Ihr Lieben,

seit ein paar Wochen merke ich, dass ein Thema in mir gärt. Ich drehe es, ich wende es und je länger ich mich damit beschäftige, desto klarer wird mir: Das ist was Großes. Ich würde mich freuen, wenn ihr diesen Post von Anfang bis Ende lest. Denn er hat viel mit euch zu tun. Mit eurem Leben, eurer Zukunftsfähigkeit und damit, was eure Kinder von euch fürs Leben mitnehmen.

Ich weiß, das Internet hat nicht bei allen einen guten Ruf. Zum Beispiel bei meinem 75-jährigen Vater, der lieber mit dem Auto in die Stadt fährt, um dort ein ganz bestimmtes Buch zu kaufen, anstatt es im Internet zu bestellen. Das hört sich ja jetzt noch halbwegs sympathisch an, denn er unterstützt damit den lokalen Buchhandel. Aber er fährt auch in die Stadt, um ein Zugticket zu buchen oder einen Flug. Um eine Rechnung zu bezahlen oder um Fotos abzuholen, die für ihn entwickelt wurden. Und die schickt er mir dann zu. In einem Brief.

Das alles tut er, weil er es schon immer so gemacht hat. Und ja, jetzt könnte man sagen: Ist doch sympathisch, dass der alte Mann so altmodisch ist. Weiß ich denn sein schönes Foto, seinen Brief und seine Mühe nicht zu schätzen? Doch, weiß ich.

Aber manchmal legt er mir einen Zeitungsausschnitt mit in den Brief über einen Bekannten und ruft mich dann an, wenn ich den Brief bekommen habe, um zu fragen, ob ich den Artikel schon gelesen habe. Klar, habe ich. Auf Facebook, vor Tagen oder Wochen. Als ihn genau der Bekannte und seine Tochter gepostet haben. Online.

Aber dieser Post handelt ja nicht von meinem Vater, sondern von euch. Oder besser: Von den missed opportunities einer ganzen Generation. MEINER Generation. Und wie ich immer wieder feststellen muss: Auch von Menschen, die locker 10 Jahre jünger und älter als ich sind.

Wenn ihr jetzt denkt: „Also – ich BIN ja bei Facebook.“ und „Ich HABE ja ein Smartphone.“ Dann möchte ich euch fragen: Und was macht ihr damit? Außer mit euren Lieben in Kontakt zu bleiben und euch zu informieren (und hei, das ist immerhin schon einmal mehr, als mein 75-jähriger Vater tut und bei IHM würde mir diese Art von Nutzung komplett reichen!)

Bei den meisten lautet die Antwort: Nicht viel. Und das, meine Lieben, halte ich für ein Riesenproblem. Nicht nur weil ihr Kinder habt und Bescheid wissen solltet, dass am Ende manch lang anmutender Facebookposts über bestimmte Games von Jugendlichen (also dann, wenn kein Erwachsener mehr mitliest) Sätze stehen wie: „Sag mal, kennt ihr andere Seiten auf denen man XXX Filme schauen kann, als XXX.“ Und ich schreibe nicht XXX damit ihr nicht wisst, über welche Filme Jugendliche nachdenken oder welche Seiten sie meinen (das wisst ihr eh), sondern damit Google mich nicht indiziert.

Damit Google WAS nicht macht? JA, genau. Genau das ist oft das Problem. Wir haben noch nicht einmal Grundlagen Know how.

Ich weiß ja, dass ihr hier schon relativ Internet-tüchtig seid. Viele Menschen da draußen wissen weder was ein Blog ist, noch lesen sie welche. Aber wisst ihr auch was Snapchat ist? Oder Instagram? Oder Periscope?

Ja, wir sind nicht mit diesen Sachen aufgewachsen. Aber wir sind auch nicht mit einem Führerschein geboren worden, konnten nicht sofort einen höflichen Entschuldigungsbrief verfassen oder eine Kurvendiskussion durchführen.

Ich brenne brenne brenne dafür, dass wir informiert sind. Nicht nur, weil wir die Generation von morgen aufziehen. Sondern weil ich am eigenen Leib und in meinem eigenen Leben sehen kann, welche Möglichkeiten sich auftun, nur WEIL ich mich auskenne. Und weiß Gott nicht mit allem und weiß Gott nicht immer im Detail. Aber ich lerne jeden Tag etwas dazu und sauge die Dinge auf, weil ich weiß, dass dieser Satz stimmt.

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Ich war ja diese Woche mit meinem Mann zusammen beim Hanser Verlag eingeladen. Ein Verlag, den ich schon lange toll finde. Wir haben dort einen Vortrag gehalten. Zuerst habe ich darüber gesprochen, wie man erfolgreich bloggt und dann Uwe darüber, wie man Video in Social Media einsetzt.

Alle waren super interessiert – aber hatten von den meisten Dingen noch nie gehört. Verstehe ich total. Das ist was, was ich fast überall im professionellen Umfeld erlebe. Die Menschen beherrschen ihren Job von der Pieke auf. Darin sind sie top, haben profundes Know how und würden auch blind einen Treffer landen. Aber die Add ons, die fehlen. Das Internet, da sind die meisten blank. Und das ist ein Riesenfehler.

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Das Internet ist nichts, was wieder weggeht. Es ist auch nichts, was man ignorieren kann. Ihr müsst nicht überall einen Account haben. Ihr müsst nicht überall mitmachen. Aber ihr solltet euch informieren, wenn ihr wissen wollt, welche Chancen es für euch gibt.

