Wenn der coolste halbzeit-alleinerziehende Freund, den ich habe, einen Gastbeitrag über Jungsspiele schreibt, ist das MEHR als lesenswert. Frei nach Max Credo „Games sind die neuen Brettspiele“ ist ganz viel erlaubt. Was NULL heißt, dass draußen spielen oder Bewegung zu kurz kommen! Und wer durch den Post auf den Geschmack kommt, springt nachher rüber zu seinem Blog – verlinke ich euch nochmal am Ende des Artikels!

Superhelden-Fußball, Wasserbomben-Volleyball-Tennis, Rülps-Wettbewerb: Wenn meine Jungs und ich Kumpel Marco und dessen Söhne besuchen, veranstalten wir einen Spaßpark für Männer und Männlein. Wie ihr die Attraktionen nachmacht – und was uns dabei schon alles passiert ist. Achtung: Mütter wird manches mindestens irritieren.

Das Schlimmste an diesen Wochenenden sind die Abschiede. Nach knapp 48 Stunden sind alle traurig. „Warum müssen wir jetzt schon fahren?“.

Verständlich: Freitag bis Sonntag war vollgepackt mit Attraktionen, auf die Jungs abfahren. Und wir sind nur Jungs: Zwei alleinerziehende Väter und vier Söhne. In einem Haus und mit unendlichem Spaß. Ein Disneyland für Männer und Männlein – mit ganzjährig wechselnden Attraktionen.

1. Superhelden-Fußball: Spiderman zieht den Ball an sich

Superhelden-Fußball

Was man braucht: Einen Fußball, einen Fußballplatz. Superhelden-Know-How ist gut, eine durchschnittliche Fantasie reicht auch.

Wie es geht: Jeder Spieler bestimmt, welchen Superhelden er darstellt, welche Spezialkraft er besitzt – und wie diese funktioniert. Marcos Sohn Jonas (8) wählt Spiderman und das Spinnenseil, mit dem er Ball und/oder Gegenspieler zu sich herzieht. Jedes Auslösen einer Spezialkraft erfordert 1 Energiepunkt (EP). Pro Gegentor erhält eine Mannschaft 1 EP. Die Teams sprechen sich ab, wessen Fähigkeit sie wann einsetzen, die EPs sind schließlich begrenzt. Siegerteam ist, wer zuerst zehn Tore erzielt.

Varianten: Saisonabhängig. Star Wars-Fußball zum Erscheinen des siebten Teils. Darth Vader dann mit Machtstoß (der getroffene Spieler muss sich zu Boden werfen und fünf Sekunden aussetzen), das Team „Dunkle Seite“ erhält 60 Sekunden lang einen eigenen, zweiten, Ball: den Todesstern, den Luke, Han und Chewbacca nur verteidigen dürfen. An Halloween auch gerne: Zombie-Fußball (Inspirationen zu Zombie-Fähigkeiten: siehe Zombie-Liste aus dem Computerspiel Pflanzen vs. Zombies). An einem Herr-der-Ringe-Kick arbeiten wir.

Was uns dabei passiert ist: Es gibt Elfmeter. Ich, der Herr der Finsternis, rufe beim Anlauf „Ewige Dunkelheit“ (Alle Gegner müssen fünf Sekunden die Augen schließen) – Torwart Marco, der Cowboy-Man, ruft „Fluch des Sattels“ (Alle Gegner müssen sich fünf Sekunden lang breitbeinig bewegen). Marco hechtet blind nach links, ich stakse o-beinig los – und schieße an den rechten Pfosten. Passanten schütteln den Kopf.

2. Der Schnitter: Über den Sinn der Angst

Der Schnitter

Was man braucht: Eine große, fünf kleine Nerf-Kanonen. Eine Taschenlampe, Tesafilm, ein Abspielgerät für diesen mehrstufigen Countdown. Eine Horror-Maske. Dunkelheit.

Vorbereitung: Taschenlampe mit Tesa-Film an großer Nerf-Kanone befestigen, Haus/Wohnung völlig verdunkeln. Den Schnitter (den Jäger) bestimmen, dieser setzt die Horror-Maske auf – er bekommt die große Kanone und zwei Patronen pro Gegner. Die anderen sind die Schafe (die Gejagten) – sie erhalten je eine kleine Nerf-Pistole und zwei Patronen. Den Countdown starten.

Wie es geht: Die Schafe haben 30 Sekunden Zeit sich zu verstecken. Ab 0:30 des Countdowns muss der Schnitter innerhalb von fünf Minuten die Schafe zu finden und mit einer Patrone irgendwo am Körper treffen. Wichtig: Die Schafe dürfen ihre Waffen erst nach dieser Zeit einsetzen – ab Minute 5:30 (Im Countdown markiert durch einen Schrei) bis 10:30 wird der Schnitter zum Gejagten. Der Schnitter gewinnt, wenn er alle Schafe erlegt. Die Schafe, wenn der Schnitter das Zeitliche segnet.

Was uns dabei passiert ist: Der tanzende Lichtkegel! Diese schlurfenden Schritte! Diese Totenkopf-Maske! Gott, was habe ich Angst. Alle haben Angst. Vor allem mein jüngerer Sohn, der unser erster Schnitter ist – und der sich in der Badewanne wimmernd versteckt. Als wir ihn finden, brechen wir ab, beruhigen uns alle und diskutieren über den Sinn von Angst: „Sie ist Weisheit angesichts von Gefahr.“ Nach der kurzen Schlaumeier-Pause spielen wir noch fünf Runden. Angst ist so spannend.

