Also werde ich weiter die Flaschen wegräumen, damit meine Kinder UND eure Kinder nicht reintreten. Und danach mit meiner besten Freundin am Telefon darüber reden, wie mich das Erlebnis frustriert hat. Oder meinen Leserinnen solche Geschichten erzählen, wie diese hier, um vielleicht bei der ein oder anderen ein: “Ja, das kenne ich. Gut dass Du das mal aussprichst – ich bin also nicht allein” auszulösen.

Denn eins ist klar: je mehr von uns den liebevollen Weg beschreiten, desto mehr können wir vielleicht auch andere dazu bewegen, besser auf ihre Kinder zu achten.

Eure Svenja, die noch nicht bereit ist, die Hoffnung aufzugeben!

20 Kommentare

  1. Ob ja, du sprichst mir aus der Seele!
    Grad das oft so lieblose geht mir ans Herz… Wieso sind viele Menschen so zu/mit ihren Kindern? Und nein, ich sprüh auch nicht immer nur Zuckerwasser… ;-)
    Wie kann man eine potentielle Gefahr einfach so missachten?
    Wie kann man die Verletzung eines Kindes so in Kauf nehmen?
    Ich habe selber fünf Kinder, bin mitnichten übervorsichtig und lass meine Kinder selbstständig sein! Aber bei sowas würde ich SOFORT reagieren… Und hätte ich es nicht gewusst und meine Kinder wären demzufolge nicht genügend geschützt, würde ich lieber den Event abbrechen und enttäuschte Gesichter ernten als die Gefahr einer Glasscherbe im Kind in Kauf nehmen!

  2. Danke! Du hast mal wieder ausgesprochen, was ich schon oft gedacht habe. Ich kann da auch nicht einfach zugucken und verstehe nicht, wie andere Elternteile das seelenruhig können und damit in Kauf nehmen, dass erst etwas passieren muss. Aber so ist es ja hier leider allgemein – es wird so lange zugeguckt, bis etwas passiert ist und dann ist der Aufstand umso größer :(. Ich werde auch oft belächelt, weil ich angeblich übervorsichtig wäre (und auch der Spruch “Wie soll das Kind denn selbständig werden…? fällt allzu häufig), aber für mich ist das kein Gluckengehabe (als solche steht man ja in solchen Situationen oft da), sondern vernünftige Weitsicht und das mache ich sowohl für mein eigenes Kind als auch für andere (wie du ja auch, indem du z. B. die Glasscherben beseitigst).
    Gäbe es doch mehr von unserer Sorte……

    Liebe Grüße,
    Jessica

  3. Hallo Svenja, du sprichst auch mir wiedermal aus tiefer Seele. Allzu häufig erlebe ich das Gleiche, häufig im Urlaub, wo manche Eltern offensichtlich der Meinung sind “ich hab jetzt auch Urlaub – mir ist egal, was die Kinder machen”. Da schnürt mir der Hals zu. Man ist doch nicht weniger Mutter, weil man gerade “Auszeit, Urlaub, Wochenende” hat – die Verantwortung bleibt immer gleich! Auch, wenn ich am Supermarktparkplatz sehe, dass eine Mutter mit brennender Zigarette zu den (im Auto allein gelassenen) 2- und 4-jähigen Kindern ins Auto steigt und losfährt, frage ich mich oft, was man da tun kann. Unverantwortlich! Doch leider gibt es Menschen, die schert es einen Dreck wie es ihre Kindern geht. “Meine Mutter war auch desinteressiert und ich bin auch groß geworden” kann ja wohl keine Entschuldigung für ihr Verhalten sein. Spricht man diese Menschen an, die z.B. ihr Kind in aller Öffentlichkeit ins Gesicht schlagen, erreicht man leider nichts! Die Kinder tun mir immer furchtbar leid und ich vergesse solche Momente nicht. Manchmal fällt sogar meinen Kindern so etwas auf: “Mama, die Frau hat eben zu ihrer Tochter (ca. 6 J.) “du Schlampe” gesagt! Wie schrecklich!”
    Wenn du eine Lösung hast, wie man damit umgeht – immer her damit!!

    1. Wenn ich die nur hätte Stephie… Da läuft viel falsch in unserer Gesellschaft. Ich versuche das anders zu leben, aber damit erreicht man ja solche Frauen auch nicht. Und ich bin BESTIMMT keine “Übermutter”, sondern habe nur eine ganz normale emotionale Verbindung zu meinen Kindern und möchte, dass sie gesund und glücklich aufwachsen.

