Wieso ich nicht mehr renne

Ihr Lieben,

eben habe ich Rebeccas Beitrag zum Thema “Ich habe keinen Atem mehr und höre auf” gelesen. Darin geht es um das, was einige Bloggerinnen erleben – aber nicht nur die, sondern auch Mütter generell. Das Atemlose, das fast nicht Vereinbare, das Permanente. Viele von uns sind getrieben von dem Gefühl, auch alleine finanziell für unsere Familien da sein können zu wollen. Neben allem anderen. Und das ist dann oft zu viel.

Nachdem ich jahrelang mitten aus dem Herzen fünf Mal die Woche gebloggt habe, war bei mir im Oktober 2014 der Moment gekommen, in dem ich etwas begriffen habe. Schon vorher hatte ich wenigstens in den Sommerferien nicht gebloggt. Seitdem blogge ich in den Schulferien generell nicht mehr.

rennenMeine Kinder und ich im Sommer, beim “nicht-Rennen”

Zusätzlich habe ich mich von dem Blogger-Hamsterrad abgewendet, das nur läuft, wenn man JETZT etwas schreibt und JETZT Leser kommen.

Anstatt dessen bin ich das strategisch angegangen und habe ganz viel auf Inhalte gesetzt, die von Menschen auch noch in Jahren gesucht werden. Natürlich lest ihr hier auch immer wieder ganz persönliche Dinge von mir und nehmt an meiner Entwicklung teil. Die – wenn wir mal ganz ehrlich sind – nicht sehr besonders ist, denn sie ist die Entwicklung jeder Mutter. Von “alles neu” über “hoffnungslos überfordert” zu “Ich sehe einen Lichtstreifen am Horizont”. Und dann “Oh, das war wohl eher eine Fata Morgana” und “Jetzt sind sie echt aus dem Gröbsten raus”.

Was ich in all den Jahren gelernt habe? Dass ich mein Leben und mein Berufsleben nicht als kurzes Projekt begreifen darf, sondern im Langzeitmodus. Unter meinem letzten Post stand verheißungsvoll im P.S., dass ich was Großes feiern darf. Heute Morgen habe ich die aktuellen Zahlen für euch gecheckt und habe ein Ziel überschritten, das ich mir bereits vor drei Jahren gesetzt habe.

In den letzten 30 Tagen hatte ich 218.100 einzelne Leser auf meinem Blog. Also verschiedene Leser. Nicht Besuche, sondern BESUCHER.

Und das heißt, dass ich noch diesen Monat die dritte Allianz Arena vollmachen werde (das wären 225.000 – und das schaffe ich locker). Insgesamt waren auf meinem Blog seit Bestehen damit fast 3 1/2 Millionen Menschen. Warum ich euch das erzähle?

Weil ich einfach möchte, dass jedem Blogger und jeder Frau klar ist, dass wir zwar die Runde laufen müssen, die den langen Atem braucht. Aber dass wir dabei Pausen machen dürfen, um auch wirklich im Ziel anzukommen. Jeder Post, jedes liebe Wort, jede Mail an eine Leserin ist wichtig. Genauso wie jede Umarmung, jedes Kastanien basteln und jede Gute-Nacht-Geschichte, die wir unseren Kindern vorlesen. Aber bitte alles nacheinander – und nicht auf einmal.

Auch gilt: Alleine tut man sich viel schwerer. Deshalb sucht euch Menschen, mit denen ihr die Arbeit und die Erfolge teilen könnt. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei “meinem” Thorsten Ising bedanken, ohne den ich das Handwerkszeug zu diesem Erfolg nicht hätte. Jeder braucht einen Mentor, Du warst meiner. Und bleibst es hoffentlich noch lange.

Danke auch an meine Sandra, die mich vier Jahre unterstützt hat und im August “leider” für die Liebe in ein anderes Land gezogen ist und da jetzt ein Leben ohne meinesvenja lebt. Ich gönne es Dir von Herzen und freue mich, dass Du Dein Glück gefunden hast. Trotzdem komisch, jetzt wieder ganz alleine für alles verantwortlich zu sein.