3. Rülps-WM: So laut wie ein Lastwagen

Rülps-WM

Was man braucht: 1. Limonaden, Spezi, Cola, Säfte, Schorlen. Mineralwasser funktioniert auch, ist aber bei der WM nicht zugelassen. 2. Eine App, die Lautstärke in Dezibel misst (Für iOS zum Beispiel die LärmApp, für Android Schallmessung) 3. Jeder Teilnehmer sucht sich einen Rülpsnamen aus. Mein Kumpel Marco ist „der Bass“, ich „Dezibel“. Unsere Gegner: „Bombe“, „Echo“, „Knarre“, „Kanone“.

Wie es geht: Die Teilnehmer mischen sich wilde Kreationen (Fanta plus Apfelschorle ist herrlich, aber wenig wettkampftauglich. Profis mischen Spezi mit Cola). Wer glaubt, rülpsen zu können, meldet per Handzeichen einen Versuch an. Nun müssen alle schweigen, um das Messergebnis nicht zu verfälschen. Im Falle eines erfolgreichen Rülpsers müssen mindestens zwei Kontrahenten die Maximal-Lautstärke bestätigen.

Varianten: Das Doping der RÜLPS-WM ist die Ahoi-Brause. Kann allerdings nach vorne losgehen – empfehle ich daher nur den Besten der Welt. Und eine Furz-WM? Also, also – was für eine ekelhafte Idee.

Was uns dabei passiert ist: „Kanone“ liegt vor seinem letzten Versuch mit 84,8 Dezibel auf Platz drei – und greift zum Doping. Zu einer doppelten Dosis. Er erbricht, wir brechen ab. „Echo“ gewinnt mit 90,2, so laut wie ein Lastwagen – wie wir unter Lachtränen nachschlagen.

4. Wasserbomben-Volleyball-Tennis: Anschneiden erlaubt

Wasserbomben-Volleyball-Tennis

Was man braucht: 500 Wasserbomben. Wasser. Ein kleines Tor oder ein Seil.

Vorbereitung: Im Garten oder auf irgendeiner Wiese ein Seil in etwa 1,60 Meter Höhe spannen. Auf beiden Seiten ein Feld von 1,50 mal 1,50 Meter abstecken. Wir haben über ein Kinder-Garten-Tor gespielt. Das Feld begrenzte der Gartenschlauch.

Wie es geht: Eins gegen eins. Die Spieler werfen die Wasserbombe abwechselnd über das Netz – solange, bis sie kaputt geht. Einen Punkt erhält man, wenn: 1. Die Bombe im Feld des Gegners platzt. 2. Die Bombe irgendwo auf der anderen Seite des Netzes platzt, nachdem sie der Gegner als Letzter berührt hat. 3. Der Gegner die Wasserbombe ins Aus wirft – und sie dort zerplatzt. WICHTIG: Die Wasserbomben dürfen nur von unten geworfen werden. Und per T-Shirt fangen ist verboten. Es gewinnt, wer zuerst drei Punkte hat. Profis spielen übrigens mit kurzen Fingernägeln.

Was uns dabei passiert ist: Es steht 2:2 im Finale der ersten Weltmeisterschaft im Wasserbomben-Volleyball-Tennis. Mein älterer Sohn serviert – und hat eine Idee, die diesen Sport revolutionieren wird: Er gibt der übervollen Wasserbombe beim Anwurf einen Rechtsdrall, dass sie durch die Luft schwabbelt wie einst die Zeichentrickfiguren von Barbapapa. Ein unfangbares Fluggerät. 3:2. Er ist Weltmeister.

5. Mister X live: Räuber und Gendarm im 21. Jahrhundert

Agent-X

Was man braucht: Zwei bis sechs Smartphones. Jeweils bestückt mit der App „Mister X“ (Für iOS oder Android)

Wie es geht: Wie das Brettspiel-Vorbild „Scotland Yard“: Mister X ist auf der Flucht, die Agenten verfolgen ihn. Das Brett ist die Nachbarschaft, die Figuren sind wir selbst. Die App zeigt eine Karte der Umgebung, live den aktuellen Aufenthaltsort aller Agenten (aber nur jede Minute den von Mister X) und virtuelle Gegenstände an realen Orten. Zum Beispiel einen einsammelbaren Schrei, den Agenten auf das Handy von Mister X schicken, wenn sie ihn in unmittelbarer Nähe wähnen. Aber nicht sehen.

Varianten: Je mehr Smartphones, und je mehr Spieler pro Smartphone, desto lustiger. Nachts mit Taschenlampen unglaublich spannend. Aber für die Agenten auch verräterisch.

Was uns dabei passiert ist: Jedes einzelne Spiel ist ein Adrenalin-Festival. Jonas (8) und ich liegen in einem fremden Garten hinter einer Hecke. Die Agenten sind laut App wenige Meter von uns entfernt … „da sind sie!“: auf der anderen Seite der Hecke. Sie müssen doch unser Herzklopfen hören. „Wo verstecken die sich?“, fragt einer. „Schick einen Schrei“, sagt ein anderer. Als dieser auf unserem Smartphone ertönt, robben wir längst durch den nächsten Garten.

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