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Vegan for fit liegt hinter mir. Und genau das ist das Problem. Nichts ist mehr, wie es war. Oder wie ich dachte, dass es nach der Vegan for fit Challenge sein würde. Ich bin nicht mehr dieselbe. Ich, Mrs. Pragmatismus. Die, die keine großen Probleme mit der Massentierhaltung hat (kann man ja verdrängen), vor Büchern wie „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer einfach die Augen verschließt und Hackfleisch abgepackt im Supermarkt kauft.

Wo die Milch herkommt? Mein Gott, von glücklichen Kühen. Und wenn die mal nicht ganz so glücklich sind, ist das auch nicht soooo schlimm. Ich als Verbraucher kann das ja sowieso nicht beeinflussen. Nicht so wirklich jedenfalls. Dass Milch meinem Körper schaden soll, habe ich noch nie bemerkt und von einer Lactoseintoleranz bin ich meilenweit entfernt.

Und überhaupt. Ich mache bis zu 4 Mal die Woche Sport und lebe gesund. Naja, ab und zu mal eine Tüte Belohnungschips abends, wenn ich meine Lieblingsserie online schaue – das muss schon drin sein. Geschmacksverstärker? Die sind doch eh überall drin, dem kann man sich ja kaum entziehen. Dass da immer so ein Bohei drum gemacht wird, als hätten wir es mit einer geheimen Verschwörung zu tun. Anstrengend.

Zu den Chips gibt es ein Gläschen Wein. Oder zwei. Das macht so herrlich Lull und Lall und man kann mal den ganzen Alltagsstress vergessen. Keine Kinder, die nach einem rufen, keine Spülmaschine, die ausgeräumt werden will und kein Termin, an den ich unbedingt denken muss.

Das, meine Lieben, war VORHER. Vor Vegan for fit. Oder sollte ich lieber sagen: vor meinem kalten Entzug? Meiner augenöffnenden Ernährungs-, Bewusstseins- und Wahrnehmungsveränderung? Vor meiner Reise, auf der ich jetzt bin und von der ich wohl nicht als Dieselbe zurückkehren kann?

Bin ich jetzt mutiert? Eine von denen, die „so kompliziert“ beim Essen sind? Vegan for fit Anhänger, fanatische Körnerfresser, die man nicht einladen kann und die Essen am Buffet ausspucken, weil sie nicht wussten, dass da Fleisch drin ist?

Aber: ich will mich nicht selbst überholen. Alles schön der Reihe nach.

Vegan for fit: Das Challenge-Fazit

1.) Vegan for fit hat mir klar gemacht: Ich habe mich mein Leben lang falsch ernährt – weil ich es so vorgelebt bekam. Aber: Das, was meine Mutter, ein Kriegskind, für eine „normale Ernährung“ hielt, war das genaue Gegenteil. Fast nichts war mehr natürlich, alles abgepackt und monatelang haltbar. Und das ist ja per se oft kein gutes Zeichen. Aber so wie in den 50er Jahren alle in die Fabriken gerannt sind und ihre Selbständigkeit gegen Sicherheit, Bonuszahlungen und eine Krankenversicherung eingetauscht haben, so haben sie wohl auch den Hunger der Kriegsjahre gegen Überzuckerung und Übergewicht eingetauscht. Vegan for fit hat mir klar gemacht, dass das meiste Essen im normalen Supermarkt nicht gut für mich ist. Ich muss Ernährung mit 42 noch einmal neu lernen. Und ich bin stolz drauf. (Übrigens: Wenn ich das kann, kannst Du das auch.)

2.) Meine Kinder essen nur Dreck. Was jetzt? Nachdem ich einmal kapiert habe, was ich bis jetzt gegessen habe und wie ich mich deshalb gefühlt habe, ist mir klar: once you go vegan, there is no way back. Aber was um Gottes Willen mache ich mit meinen Kindern? Die wollen weiter Bratwurst und Maultaschen. Soll ich das jetzt AUCH NOCH alles selbst machen? Dann wird die Ernährung meiner Familie tatsächlich zu meiner Hauptaufgabe. Vor allem, weil meinen Kindern nicht unbedingt schmeckt, was mein Mann und ich gerne essen. Langsam beschleicht mich der Verdacht, etwas grundsätzlich falsch gemacht zu haben. Habe ich den Geschmackssinn meiner Kinder verfälscht? Bin ich selbst Schuld, dass sie auf dem falschen Weg sind? Doch: vegan scheint auch nicht der richtige Weg für Kinder zu sein. Zumindest sind sich fast alle Veganer, die ich kenne, da in ihrer Unsicherheit einig…brauchen Kinder nicht Milch zum groß werden? Oder sind das jetzt auch alles wieder Ernährungslügen? Ich merke: da steht mir ein langer Weg bevor. Und: Ich brauche mehr Informationen – und zwar nicht aus Studien, die von der Nahrungsmittelindustrie in Auftrag gegeben werden. Auch wenn sich das anhört, als würde ich unter Verfolgungswahn leiden.