  4. mir ist vor ein paar Tagen auch so eine Geschichte passiert…ich fahre mit meiner ältesten Tochter im Auto auf eine Kreuzung zu und muss rechts vor links beachten…von links nähert sich ein Wohnmobil und seitlich vorbei fährt ein kleines Mädchen höchstens 4 Jahre alt mit einem Fahrrad am haltendem Wohnmobil vorbei auf die Straße vor mein Auto. Da ich stand und die Welt irgendwie nicht verstanden habe…wo kam dieses kleine Mädchen her? Meine Tochter stieg aus, half ihr über die Straße und fragte sie nach ihrer Mama…das kleine Mädchen fuhr weiter und zeigte auf einen Kleinbus der kurz vor dem Kind die Kreuzung passiert hatte und nun am Straßenrand parkte…dort heraus rief eine Stimme ” das ist meine Tochter”. Ich konnte es nicht fassen. Die Mutter brachte ihrer kleinen Tochter von Auto aus das Fahrrad fahren bei…ich konnte leider nicht aussteigen da hinter mir andere Autos anfingen zu hupen, aber mein einziger Gedanke war…diese Mutter müsste man anzeigen. Wie kann man so verantwortungslos sein…ich konnte mich mehrer Stunden nicht beruhigen so hat mich das beschäftigt.

    1. OMG – das kann ich SEHR gut verstehen, dass Du Dich nicht beruhigen konntest. Wenn jemand so den Draht zur Realität seines eigenen Kindes und potenziell lauernden Gefahren verliert, ist das einfach nur bitter.

  5. Liebe Svenja,

    leider muss auch ich beipflichten, dass ich solche Situationen nur allzu gut kenne :(.
    Der neueste Klassiker momentan ist, rauchende Eltern mit Kleinkind oder Baby. Am besten noch im Auto, bei geschlossenem Fenster und die Kleinen husten sich auf der Rückbank einen ab. Da könnte ich durchdrehen….

    Lieber Gruss
    Nicole

  6. Ooh Svenja, deine Gefühle von Wut und Ohnmacht kann ich sooo gut nachvollziehen! Meine Zeit mit kleinen Kindern ist zwar (vorerst) vorbei, aber ich erlebe jeden Tag beim Gassi-Gehen hier in der Stadt, oder im Englischen Garten, wie wir um kaputten Bierflaschen einen großen Bogen machen müssen. Hunde kann man keine Schuhe anziehen! Nach den Fußballspielen ist es am allerschlimmsten!
    Ebenso nehme ich wahr das bei mir um die Ecke, vor der Sprachschule, der Pulk rauchende Jungen Menschen den ganzen Gehweg besetzen während ihren Pausen. Mit Hund, Kleinkind oder Kinderwagen (ich sehe es jeden Tag) kommt man da überhaupt nicht vorbei … da muss man fast handgreiflich werden und schubsen, laut “bitte, darf ich durch” rufen, dann weicht vielleicht der Eine oder Andere … hinterher ist alles besät mit Zigarettenkippen und Kaffee-Pappbecher …. und dabei gibt es auf der Rückseite vom Institut ein wunderschöner Garten mit Bänken und Mülleimer. Der liegt einsam, verlassen da … ich führe da neuerdings mein Hund Gassi. Und räume natürlich die Häufchen brav in einem Tütchen weg!
    Ich bin auch so “spießig und bürgerlich” erzogen worden, (und bin froh darum – und ich hoffe ich habe meinen Kindern genug davon mitgegeben!) und schere mich nicht im geringsten darum sehr frech und laut zu werden wenn Menschen durch Unachtsamkeit und Rücksichtslosigkeit sich als reine Egoisten aufführen. Ich mache es leider öfters, aber wenigstens geht es mir hinterher besser und bleibe ich nicht auf meiner Groll sitzen!
    In diesem Sinne, misten wir in einer Gemeinsamen Aktion mal ein Stück Isarufer aus!
    LG von Joan

