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Süßkartoffelpommes mit Erbsendip und selbstgemachtem Ketchup

Vegan for fit, 3 Wochen, 21 Tage. Wozu das führt? Ihr werdet überrascht sein. Ich jedenfalls hätte vieles davon nicht für möglich gehalten.

Vegan for fit, Woche 3: Die AHA-Momente

1.) An der Supermarktkasse hält mich eine Dame für 32. Und das obwohl ich 42 bin. Und ungeschminkt.

2.) Mir passt alles, was in meinem Schrank hängt. Auch die Sachen, in die ich nie wieder zu passen glaubte. Von vor den Kindern, als ich 58 Kilo wog. Ganz anders mein Mann: von 10 Jeans passen nur noch 3 und die auch eher behelfsmäßig. Irgendwas muss er untenrum ja schließlich anziehen. Uwe verwandelt sich durch Vegan for fit vor meinen Augen in einen ganz anderen Typ. Er fährt mit dem Fahrrad zur Arbeit, kauft sich einen Helm und eine Regenkombi und ist auch in geselligen Runden nicht versucht, einen Wein zu ordern. Oder doch noch heimlich vom Kartoffelsalat zu naschen. Respekt.

3.) Mein Schlafbedürfnis beläuft sich auf minus 3 Stunden pro Tag. Ich stehe freiwillig um spätestens 5:15 auf, weil ich nicht mehr müde bin. Warum habe ich mich nur nicht vegan ernährt, als ich noch kleine Kinder hatte? Das hätte alle meine Probleme auf einen Schlag gelöst.

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Veganer Burger mit würziger Tofufrikadelle, Avocadomus und Chili-Ketchup

4.) Ich beschäftige mich immer noch 2-3 Stunden am Tag mit Kochen und Essen. DAS ist supernervig. Ohne Wenn und Aber. Allerdings habe ich kapiert, dass der Aufwand, den ich für Vegan for fit betreibe, nichts mit „normalem“ veganen Essen zu tun hat. Dazu muss man fairerweise sagen, dass ich eben für die Kinder meist was anderes koche – also so eine Art doppelte Küchenbuchführung habe. Und: meine Küche ist klein. Nicht winzig, aber klein. Reihenhausklein. Und ich glaube Attilas Challenge macht man besser in einer geräumigen Berliner Wohnküche mit hoher Altbaudecke, damit man weiterhin gut Luft kriegt.

5.) Meine Küche ist für die Vegan for fit Challenge nicht ausgestattet. Ich, die Besitzerin der tausend kleinen Töpfe und Schüsseln, habe nicht genug davon. Vor allem keine auslaufsicheren, die ich meinem Mann mitgeben kann. Also ab zu Kustermann, beraten lassen und Lock & Lock Dosen kaufen. Schon nach einem Tag Benutzung ist mir klar, was die Verkäuferin meinte, als sie sagte: „Ich habe davon ganz viele – und trotzdem noch nicht genug.“

6.) In der drittten Woche fehlt mir nichts. Noch nicht mal Rotwein. Dafür ekelt mich Vieles. Mein heißgeliebter Bergkäse stinkt wie irgendwas Superscharfes, was kurz davor ist, zu kippen. Und das abgepackte und eingeschweißte Hackfleisch für die Kinderlasagne wähne ich im Kühlschrank DURCH DIE VERPACKUNG zu riechen (jetzt geht’s zur Sache.) Apropos Kinder: Zunehmend habe ich das Gefühl, Uwe und mich herausragend zu ernähren, während ich meinen Kindern weiter Dreck vorsetze. So geht das nicht. Maultaschen und Magic Asia Nudeln lieben sie zwar, aber jetzt, wo ich nicht nur weiß, sondern schon beim Öffnen der Verpackung rieche, wie viele Geschmacksverstärker und vor allem wie viel Zucker in allem ist, wird es schwierig.

7.) Bin ich jetzt Veganer? Oder „nur“ Vegan for fit Challenger? Jedenfalls merke ich: Wenn ich mir abends um viertel nach 9 einen Schwarztee mache, fühle ich mich wie eine Rebellin – obwohl Hafermilch und Agavendicksaft drin sind. Es kristalliert sich eine große Frage heraus:

8.) Was kommt nach Vegan for fit? Für mich ganz klar: Nie wieder so viel Tierisches. Ob überhaupt Tierisches? Im Moment kann ich mir das noch gar nicht vorstellen. Also habe ich erstmal neue Kochbücher bestellt. Mal sehen, was ich euch da berichten kann. Ich brauche einfach mehr Informationen. Kann vegan kochen eine Langzeitalternative sein? Oder besser nur bestimmte Lebensmittel ausschließen und andere in Maßen genießen? Auch in unserer veganen facebook Gruppe wird diese Frage laut. Manche wollen mit der Challenge weitermachen, manche ihren Lebensstil ändern. Wir bleiben im Gespräch und entwickeln uns.

9.) Unsere geheime meinesvenja vegan facebook Gruppe wird erwachsen. Es gibt Aussteiger, Quereinsteiger, Wiedereinsteiger, Teilzeitveganer und späte Challengefrischlinge. Aber: es fällt nie ein böses Wort. Alle werden kontinuierlich aufgebaut – auch man selbst. Es ist genauso, wie das echte Leben sein muss und verkörpert ziemlich genau meine Vision von einem gemeinschaftlichen Miteinander, in dem jeder gleichwertig ist und einen festen Platz hat. Brauchen wir Frauen also einen geschützten Raum und Gleichgesinnte, um uns wirklich zu öffnen und unsere liebevolle, mitmenschliche Seite zu zeigen? Ich jedenfalls habe manchmal das Gefühl, dass wir zusammen so stark und verbunden sind, dass wir von der katastrophalen deutschen Familienpolitik bis hin zum Weltfrieden fast alles in den Griff bekommen könnten.

10.) UND WAS HABE ICH ABGENOMMEN? Kann ich leider nicht sagen. Bei mir sind gerade genau die Tage im Monat angebrochen, an denen Frauen sich nicht wiegen sollten. Und mein Mann? Der ist seit gestern in einem Seminarhotel und versucht, sich mit Attilas Burgerbrötchen und Früchtebrot im Gepäck auch dort vegan zu ernähren. Neue Werte bleibe ich euch also bis nächsten Freitag schuldig, dann in meinem Fazit nach der 4. Woche Vegan for fit.

P.S.: Wer das Fazit meiner ersten Woche und zweiten Woche Vegan for fit verpasst hat, darf natürlich gerne noch einmal nach dem Klick weiterlesen.

P.P.S.: Für alle, die das Buch immer noch nicht haben – hier geht es lang.