3.) Salatdressing mit Sahne kann krank machen. HÄÄÄÄ? Nun, ich war gestern mit meinen Kindern im Biergarten und habe einen veganen Salat bestellt. Das Dressing hatte ein ganz klein bisschen Sahne untergemischt. „Das gönn ich mir jetzt“, habe ich gedacht. Schließlich ist die Vegan for fit Challenge vorbei und so ganz eng muss man das alles ja auch nicht sehen, oder? Ein paar Stunden später dachte ich: „Mist, ich werde krank.“ Belag auf der Zunge, Schleim im Hals. Alles irgendwie eklig. Ging auch nach dem Zähneputzen nicht weg. Da wird mir klar: das ist die Sahne. Ich fühle mich, als hätte ich Tapetenkleister verschluckt. War das vor Vegan for fit etwa immer so? War das mein normales „Mundgefühl“ und ich habe das gar nicht bemerkt? Das kann doch fast nicht sein. Oder doch?

4.) Ich sehe den Menschen auf der Straße an der Nasenspitze an, wie gut oder schlecht sie sich ernähren. Bilde ich mir zumindest ein, seit ich Vegan for fit bin. Die meisten Menschen sehen ehrlich gesagt – verzeiht mir das krasse Wort – ziemlich Scheiße aus. Ungesund. Faltig. Abhängig. Ein bisschen so wie ich Anfang Mai. Ich dachte immer, das liegt am Älterwerden. Aber: Ernährung strahlt aus jeder Pore. Jetzt fühle ich mich, als hätte ich einen Holy Glow. Meine Haut ist und bleibt feuchter, straffer, jünger. Was für ein toller Nebeneffekt veganer Ernährung. Danke, Attila.

5.) Ist mir doch egal was ich wiege. Aber nicht, was ich esse. Alles, was nicht pur aussieht und schmeckt, ist seit Vegan for fit nichts mehr für mich. Wieso auch sollte ich etwas essen, wenn ich gar nicht weiß, was drin ist? Eine Frage, die ich mir mein ganzes Leben lang nicht wirklich gestellt habe, denn es gibt ja Lebensmittelreinheitsgesetze in Deutschland. Die werden das schon richten. Genauso wie die anderen Gesetze in Deutschland die Sache mit den fehlenden Kindergartenplätzen, der dringend nötigen Schulreform, der Ausländerintegration und der Gleichstellung von Mann und Frau regeln. Ähem.Vielleicht nehme ich die Sache doch lieber selbst in die Hand.

6.) Verzichten? Das geht ja gar nicht. Ich bin mit so vielen Gerichten aufgewachsen, die für mich wichtig sind. Nicht nur, aber auch, weil ich sie mit Erinnerungen verbinde. Omas Apfelkuchen. Erdbeeren mit Schlagsahne. Gulasch. Fischstäbchen. Und jetzt? Muss ich da für immer drauf verzichten. Dabei habe ich doch in den 30 Tagen Vegan for fit gelernt, dass vegane Ernährung und Verzicht nichts miteinander zu tun haben. Vegan leben bedeutet das Erkunden und Erforschen neuer Geschmackshorizonte. Ich will auf Nichts verzichten. Aber ich will auch Nichts mehr von Tieren essen, weil mein Körper mir klar signalisiert – Danke, aber NEIN. Was jetzt?

Die vegane Szene ist immer noch ein Trend für Wenige. Und genau das wird sie nicht bleiben. Attila hat mit Vegan for fit diese Ernährung salonfähig gemacht. Jetzt müssen wir sie alle miteinander alltagstauglich machen. Da zähle ich vor allem auf meine vegane facebook-Gruppe, die sich nicht nur dadurch auszeichnet, dass sich dort fantastische Menschen mit dem Herz am richtigen Fleck versammelt haben. Zudem sind es Menschen mit Lust auf Neues, Spaß an der Innovation und mit jeder Menge Traute. Da geht noch was.

7.) Die Welt nach Vegan for fit und der (Wieder-)Entdeckung des Geschmacks ist eine andere. Gerade weil nichts mehr „verstärkt“ wird, nehme ich alles verstärkt wahr. Und: ich bin auch innerlich gestärkt. Ohjeh, und schon wieder hört sich Mrs. Pragmatismus esoterisch an. „Leider“ hat das Ganze für mich auch fast biblische Ausmaße.

Man kann einem Blinden nicht die Augen öffnen und dann sagen: Du kannst zwar jetzt sehen, aber Du kannst – damit sich für Dich nichts ändert – ja einfach die Augen wieder zumachen. Ich für meinen Teil versuche jetzt erstmal zu begreifen, was ich alles sehe. Was mich gleich zum nächsten Punkt bringt.