  7. Hallo!
    Es gibt in meinem Umfeld hier (auf dem Dorf) leider auch immer wieder Fälle von Aufsichtspflichtverletzung. Eltern lassen kleinere Kinder allein, wenn sie abends feiern gehen und sich betrinken (das würde ich schon nie machen, weil meine Kinder meistens um 06.00h aufstehen und ich da fit sein will). Ich könnte keine ruhige Minute verbringen, wenn ich wüßte, daß meine Kinder allein zu Hause sind! Den Eltern geht es oft nur um die eigenen Bedürfnisse.
    Wir haben uns ausgelebt BEVOR wir unsere 3 Kinder bekommen haben und sind glücklich MITEINANDER. Deshalb müssen wir uns nicht irgendwohin flüchten, sonder können uns an unserer Familie erfreuen.
    Das Umfeld, in dem Kinder aufwachsen ist oft unsauber und vermüllt, die Kinder können tun und lassen, was sie wollen.
    Oft sind in diesen Familen schon “Familienhelfer” eingesetzt aber wirklich etwas bewirken können/wollen die auch nicht.
    Aber des öfteren beobachte ich auch auf Ausflügen/Spielplätzen, daß die wenigsten Eltern Spaß an ihren Kindern haben. Wie viele Eltern sitzen mal mit in der Sandkiste oder schaukeln mit ihrem Nachwuchs um die Wette? Die wenigsten. Das finde ich immer sehr traurig, denn sie verpassen dabei soo viel!
    Und auf seine eigene Kindheit braucht sich auch keiner berufen. Ich kenne auch Eltern, die eine sehr schlimme Kindheit gehabt haben aber nun eben erwachsen sind und NICHT die gleichen Fehler ihrer Eltern an ihren Kindern wiederholen. Wenn man genug Intelligenz aufbringt, kann das klappen!
    In diesem Sinne, allen Eltern viel Spaß an und mit ihren Kindern :-)
    Julia

  8. Deinem Post und den Kommentaren der anderen Lesern ist echt nichts hinzuzufügen.
    Ich glaube, das alles hat nichts mit Spießigkeit (= geistige Engstirnigkeit, Unbeweglichkeit) zu tun!
    Wenn ich vorausschauend bin um meine Kinder zu schützen, dann ist das doch genau das Gegenteil.
    Aber manch einer hat nur Kinder, weil man das halt heut so “hat”. Ihr wißt schon, mein Haus, mein Auto, mein Boot, mein Kind…
    Nur blöd, daß es manchmal auch anstrengend ist Eltern zu sein.
    Aber: nicht ärgern lassen und einfach einmischen!
    Liebe Grüße
    Suse

  9. Ach du liebe Güte, Svenja!
    Noch ist mein Kleiner zu klein, um auf Spielplätzen zu toben oder die Kletterbaumsaisom zu eröffnen – er ist erst ein knappes halbes Jahr. Um so mehr erschreckt es mich, zu lesen, was alles auf mich zukommen wird, sobald er größer, aktiver und, ja, auch selbstständiger wird. Dass manche Eltern vor lauter Selbstständigkeit vergessen, dass ihre Kinder aber in erster Linie Kinder sind und von uns, ihren Eltern so gut es eben geht, vor Gefahren beschützt werden müssen, beschämt mich wirklich zutiefst… Es macht mir Angst, denn ich fürchte, da mehr als einmal eine dicke Lippe zu riskieren, da ich mich über so Gedankenlosigkeiten (wie zum Beispiel (zumindest körperlich!) gesunde Menschen, die auf Behindertenparkplätzen parken oder Familienparkplätze blockieren) schon immer ärgere und auch da nie meinen Mund halten kann. Wenn dann aber nicht nur Gedankenlosigkeit im Spiel ist, sondern tatsächlich die Gesundheit von Kindern gefährdet ist, hört ja wohl jede Toleranz auf! In diesem Sinne hoffe ich, dass deine Aufrufe immer mehr Gehör finden und diese Mein-Kind-muss-lernen-mit-Gefahren-umzugehen-Mütter irgendwann ihr Hirn einschalten und erkennen, dass sie als Vorbilder dienen – im Guten wie auch im Schlechten!
    Herzliche Grüße, Moni

  10. Klasse Svenja, da brauch ich das nicht mehr schreiben ;) Du hast mal wieder den Nagel auf den Kopf getroffen.
    Ich fuehle mich weniger alleine wenn ich lese dass es vereinzelt noch andere Frauen/Muetter gibt die es auch so sehen.
    Ulli

  11. Liebe Svenja, ich lese schon länger mit, habe aber bisher noch nie kommentiert, soweit ich mich erinnern kann.

    Dein heutiger Eintrag hat mich an eine furchtbare Szene erinnert, bei der ich Zeugin von physischer und psychischer Gewalt gegen ein Kind wurde und so fassungslos war, dass ich nicht wusste, was ich tun sollte. Ich schrieb dann auf meinem Blog darüber und erbat auch von meinen Lesern Rat.