Und natürlich Danke an meinen Mann, der immer an mich geglaubt hat und so darauf bestanden hat, dass ich gut bin, dass ich es am Ende selbst geglaubt habe ;-)

Auch wenn ich jetzt rührselig enden könnte – warum ich euch eigentlich schreibe ist, dass mir heute sowohl Rebeccas Post als auch der Kommentar meiner Leserin Martina (kommt gleich, Moment noch) gezeigt haben, welche Bandbreite es im Leben von uns Bloggern gibt. Ich kenne die Überforderung und das keine Luft bekommen genauso wie die immense Belastung durch das Unternehmertum, von dem Rebecca schreibt. Übrigens auch das dauernde kopiert werden (Ja, ich sehe euch…)

Was ich aber manchmal total vergesse ist, welche Expertise ich mittlerweile draufhabe – so wie alle Profiblogger. Und da kam dann Martinas Kommentar ins Spiel, der mich heute zum nachdenklichen Lachen brachte:

“Ich verstehe dich nicht (mehr)! Den Beitrag mit der Hengstin (Anmerkung: Ein Beitrag den ich vor ein paar Tagen geschrieben habe) habe ich bestimmt 5 Mal gelesen und habe null verstanden, und zwar wegen folgender Worte: Content, snack bite, fake, geshootet, facetune, snap, extensions, percentage, Volos, Snapchat, Influencer, Parenthashtag, blessed, Instafame, Buzzfeed, Clickbaiting, Headlines, Millenials. Ich verstehe keines dieser Worte und damit deinen ganzen Beitrag nicht. Bei diesem Beitrag verstehe ich nicht mal die Überschrift, wenn ich „Dust yourself off“ mit Bing übersetzen lasse, kommt „Staub selbst aus“ als Übersetzung – ich bin ratlos. „Take that for a change of moods.“ Wie bitte? Was bedeutet commiten? Kannst du nicht einfach deutsche Worte benutzen? Redest du denn auch so oder ist das nur deine Schreibsprache?
Ratlose Grüße”

Nachdenklich hat mich das gemacht, weil ich mich kurz gefragt habe, ob ich wirklich so unverständlich schreibe, denn das ist natürlich nicht das, was ich will. Lachen musste ich, weil ich tatsächlich so spreche, seit ich mit 16 das erste Mal in den Sommerferien in Kanada war und die englische Sprache eigentlich mehr liebe, als die deutsche.

Aber weil ich sehr Ernst nehme, wenn ihr mir sowas schreibt, dachte ich mir: Was bringen so viele Leser, wenn einige Dich nicht mehr verstehen? Deshalb zur Feier des Tages einmal alle Begriffe erklärt, falls es jemandem ähnlich ging wie Martina.

Wir Blogger, die im Job immer online sind, finden das nämlich alles ganz normal und vergessen manchmal, dass das nicht für alle gilt. Und Martina: Ich verspreche fest, bei den Worten, wo es möglich ist, wieder mehr deutsche Begriffe zu verwenden!

Content = Inhalt – kann ein Blogpost sein oder ein Facebookpost, ein Artikel für eine Onlineplattform jeglicher Art.

Snack bite = snack bite content ist Inhalt in seiner kürzesten Form. Hier ein Besipiel dafür, wie das GUT gemacht wird: Bookstalicious auf Instagram. Schlecht gemacht zeige ich hier nicht, weil ich auf meinem Blog niemanden vorführe.

Fake content = Inhalte, die gestellt sind und uns das schönste Leben vorgaukeln. Immer wieder gibt es Social Media Berühmtheiten, die erzählen, wie es hinter den Kulissen wirklich aussieht – und die verzweifelt sind.

 

Geshootet = fotografiert

Facetune = eine App, mit der man sein Gesicht verschönern kann

Snapchat = eine App, mit der ich Videos und Fotos von mir an andere verschicken kann, mit anderen chatten und telefonieren und vieles mehr kann

Snap = Inhalt, den man auf der Snapchat App postet. Das kann ein Video sein oder ein Foto oder eine Grafik.

Extensions = künstliche Haarverlängerungen

Percentage = Prozentsatz

Volos = Volonäre/Volontärinnen

Influencer = Menschen mit vielen Followern und Lesern auf Blogs, auf Facebook, Instagram, Youtube, Pinterest, Twitter etc.

Parenthashtag #blessed = ein Hashtag ist ein Schlagwort, mit dem ich Inhalte kennzeichnen kann. Wenn ich zum Beispiel auf Instagram den Satz schreibe: “Veganes Essen ist am leckersten” und dazu ein Essenbild poste, könnte ich den Hashtag #vegangirl verwenden, um von Menschen mit ähnlichen Interessen gefunden zu werden. Parenthashtags sind Hashtags, die häufig von Eltern verwendet werden. Der Parenthashtag #blessed (“gesegnet”) wird oft von Eltern verwendet und erhöht den sozialen Druck auf Mütter, die übermüdet und einfach nur fertig sind, weil sie Kinder bekommen haben (soll es ja geben).