8.) Unglückliche Menschen sollten sich mal eine Zeit lang vegan ernähren. Übergewichtige Menschen sollten sich mal eine Zeit lang vegan ernähren. Kranke Menschen sollten sich mal eine Zeit lang vegan ernähren. Unzufriedene Menschen sollten sich mal eine Zeit lang vegan ernähren. Oh ja, ich weiß, ich bin kein Arzt. Und auch kein Psychotherapeut. Aber: Ich bin eine ganz normale Frau mit einem ganz normalen Körper nach zwei ganz normalen Geburten von zwei ganz normalen Kindern. Ich habe vor Vegan for fit ein ganz normales Leben geführt. Mit Ups and Downs, mit Bewusstsein und Verdrängung, mit der „einen Schritt vor den anderen“-Taktik, um Überforderung zu vermeiden. „Alles zu seiner Zeit“ und „Man muss sich auch mal was Gönnen“. Lief auch prima. Doch mein Lebensmotto war schon immer „Man kann jeden Tag sein Leben ändern.“

9.) Nach Vegan for fit ist mein Lebensmotto: „Ich ändere jeden Tag mein Leben“. Weg von der dritten Person, dem Unpersönlichen, der Distanz. Hin zur Überzeugung, zum Ja sagen, zum voll Dasein, am Leben teilnehmen und Dinge bewegen. Ich will kein kleines Stück vom Kuchen, ich will ein großes. Ich habe zwar schon früher viel gewuppt, aber aus heutiger Sicht hatte ich eine Ladehemmung. Jetzt ist mir klar: Alles, was ich gerne erreichen möchte, kann ich nur erreichen, wenn ich den Weg zu meinem besten Ich gehe. JEDEN TAG. Wenn sich das schon wieder esoterisch anhört, dann ist das völlig OK. Denn: Ich kann nicht anders. Und selbst wenn ich könnte: ich will nicht mehr anders.

Ich will das Beste für mich und das Beste für euch. Ich will die Sachen beim Namen nennen, ich will Fragen stellen und ich will was bewegen.

10.) UND WAS HABE ICH ABGENOMMEN? Wie schon gesagt: Mein Gewicht ist mir mittlerweile völlig egal. Aber der Vollständigkeit halber: Eingestartet bin ich mit 64,9 Kilo. Gewicht nach 30 Tagen Vegan for fit mit einem partybedingten Challengebreak und 3 Straftagen: 63,0. Mein Mann hat in 30 Tagen unglaubliche 8,2 Kilo abgenommen. Und macht weiter.

Interessanterweise hat mein Körper durch Vegan for fit genau an den Stellen Speck verloren, an dem man beim Rind die dicken Steaks abschneidet. Ich bin von der hormonverseuchten Muttersau zu einer glücklichen Kuh auf der grünen Wiese geworden. Das tut gut, sage ich euch. Auf der Wiese bleibe ich jetzt.

Und was hat das alles gekostet??? KASSENSTURZ. Ich habe mir während der ganzen Vegan for fit Challenge aufgeschrieben, was ich ausgegeben habe, um am Ende vergleichen zu können, ob es mehr ist, als sonst. Ist es nicht. Ich habe bis auf 10 € das Gleiche ausgegeben. Das nur mal so als Info – und Gegenargument, falls ihr euch schon den Satz zurechtgelegt hattet: „Aber im Biomarkt einzukaufen ist ja so teuer!“

Meine Lieben, das Leben ist eine abenteuerliche Reise. Nur falls ihr fragen wollt (denn gefragt haben schon Viele): Es gibt bei meinesvenja auch weiterhin immer wieder nicht-vegane Rezepte. Wie lange noch, kann ich nicht sagen. Aber ein paar habe ich noch in Petto – und sonst darf ich Hin und Wieder auch bei meiner besten Freundin Almut „klauen“, auf deren Geschmack ich mich blind verlassen kann.

Als mein Sohn mich gestern fragte: „Esst ihr jetzt für immer vegan?“ habe ich ihn angeschaut und geantwortet: „Weißt Du, im Moment schon. Papa und mir schmeckt das einfach besser und es tut uns gut.“ Darauf mein Sohn: „Na ja, dann macht es ja auch Sinn.“

Was für mich nach der Vegan for fit Challenge viel wichtiger geworden ist, als die Etiketten „vegan“ und „nicht-vegan“ und was ich gerne in Zukunft hier mit euch immer häufiger teilen werde?

Rezepte, die unglaublich lecker schmecken, und gleichzeitig gut für uns, die Tiere und die Umwelt sind. Ich habe euch nämlich wahnsinnig gern und finde, dass ihr das verdient habt.

In diesem Sinne: Danke, dass ihr mich auf dieser Reise begleitet habt. Ich hoffe, ich kann weiter auf euch zählen.

Eure Svenja

P.S.: Und zum Schluss noch einmal ganz ausdrücklich: Ich kann Attila Hildmanns Vegan for fit Buch JEDEM empfehlen und ans Herz legen. Asudrücklich und ohne Einschränkungen. Nicht nur, aber vor allem, weil es mein Leben absolut positiv verändert hat.

P.S.: Wer das Fazit meiner ersten Woche und zweiten Woche und dritten Woche und vierten Woche Vegan for fit verpasst hat, darf natürlich gerne noch einmal nach dem Klick weiterlesen.