Wenn ihr jetzt denkt: „Ach Gott, ich habe ja einen Beruf, in dem das nicht wichtig ist.“ dann kann ich nur sagen: ERSTENS gibt es keinen Beruf, in dem das nicht wichtig ist. Also nicht, wenn ihr besser sein wollt als andere (oder einfach nur fantastisch in eurem Job, dazu braucht es ja gar kein Konkurrenzdenken). Wenn ihr gefunden werden wollt, Kunden haben wollt oder fachlich und kreativ up to date sein wollt. Und ZWEITENS geht es nicht nur um eure Chancen, sondern auch um die eurer Kinder.

Meine Tochter weiß jetzt schon, wie man Pinterest bedient, wie man Keywords sucht, wie man im Internet gefunden wird und welche Inhalte man wo verteilen muss, um erfolgreich zu sein. Sie ist wie jedes 11-jährige Mädchen auch im Internet, um DIY Tutorials für Lipbalm zu finden. Aber sie sieht und versteht auch die Businessmodelle von Youtubern und Gamern. Mein Sohn weiß, womit die ihr Geld verdienen und wenn ihm was Neues auffällt – und das geht von eingeblendeter Werbung über Kooperationen bis hin zu Interaktionen – dann erzählt er mir davon und will noch besser verstehen, wie das im Hintergrund wirklich läuft.

WIR sind die Lehrer unserer Kinder. Denn im Informatikunterricht meiner Tochter, der gerade gestartet ist, musste sie „irgendwas darüber aufschreiben, wie Informationen verteilt werden“. WIR müssen zeitgemäße Antworten haben oder sie mit unseren Kindern gemeinsam erarbeiten.

Ganz ehrlich: Ich glaube nicht, dass unsere Kinder noch so ins Berufsleben starten werden, wie wir. Mit einer Berufsausbildung oder einem Studium – aber auf jedenfall mit einem klaren Weg. Außer sie wollen Arzt werden oder Dachdecker, Jurist, Schreiner oder Architekt. Und auch da gibt es mittlerweile so viele Möglichkeiten mehr durch das Internet, dass mir schwindelig wird.

Um unseren Kindern zu helfen, müssen wir uns auskennen. Denn wir haben etwas, was sie nicht haben. Und was dabei helfen kann, unter den vielen Möglichkeiten, die junge Menschen heute haben, die EINE herauszufiltern, die unsere Kinder ein Leben lang glücklich machen kann. Wobei ich sowieso glaube, dass die EINE immer das lebenslange Lernen mit flexiblem Umschwenken ja nach Lebenssituation ist.

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Das, was ich euch aber eigentlich zurufen will ist nicht: „Seid internetsavy um euren Kids zu helfen.“ Sondern: „Hei, das Internet und seine Möglichkeiten geht euch was an, FALLS IHR EIN AUFREGENDES LEBEN HABEN WOLLT.“

Ich weiß, wie viel professionelle Expertise und praktische Lebenserfahrung in meinen Lesern versammelt ist. Aber ich glaube eben, dass da noch VIEL mehr geht. Dass aber eine ganz große Angst da ist, zu alt zu sein. Den Anschluss verpasst zu haben. Dass das alles zu kompliziert ist. Und nicht praktikabel.

Locker bleiben – der Zug ist keineswegs ohne euch abgefahren. Eigentlich ist das Ganze nur wie Mathematik. Und wenn ich als Germanistin, die unter anderem wegen Mathe zweimal (ja, zweimal) sitzengeblieben ist, das versteht, dann werdet ihr das wohl erst recht checken.

Vor ein paar Tagen habe ich einen Beitrag darüber geschrieben, wie ich für den Blog fotografiere. Ich habe gemerkt: Daran findet ihr vor allem genau eine Sache spannend. „Das IST ja gar kein Hexenwerk.“

Ich mache ja tatsächlich alle Fotos nur mit dem iPhone. Nur bei Tageslicht (ach so, man braucht da gar kein Equipment). Ja natürlich braucht man das nicht, weil ich es doch sonst auch nicht könnte. Ich habe doch auch zwei Kinder und bin 44 und habe weiß Gott was anderes zu tun und auch nicht das Geld über, um mir hier ein semiprofessionelles Studio einzurichten.

Zwei Leserinnen haben mir geschrieben, dass ihnen das Mut macht, zu sehen, wie einfach das ist. Und vor allem: Wie ich das einfach MACHE – und dass das ja gar nicht so kompliziert aussieht.

Ihr wisst gar nicht, wie ich mich darüber gefreut habe. Denn das ist es, was ich will: Euch die Scheu vor Dingen nehmen.

Ich möchte für euch einfach mal einen „Hausfrauen“-Blick auf das Internet werfen. Denn wir Frauen wissen schließlich: Nur das Machbare hat im Alltag Platz – auch bei der Technik.

Ich werde jetzt immer mal wieder über Dinge schreiben, die zu meinem täglichen Handwerk gehören. Über Sachen, die mir auffallen im Internet. Wie Dinge funktionieren. Zusammenhänge, die ich sehe. Mein Ziel ist es, euch da unterhaltsam ein bisschen näher ranzurücken.

Denn ich mache WIRKLICH fast alles nur vom Telefon aus und ich meine HEI – ihr habt auch eins.

In diesem Sinne

Eure Svenja

P.S.: Und um gleich mal mit was Einfachem anzufangen – wer meine Videoreihe zum Thema: „Was ist eigentlich Pinterest und wie verwende ich es, um Ideen für Kindergeburtstage zu finden oder Reisen zu planen“ verpasst hat, der darf gerne ein bisschen Zeit seines Wochenendes dazu nutzen, sich schon mal in der „new world“ fortzubilden. Haut rein, Mädels.