Instafame = Menschen, die auf Instagram viele Follower haben, haben Instafame (also “Instaberühmtheit”)

Buzzfeed = eine Website, die zu Beginn für ihre Katzenfotos und – videos bekannt war. Heute steht sie für schnell konsumierbare Inhalte, oft in Listenform.

Clickbaiting Headlines = Überschriften, die in einer bestimmten aufsehenerregenden Art formuliert werden, um die Menschen zum Anklicken eines Artikels zu bewegen. Hier ein Beispiel, das auch gleichzeitig die Verwässerung der Marke Brigitte zeigt.

Millenials = auch “Gerenation Y”, folgt auf die Generation X. Die Menschen, die zwischen 1980 und 1999 geboren wurden.

Committen = sich zu etwas bekennen, auf etwas einlassen, sich verpflichten

Dust yourself off = Es gibt eine englische Redewendung, die beschreibt, was man tun sollte, wenn man eine Niederlage erleidet. “Pick yourself up, dust yourself off” – also “Steh wieder auf und schlag Dir den Dreck von den Klamotten” – Diana Krall singt das sehr schön – mit dem Zusatz: Start all over again. Bei mir bezog sich die Überschrift “Dust yourself off” darauf, dass der Artikel, unter dem Du kommentiert hast, der erste Artikel nach Hillary Clintons Wahlniederlage war.

 

„Take that for a change of moods.“ = Das war die Zusammenfassung des Absatzes davor in dem ich beschrieben habe, dass ich mich nach Hillarys Niederlage verkrochen habe – nur um am Wochenende danach zu einem Festival mit Liebesromanautorinnen zu gehen – also in einem Raum mit Frauen zu sein, die an die Liebe glauben. Und DAS war mein “Wechsel(bad) der Gefühle, dass ich der ganzen Welt (take that) vor die Füße werfen wollte.

Und ab jetzt Martina – und alle anderen Leserinnen, die mal was nicht verstehen – ihr könnt gerne immer direkt in den Kommentaren fragen. Meine Begeisterung für die englische Sprache geht halt manchmal mit mir durch. Genauso wie die Begeisterung für das, was ich jede Tag tue. Bloggen und digital arbeiten.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine wunderschöne Restwoche.

Eure Svenja

13 Kommentare

  1. Liebe Svenja, Auch mich hat der Beitrag aus Berlin sehr gerührt. Und auch traurig gemacht. Denn das ist was, was uns alle vereint. Auch die Männer sind viel zu wenig bei sich. Deshalb haben sie einen vermeintlich längeren Atem, weil sie es viel zu spät merken. Ich danke dir für deinen Blog. Ich bin ganz begeistert und freue mich, dass du so viele Besucher hast. Du bist es wert. Du sagt, was du fühlst und bist, die du bist. Das ist ansteckend. Wunderbar. Danke, dass du auf die Pausen hindeutest und so gut deine Wege gehst. Du machst es einem leichter mitzugehen.
    Herzlichst, Natalia

  2. Liebe Svenja, da bin ich aber froh, daß Martina es gewagt hat, dies zu schreiben. Ehrlich gesagt, lese ich hier nicht mehr so viel mit, weil es mir auch so geht. Es gibt tatsächlich Menschen, die des englischen nicht mächtig sind. Vielleicht ändert sich ja was? Da. Würde ich wieder öfter hier reinschauen und vielleicht auch mehr verstehen. ????

    1. Du – das ist doch voll OK, wenn man eine Sprache nicht spricht. Ich spreche auch nur Englisch und Deutsch, sonst nix. Also – verbiegen kann ich mich nicht, aber mehr darauf achten, dass ich bei Begriffen, wo es ein durchaus auch zu meiner Sprechweise passendes deutsches Gegenstück gibt eben DAS auch verwenden, das kann ich. Du weißt, wie es ist: Wenn man etwas im Schlaf kann (ich habe ja Englisch auch studiert) vergisst man manchmal glatt, dass es anderen nicht so geht. Deshalb: Super, wenn ihr mir da Feedback gebt. Ich kann nur daraus lernen.