    Aber ich denke, in so einer Situation braucht es viel Mut, dieses ungeschriebene Gesetz, sich in die “Erziehung” anderer “Eltern” nicht einzumischen, zu ignorieren. Doch ich habe mir geschworen, nicht mehr zu schwiegen.

    1. Meine Liebe, Du siehst mich sprach- und fassungslos. Danke, dass Du dazu verlinkt hast. Ich möchte weinen und schreien und ahne ziemlich genau, wie Du Dich gefühlt hast. Das ist so bitter, dass man gar nicht mehr weiß, was man sagen soll. Und wenn man schwanger ist, nimmt es einen noch mehr mit, als sonst schon. Danke für Deinen Post, Danke für Deine Wortmeldung. Ich würde gerne einmal zu Dir und diesem Artikel in einem Post verlinken. Wenn das für Dich OK ist, sag mir doch bitte Bescheid. Deine Svenja

      1. Liebe Svenja, da Du ja eine große und meinungsfreudige Leserschaft hast, wäre ich wirklich gespannt, was den Anderen dazu einfällt bzw, eingefallen wäre. Also bitte, gerne!

        Aber es sind ja wirklich nicht nur diese schlimmen Szenen, die uns aus unserer ach so vornehmen Zurückhaltung oder coolen Gleichgültigkeit reißen sollten. Auch der von Dir beschriebene Alltag birgt immer wieder Situationen, in denen eine Einmischung geradezu die Norm werden sollte. Da wäre ich wirklich für eine Umkehrung, eine Revolution der gesellschaftlichen Norm. Um der Kinder willen.

  12. Ich bekam gerade richtig Herzrasen vor Wut, als ich diesen Post las! Diese quatschenden, nicht interessierten Mamas trifft man ja überall und ich bekomme echt die Krise. Vielleicht liegt es am Älter werden, vielleicht einfach daran, dass man nun Kinder hat und das letzte was ich diesen wünsche, ist eine Glasscherbe im Fuß! Einfach unglaublich. Ich habe letztens eine Mama erlebt, die hat ihr wirklich noch viel zu kleines Kind in eine Schaukel rennen lassen, die gerade in Aktion war. Voll an den Kopf bekommen, umgefallen, die Beine vom schaukelnden Kind auch noch mal abbekommen und dann macht sie sich auf den Weg mit dem dümmsten Satz “Tja, dass muss sie lernen!”. Ohne Worte!

    Liebe Grüße, Tanja

    1. Oh, sowas kenne ich. Das einzige was hilft, wenn man nah genug dransteht: Kind wegreißen. Hatte das neulich mit einem fremden Kind in der Kassenzone, dass an diesen silbernen Begrenzungsgeländern gespielt hat. Dann haben die kleinen Händchen oben losgelassen und sie wäre voll mit dem Kopf aufgedonnert, wenn ich sie nicht am Shirtzipfel gescnappt hätte. Ihre Mutter hat das noch nicht mal mitbekommen. Auch ohne Worte.

    2. Ich möchte auch noch einen Kommentar zu diesem Thema abgeben. Ich bin zwar (noch) keine Mutter, aber ich sehe auch vieles, das ich nicht verstehen kann. Ich bin beruhigt, zu lesen, dass es viele Mütter gibt, die auf Ihre eigenen und sogar auf fremde Kinder mit Rücksicht nehmen!
      Ich bin leider auch ganz getreu dem Motto “was dich nicht umbringt, macht dich nur stärker” bzw. “das muss sie jetzt einfach lernen” aufgewachsen. Sätze wie “Tja, selber schuld”, “Jetzt hör auf zu weinen, du hast doch gesehen, dass die Katze böse war” und vieles andere, waren schon immer normal. Und ich möchte euch einfach nur sagen, man muss nicht immer wie seine eigene Mutter werden! Ich gebe mir aktuell viel Mühe, an meiner Empathie und auch an meiner Weitsicht zu arbeiten. Auch meine Freundinnen, die schon Kinder haben, sagen, dass ihre Eltern viel desinteressierter waren. Ich hoffe für Kinder mit solch ignoranten Eltern nur, dass ihnen nicht schlimmes geschieht und sie irgendwann bessere Eltern und Menschen werden!

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