  3. Ich liebe Deine Begeisterung – ich liebe liebe liebe sie und genau das tanke ich immer wieder. Vorgestern Abend, ich saß in einem Kreis in dem gerade mal eine Dame twittert, sonst haben sie digital weniger zu tun und trotzdem lieben sie es, wie meine Augen glühen, wenn ich von Konferenzen spreche, wenn ich davon berichte wie spannend ich etwas finde und wie sehr es mich erfüllt wenn ich Leser-Kommentare und Emails bekomme. Sie sehen das und manche verstehen es nicht mal, aber es freut sie, das es mich glücklich macht. Und sowohl die Twitterin, wie auch zwei andere haben schon mal hier und da geschaut. Geschaut, was mich da denn so glücklich macht. Eine versteht es nicht, findet aber das Strahlen in den Augen toll, die andere möchte erst mal beobachten und mich macht beides total glücklich!

    Für mehr Offenheit und Miteinander – weil es den anderen eben genau so glücklich machen kann, wie einen selbst….

    1. Ach das ist schön, wie Du das beschreibst. Coole Frauenrunden sind sowieso das GRÖSSTE. Und ja, wir sind da schon extrem nerdig in macnhen Bereichen. Aber es ist zwischenmenschlich einfach auch ganz ganz besonders. Ich bin da voll bei Dir und BRENNE wirklich dafür, was wir uns mittlerweile für berufliche Möglichkeiten nur durch Handeln und Disziplin aufbauen können. Wer möchte, kann. Das empfinde ich als wahnsinnigen Luxus, denn das war als ich 20 war noch ganz anders. Liebe Grüße, Svenja

  4. Liebe Svenja. Es ist verrückt dass Du diesen Post in dem Moment geschrieben hast, als ich dir eine mail geschickt habe um Dir zu sagen wie schwer es ist mit jemandem zu arbeiten der nicht Du bist. Ich denke immer an Dich und Deine Familie, und bin sehr dankbar für diese wertvolle Zeit, die wir zusammen hatten.

    1. Das ist total verrückt. Verrückt ist auch, dass wir beide sofort ohne einander neu weitermachen können, aber trotzdem an vielen Ecken merken, wie einfach wir es gemeinsam hatten. Aber das ist ja auch das Schöne in den Jahren gewesen, dass wir uns dessen immer bewusst waren und uns jedem neuen Hoch oder Tief geöffnet haben. Immer im Wissen: Das wird für irgendwas gut sein. Und Du weißt ja: Hier ist immer ein Arbeitsplatz für Dich frei. Auch ein virtueller. Just saying ;-)

  5. Liebe Svenja und auch liebe Martina,

    danke für die Frage und die Erklärung der “Fachbegriffe”, denn das sind sie ja eigentlich, denn im Englischen lassen sich eben, gerade in der Virtuellen Welt machen Dinge kurz und knackig mit einem Wort ausdrücken, wozu man im Deutschen einen ganzen Satz braucht.
    Jetzt verstehe ich auch viele Begriffe besser :-)
    Das erinnert mich an meine Ausbildung und daran sieht man auch, wie “verenglischt” wir bereits in vielen Bereichen sind. Ich hab Reiseverkehrskauffrau gelernt und da bekamen wir mal die Aufgabe, einer Oma, die zum erstem Mal in ihrem Leben fliegt, zu erklären, was sie zu tun hat, wenn sie in den Flughafen kommt.
    Das alles ohne englische Begriffe, also z.B. “Sie kommen ins Terminal, gehen zum Check In, dort geben Sie den Koffer ab und müssen dann einchecken, usw.”
    Das ist echt eine Herausforderung.
    Liebe Grüße
    Tina

  6. Liebe Svenja, Sprache ändert sich ja ständig, und vielleicht bürgert sich gerade “Content” als neues Synonym für “Online-Artikel” oder “Inhalt” ein. Aber ich mag mich nicht an dieses Wort gewöhnen.

    Der Begriff “Content” stammt ja nicht von Bloggern oder Journalisten oder Fotografen, sondern von denen, die “Content” vermarkten oder ihn einkaufen, um damit den Platz zwischen der Werbung zweckmäßig zu füllen, weil halt keiner wegen der Werbung auf eine Seite kommt. Bilder und Texte als reine Mittel zum Zweck. Das ist aber ein gewisser Widerspruch zum Bloggen aus Leidenschaft oder um einer Sache willen. Jedenfalls komme ich sehr gut ohne das Wort “Content” zurecht, egal ob ich mit einem Text Geld verdienen will oder nicht. :-)

    1. HAHAHA, das nenne ich mal einen guten Kommentar. Irene, Du hast mich zum Lachen gebracht. Ich komme als Uralt-Bloggerin (und Germanistin) tatsächlich auch super ohne das Wort aus. ABER die Menschen, denen ich meine Dienstleistung verkaufe, NULL. Auch nicht ohne Touchpoints und Performance ;-) Liebe Grüße, Svenja

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